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Ruhe tanken in einem Meer von gelben Sternen

(Monschau) Dass der Frühling in der Eifel Einzug hält, merkt man spätestens, wenn in den Tälern rund um das Städtchen Monschau die wilden Narzissen blühen. Besonders schön ist die Blütenpracht im Perlenbach- und Fuhrtsbachtal.
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Ein junger, blendend aussehender Mann verdreht einer Bergnymphe den Kopf. Doch der Knabe hat nur Augen für sein Spiegelbild und interessiert sich nicht für seine Verehrerin. So in etwa erzählt der römische Dichter Ovid die Geschichte von Narziss, dem schönen Sohn eines Flussgottes. Den Namen hat der holde Jüngling indes nicht von Ovid, sondern von einer kleinen, gelben Pflanze - der Narzisse.

 
Jahr für Jahr taucht die Blume, die passend zur Jahreszeit auch Osterglocke genannt wird, in den Tälern der Nordeifel auf. Besonders schön sind die Narzissenfelder in den Tälern von Fuhrtsbach und Perlenbach bei Monschau. Das Naturschauspiel, was sich hier vor allem im Monat April bietet, wenn die Flora der rauen Nordeifel aus ihrem Winterschlaf erwacht, zieht Scharen von Wanderern in ihren Bann. Beinahe so wie ihr Namensvetter aus der Mythologie.
 
Direkt gegenüber der Gaststätte Perlenbacher Mühle am Höfener Mühlenweg startet unsere Wanderung, den leise plätschernden Bächen und den Holzschildern mit der gelben Blume hinterher. Glücklich, wer gleich bei der Mühle einen Parkplatz erwischt. Denn die sind in der Narzissenzeit besonders begehrt. Weitere Parkmöglichkeiten in der Nähe sind ausgeschildert (siehe Extra).
 
Gleich auf den ersten Metern wird deutlich, dass man gut zu Fuß sein sollte, wenn man die Narzissen sehen möchte - zumindest auf dieser Route. Die Strecke führt zunächst über einen schmalen Pfad, auf dem das Wurzelwerk der Bäume an vielen Stellen aus der Erde ragt. Hier kann es, vor allem an Wochenenden, wenn die Naturfreunde busseweise das Örtchen Höfen belagern, richtig eng werden.
 
Doch der Touristen-Stau auf dem bewaldeten Stück lohnt sich allemal, sobald man die Auen des Fuhrtsbachtals erreicht. Unten, gleich beim Bach, der sich in seinem Bett durch das flache Tal schlängelt, brechen vereinzelt erste kleine Pflänzchen in zartem Grün zwischen den verblichenen, toten Gräsern hervor - Relikte aus dem letzten Sommer. Die Schotterwege sind hier, in den Auen, besser ausgebaut als in dem Waldstück, so dass man bequem nebeneinander hergehen kann.
 

Die kargen Farben der Eifeltäler


 

 
Dort unten beim Wasser leuchten dann auch, wie gelbe Sterne, die Blüten der wilden Narzisse (Narcissus pseudonarcissus). Gerade im Kontrast zu den ansonsten eher kargen Farben der Eifellandschaft wirkt die Farbe der Blüten besonders kräftig. Die Verantwortlichen des Deutsch-Belgischen Naturparks Hohes Venn-Eifel haben hier in der Vergangenheit viele Fichten, die in der Nachkriegszeit gepflanzt worden sind, fällen lassen. Stattdessen wurden unter Mithilfe der umliegenden Städte und Gemeinden heimische Hölzer wie die Erle angepflanzt, um den Tälern das Aussehen wieder zurückzugeben, als sie noch der Viehwirtschaft dienten: Sowohl das Fuhrtsbach- als auch das Perlenbachtal wurden vermutlich bereits im 12. Jahrhundert gerodet und für die Landwirtschaft genutzt.
 
Nach etwa einem Drittel der Strecke trennt sich die TV-Wanderroute vom Fuhrtsbach und geht stattdessen, nachdem man ein altes Feuerwehrhaus und einen Löschteich passiert hat, erst einmal wieder durch ein längeres Waldstück in Richtung "Jägersief", einem besonders reizvollen Landstrich. Das letzte Drittel der Strecke schlängelt sich wieder entlang des Wassers - diesmal dem Perlenbach, der seinen Namen einer Süßwassermuschel verdankt. Hier ist der Anblick der Tausenden Narzissen, die sich zwischen Bach und Wanderweg dicht an dicht drängen, einfach überwältigend.
 
Auch wenn die gelben Blütenteppiche noch so sehr locken: Nicht nur aus Naturschutzgründen ist es ratsam, die markierten Wanderwege in den Tälern nicht zu verlassen. Denn in unmittelbarer Nähe, jenseits der belgischen Grenze, beginnt das Gebiet des Truppenübungsplatzes Elsenborn. Hinweistafeln informieren die Wanderer darüber, wann die Soldaten üben - das Betreten also strengstens verboten ist. Wer nach seiner Wanderung in einem typischen Eifeler Lokal einkehren möchte, dem sei - egal ob für eine Tasse Kaffee oder für eine ganze Mahlzeit - ein Besuch der Perlbacher Mühle, der Alten Molkerei (ebenfalls Höfen) oder des Restaurants Gut Heistert in Kalterherberg empfohlen. Aber bei schönem Wetter, wenn die Talwiesen trocken sind, sollte man sich einfach zu einem gemütlichen Picknick im Freien hinreißen lassen.
 
Eine Fotostrecke zu unserer Narzissenwanderung sowie alle weiteren Tagestouren mit noch mehr Bildern und Videos finden Sie gesammelt auf unserer Homepage unter  www.volksfreund.de/tagestour
 



 
EXTRA NARZISSENWANDERUNG BEI MONSCHAU

 
Parkmöglichkeiten für Wanderer gibt es entlang der Bundesstraße 258, beispielsweise auf den Parkplätzen im Höfener Ortskern. Ein weiterer Parkplatz befindet sich im "Brüchelchen" im Höfener Ortsteil Alzen. Ein alternativer Einstieg in die Rundwanderung befindet sich bei Gut Heistert in der Nähe des Dorfs Kalterherberg. Um zu Gut Heistert zu gelangen, in Kalterherberg einfach der Monschauer Straße, dann Malmedyer Straße und Elsenborner Straße folgen. Von dort ist das Ausflugslokal ausgeschildert. Weitere Informationen zum aktuellen Blütenstand der Narzissen und Parkmöglichkeiten, auch zu geführten Narzissenwanderungen, gibt es im Nationalpark-Tor Höfen, Telefon 02472/8025779, oder bei der Monschau Touristik unter Telefon 02472/80480, E-Mail: touristik@monschau.de

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