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Parks zum Entdecken und Entspannen

(Schengen/Thionville) Die Gärten und Parkanlagen des Projekts Gärten-ohne-Grenzen verknüpfen regionale Gartentradition mit historischen Aspekten des Dreiländerecks Saarland-Lothringen-Luxemburg. Die TV-Tagestour führt in einige der schönsten Beete und Wiesen.
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Meine Hand streicht langsam durch den Rosmarinstrauch. Zwischen den Fingern zerreibe ich später ein Blatt Minze. Vorsichtig zerkaue ich ein Blatt Zitronenmelisse. Der kleine Kräutergarten von Schengen (Luxemburg) liegt versteckt hinter dem Europäischen Museum, das 2010 zur 25-Jahr-Feier des Schengener Vertrags eingeweiht wurde. Er gehört zum Schengener Schloss, in dem der Katharinenorden bis vor zwei Jahren ein Ferien- und Erholungsheim unterhielt. Neuerdings wird es als Hotel genutzt.

In seinem Kräutergarten wachsen auch Frauenmantel, Johanniskraut und Baldrian. Dem Frauenmantel wird nachgesagt, dass es einen starken Liebeszauber verbreitet, wenn man es in einem Amulett trägt. In früheren Zeiten glaubten die Alchemisten, dass sie mit Hilfe der Tautropfen, die diese Pflanze absondert, Gold herstellen könnten. Kräutergärten wurden im Mittelalter zunächst von Mönchen angelegt. Sie brachten die Samen wichtiger Heil- und Gewürzpflanzen aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa. Der Garten in Schengen steht in dieser Tradition und ist als einziger in Luxemburg Teil des Netzwerks Gärten-ohne-Grenzen.

Zu diesem Netzwerk gehört auch der Garten des Schlosses La Grange in Manom, drei Kilometer nordöstlich von Thionville. Es liegt inmitten eines 30 000 Quadratmeter großen Parks. In den Sommermonaten gibt es regelmäßig Führungen durch das nach wie vor bewohnte Wasserschloss. Es wurde 1750 von der Familie de Fouquet gekauft und ist seither in Familienbesitz. Nicolas Fouquet, einer der Vorfahren der Familie Fouquet, war unter Ludwig XIV. zunächst französischer Finanzminister und wurde 1665 in einem aufsehenerregenden Prozess zu lebenslanger Festungshaft verurteilt. Vor dem Ersten Weltkrieg musste der Comte de Bertier das Schloss verkaufen, da er als französischer Offizier nicht ins deutsch besetzte Lothringen reisen konnte. 1919 kaufte er den Besitz zurück. Während des Zweiten Weltkriegs war es von deutschen Besatzungstruppen beschlagnahmt worden.

Die Wiese vor dem Schloss lädt zum Liegen und Ausruhen ein. Hinter ihm die Beete mit mehr als zwei Dutzend Sorten Lilien – dem französischen Nationalsymbol – sind eine reine Farbpracht. Überall summen Hummeln, kriechen bunt schillernde Käfer in den Wiesen- und Waldlandschaften. An den Wegrändern finden sie in einem Blütenmeer Nektar und Pollen in allen Varianten. Es blühen Astern, Schafgarbe und wilde Karotten.

Viel bescheidener ist da der Barockgarten in Perl. Viele Wiesen, aber nur einige Beete. Er liegt gegenüber dem Palais von Nell, das 1733 gebaut wurde und bis zur Säkularisation 1802 im kirchlichen Besitz war. In Nachbarschaft der Quirinuskapelle und der Pfarrkirche ist ein geometrisch streng gegliederter Garten entstanden. Die Hauptachsen kreuzen sich an einem Brunnen. Durch den Park hindurch verläuft der Saar-Hunsrück-Steig und lädt zu einer Pause oder einem Picknick ein

Die Gärten und Parkanlagen des Projekts Gärten-ohne-Grenzen verknüpfen oft regionale Gartentradition mit historischen Aspekten des Dreiländerecks Saarland-Lothringen-Luxemburg. In Perl-Borg erwartet die Besucher ein römischer Garten, wenige Kilometer weiter in Nennig ein Rokokogarten. Das „Haus Saargau“ in Gisingen zeigt, wie lothringische Bauernfamilien zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert gelebt haben. Im Garten stehen die wahrscheinlich ältesten Birnbäume der Region. Der Garten für den Frieden in Bitche verbindet die Zitadelle mit der französischen Stadt; Pflanzen, die in kalten und warmen Farben blühen, symbolisieren Krieg und Frieden. Auf einer Industriebrache in Uckange (Frankreich) ist auf vier Hektar, das entspricht etwa sieben Fußballplätzen, der Garten der Spuren angelegt worden. Die Gärten ohne Grenzen inspirieren Hobbygärtner und laden zum Ausruhen ein. Nebenbei öffnen sie die Augen für die spannende Geschichte der Region, die 2000 Jahre lang Spielball zwischen verschiedenen Reichen war.



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