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Ritterfestung mit Gruselfaktor

(Manderscheid) Die Manderscheider Niederburg hat eine lange Geschichte. Wer mehr darüber erfahren möchte, kann bei Burgwart Dieter Scholz eine Gruppenführung buchen. Gruseliger Höhepunkt dabei ist ein menschliches Skelett, das im Burgverlies zu sehen ist.
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Majestätisch liegt die Burg im Dämmerlicht des Abends. Die richtige Atmosphäre, um in die Geschichte der Ruine einzusteigen. So hat Burgwart Dieter Scholz auch keine Schwierigkeiten, die Aufmerksamkeit der Fünfklässler aus dem Sauerland zu erlangen, die an diesem Abend mit ihren Lehrern zu einer Burgbesichtigung gekommen sind. Und los geht es erst mal mit einer Rechenaufgabe. „Die Burg wurde im Jahr 1201 gebaut. Wie alt ist sie jetzt?“, fragt Scholz die Schüler. 809 Jahre wissen die Mädchen und Jungen schnell die Antwort.

Erste Station ist das Tor. Die Kinder erfahren, dass die Menschen damals deutlich kleiner waren, etwa so 1,65 Meter. Auch die Pferde waren nach Scholz' Aussage kleiner, so dass es kein Problem war, durch den niedrigen Torbogen durchzureiten.

Mittlerweile ist es schon etwas dunkler geworden. Das richtige Licht, um sich mit weiteren gruseligen Details der Geschichte des Bauwerks vertraut zu machen. Scholz führt die Schüler ein Stück hinauf, zwei Mauervorsprünge kann man dort noch erahnen. Dort habe es früher Fallgitter gegeben. Leute, die in die Burg wollten, waren dort erst einmal gefangen. Führten sie nichts Böses „im Schilde“, kamen sie weiter. Im anderen Fall mussten sie damit rechnen, mit heißem Pech, einem Gemisch aus Harzen, übergossen zu werden. Später habe man das teure Harz allerdings zum Abdichten der Mauern verwendet, und unliebsame Besucher mit anderen teilweise recht unappetitlichen Flüssigkeiten übergossen, berichtet Scholz.

An der nächsten Station, dem Wachturm, zu dem es über eine Holzbrücke geht, wird es spannend. „Da liegt ein Skelett“, melden die Kinder aufgeregt. Und wirklich, in dem dunklen Turm, der nur durch zwei Fackeln erhellt wird, kann man durch ein Gitter im Boden einige Meter tief ein Skelett erkennen. Natürlich kein echtes, versichert Burgführer Scholz. Die grausame Geschichte des Burgverlieses gab es aber wirklich. Die Gefangenen wurden damals zehn Meter in die Tiefe gestoßen, und wenn sie das – meist mit Knochenbrüchen – überlebten, nur mit Wasser und Brot ernährt.

Zurück über die Brücke und ein Stück weiter hoch über unebenes Gelände geht es weiter durch einen Torbogen. Hier war früher die Kapelle. Der nach Osten ausgerichtete „orientierte“ Rundbogen ist noch deutlich zu erkennen. Weiter oben gelangen die Besucher zu den ehemaligen Speisekammern. Hier wurden Lebensmittel aufbewahrt, um auch eine längere Belagerung ohne Hunger zu überstehen. Aus der davorliegenden Zisterne schöpften die damaligen Bewohner ihr Wasser.


Letzter Zufluchtsort bei Angriffen: Der Bergfried
Eine Etage höher gelangen die Besucher zum ehemaligen Raum des Burgherren. Das war nicht, wie einige aus der Gruppe vermuten, der Hausmeister, sondern der Verwalter des Anwesens. Später wurden Leute mit diesen Aufgaben Burgmeister genannt, woraus der Begriff Bürgermeister entstand.

Immer weiter nach oben geht es bei der Besichtigung. Hier befindet sich der damalige Festsaal, ein Raum, in dem zu früheren Zeiten Politik gemacht wurde, es wurde auch gefeiert und getanzt. Der räumlich gesehen wirkliche Höhepunkt der Besichtigung ist der Bergfried. Dieser Turm diente, wie Scholz erzählt, in früheren Zeiten als letzter Zufluchtsort. Über eine lange Leiter kletterten die Menschen hinauf, zogen die Leiter ein und waren geschützt.

Beim Abstieg von der Burg ist Vorsicht angesagt. Es ist bereits dunkel und der Boden uneben. Die Souvenirjäger gehen jetzt noch in den Burgladen, in dem es einiges an ritterlichen Ausrüstungsgegenständen zu kaufen gibt.

EXTRA: Neben der Niederburg gibt es noch die Oberburg Manderscheid. Diese ist über Fußwege erreichbar und frei zugänglich, aber nicht touristisch erschlossen. Vom Bergfried aus hat man eine gute Aussicht auf die Niederburg, die Stadt Manderscheid und die Landschaft.

Service

Manderscheider Niederburg


Öffnungszeiten: April bis November, 10.30 bis 17 Uhr. November bis März: nur am Wochenende und je nach Witterung. Führungen (etwa eine Stunde) für Gruppen, Erwachsene und Kinder nach Terminvereinbarung möglich.

Preise: Erwachsene 2 Euro, Kinder 0,70 Euro, Erwachsene in Gruppen ab 20 Personen 1 Euro, Kinder in Gruppen ab 20 Personen 0,50 Euro, Schwerbehinderte 1 Euro, Mitglieder des Eifelvereins 1 Euro.

Tipps: Für die Besichtigung der Burg sollte man sich etwa eine Stunde Zeit nehmen. Gutes Schuhwerk ist wichtig. Für Kinderwagen ist die Burg nicht geeignet.

Kontakt: telefonisch 06572/737, E-Mail: niederburg-manderscheid@online.de, Internet: www.niederburg-manderscheid.de

Parkmöglichkeiten direkt bei der Burg. Eine Buslinie führt nach Manderscheid, von dort aus gelangt man zu Fuß zur Burg.

Veranstaltungen: Burgenfest immer am letzten Wochenende im August. Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende.

Besonderheiten: Trauungen sind möglich. Burgcafé mit Biergarten direkt gegenüber dem Burgeingang. Weitere Restaurants und Cafés im nahegelegenen Manderscheid.



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