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Datum: 26. April 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Tobias Thieme Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Hillesheim Drucken

Mord und Totschlag im Eifelidyll

Eifelkrimis sind zu einer festen Größe in der deutschen Unterhaltungsliteratur geworden. Oft taucht in ihnen das Städchen Hillesheim auf. Bei einer Tagestour können Krimifans die literarischen Schauplätze entdecken – und noch einiges mehr rund um den Krimi.
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Das kleine Städtchen Hillesheim versteckt sich unscheinbar in der Hügellandschaft der Vulkaneifel. An einem sonnigen Tag wie diesem mag der Besucher gar nicht glauben, dass in diesem Örtchen das Verbrechen zu Hause ist. Doch es ist längst niedergeschrieben, in Dutzenden von Eifelkrimis. Auf das alle Welt davon erfahre. Zumindest bis in den Ruhrpott hat sich das herumgesprochen. Anna und René Plum aus Essen sind in die Eifel gereist, um ihren Schnüffler-Spürsinn zu schärfen.

Ihre Lehrerin an diesem Tag: Dorita Molter-Fresch alias Klara Fall. Mit etwa 15 anderen Spürnasen schleichen die Plums durch die Stadt. An jedem Schauplatz eines Eifelkrimis werden sie kleine Rätsel lösen müssen. Wenn's klappt, winkt das Krimi-Diplom für die Wohnzimmerwand. Auf dem Weg von der Burgmauer nahe der Touristinfo geht es zu einem Häuschen mit einer Bärenskulptur vor der Tür. Ein klarer Hinweis auf einen Krimi von Jacques Berndorf, in dem es um einen erschlagenen Zigeuner und einen verschwundenen Bären geht. Während die Gäste aus dem Ruhrgebiet noch überlegen, hat Bernd Wegner aus Lambertsberg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) die Lösung gemeinsam mit seiner Frau Ursula längst gefunden. Er hat die meisten Berndorf-Bücher gelesen. „Wir sind Zugezogene, mit den Krimis habe ich viel über die Region gelernt. Es ist spannend, jetzt die Tatorte zu erkunden“, sagt er. Weiter geht es am alten Brunnen vorbei zum Park mit der alten Befestigungsanlage. Und immer gibt Klara Fall den Gästen auch ein bisschen Hillesheimer Geschichte mit auf den Weg.

Zum Tee mit Kommissar Maigret

Kleiner Höhepunkt des Rundgangs ist das im Stil der 50er Jahre gestaltete Kino der Stadt. Hier ermittelt Herbie Feldmann, dessen Schöpfer Schriftsteller Ralf Kramp ist. Im Kino bekommen die Teilnehmer einen Filmstreifen mit 24 Bildern. Das entspricht genau einer Sekunde Film. Ob ausgerechnet in dieser Sekunde des Rätsels Lösung steckt? Anna und René Plum haben die Lösung schon entdeckt, sie soll aber hier nicht verraten werden. „Die Aufgaben waren alle lösbar. Nur einmal musste ich beim Nachbarn abschauen“, grinst Anna Plum. Nach etwa zehn Stationen dürfen sich die Krimifans im Café Sherlock, das zum Kriminalhaus gehört, selbst als Autoren versuchen. Einzige Vorgabe für die Fortsetzungsgeschichte: Die Lösungsworte aus dem Rätsel müssen „verarbeitet“ werden. Wer hungrig ist, findet etwas Passendes auf der Speisekarte: Miss Marple's Cream Tea etwa, Teeküchlein mit original „clotted cream“ oder eine Tomatensuppe Corleone. Serviert wird das Essen vielleicht am Kommissar-Maigret- oder am Hercule-Poirot-Tisch, wo unter einer Glasplatte der Schnurbart und die Brille des berühmten Detektivs liegen. Entdeckungsfreudige können übrigens auch auf eigene Faust eine Krimiwanderung machen. Bei der Tourist-info gibt es Kartenmaterial. Im Archiv des Kriminalhauses, wo alle Eifelkrimis aufbewahrt werden, kann man sich vorbereiten. 25 000 Bücher stehen dort in dunklen Holzregalen. Vom Groschenroman aus den 70er Jahren über Klassiker bis zu den neuesten Eifelkrimis tragen die schweren Regalbretter deutsche und internationale Krimiliteratur. Mitnehmen können Leseratten die Bücher nicht, während der Öffnungszeit aber in Sesseln aus Omas Zeiten ausgiebig darin schmökern. Etwa in einem Rätselheft von 1938. In ihm stecken Verhörprotokolle, Bilder, verräterische Telegramme und andere Asservate. Ob der Fall schließlich richtig gelöst wurde, muss geheim bleiben. Denn der versiegelte Lösungsumschlag am Ende des Heftes darf bei dieser Antiquität natürlich nicht geöffnet werden. Führung und Besuch im Kriminalhaus lassen sich bequem als Tagestour planen. Wagemutige verbringen auch die Nacht im Verbrechernest Hillesheim, etwa im Krimihotel. Dort können sie hoffen, dass Miss Marple, Derrick oder James Bond ein wachsames Auge auf das Schlafzimmer werfen. Der Gast nächtigt in Themenzimmern. „Harry, fahr' schon mal den Wagen vor!“: Dieser Satz soll zwar in keiner Derrick-Folge gefallen sein. Trotzdem wurde er zum Markenzeichen der Serie. Folglich hängen auch die Wagenschlüssel im Derrickzimmer und in einer Vitrine, nicht ganz echt, Derricks Tränensäcke. Wer sich dann noch eine Flasche Asbach gönnt, kann sich im Cordsessel zurücklehnen und in Gedanken selbst auf Verbrecherjagd gehen. Im 007-Zimmer leistet eine sexy Zimmergenossin Gesellschaft: das mit Gold überzogene Bondgirl Jill Masterson aus Goldfinger – leider nur als Schaufensterpuppe. Gäste, die selbst mal zu den „Bösen“ gehören wollen, lassen sich am besten im Hotel zum Amtsrichter einschließen. In den Zellen des ehemaligen Amtsgerichts versperren Gitter den ungestörten Blick nach draußen. Statt Bademänteln gibt es dort stilechte Häftlingskleidung.


Rund um den Krimi: In Hillesheim gibt es eine Krimiführung in der Stadt, eine Führung ins Umland, den Krimiwanderweg, das Kriminalhaus mit Archiv, Cafe Sherlock und Buchladen, das Krimihotel und das Hotel zum Amtsrichter.

Termine/Öffnungszeiten: Krimiführung: Jeden Samtag um 11 Uhr Führung für Einzelteilnehmer. Startpunkt ist die Touristinfo. Gruppentermine nach Absprache. Dauer: zwei Stunden. Jeden vierten Samstag im Monat gibt es die Führung als vierstündige Variante ins Hillesheimer Land. Krimiarchiv: Donnerstag bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag und feiertags von 11.30 bis 18 Uhr. Cafe Sherlock: täglich von 11.30 bis 18 Uhr.

Preise: Krimiführung (zwei Stunden): 5 Euro Erwachsene, 3 Euro Kinder, 35 Euro pro Stunde für Gruppen. Krimiführung (vier Stunden): 9 Euro Erwachsene, 6 Euro Kinder, 35 Euro pro Stunde für Gruppen. Kriminalhaus: gratis. Krimihotel: Zimmer ab 79 Euro pro Nacht. Hotel zum Amtsrichter: Zimmer ab 35 Euro pro Nacht.

Familienfreundlichkeit: Das Krimi-Angebot in Hillesheim richtet sich eher an Erwachsene als an Familien mit Kindern. Nur wer die Kinoklassiker kennt oder viele Eifelkrimis gelesen hat, wird mit einem Aha-Erlebnis belohnt. Die Krimiführung in Hillesheim macht mehrmals an der Hauptdurchgangsstraße des Ortes Halt – für Teilnehmer mit schwachem Gehör kann das frustrierend sein.

Parken: Besucher der Stadt können gebührenfrei auf dem Viehmarktplatz, dem Lindenplatz und dem Parkdeck an der Grabenstraße parken.

Kontakt: Touristinfo Hillesheim, Am Markt 1, 54576 Hillesheim, Telefon 06593/809200, E-Mail: touristik@hillesheim.org, www.hillesheim.de, www.eifelkrimi-wanderweg.de; Kriminalhaus/Cafe Sherlock, Augustinerstraße 4, Telefon 06593/809435, www.kriminalhaus.de; Krimihotel Hillesheim, Am Markt 14, Telefon 06593/98089-600, www.krimihotel.de; Hotel zum Amtsrichter, Kölner Straße 10, Telefon: 06593/985731, www.amtsrichter.de

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Eifelkrimis sind zu einer festen Größe in der deutschen Unterhaltungsliteratur geworden. Oft taucht in ihnen das Städchen Hillesheim auf. Bei einer Tagestour können Krimifans die literarischen Schauplätze entdecken – und noch einiges mehr rund um den Krimi.
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