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Datum: 14. Oktober 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Hannah Schmitt Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Vianden Drucken

Schloss Vianden: Wo einst Ritter und Burgherren lebten

Hans-Dietrich Genscher, Jean-Claude Juncker, Eleanor Roosevelt, die Queen, der König und die Königin von Nepal mit ihrem Kronprinzen, der Kaiser und die Kaiserin von China. Die Liste, die Gaby Frantzen-Heger, Verwalterin des Schlosses Vianden, aufzählt, ist lang – und eindrucksvoll. Es scheint, als habe nahezu jede berühmte Person das Schloss schon einmal besucht, das vom 11. bis zum 14. Jahrhundert errichtet wurde.
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Doch nicht nur bekannte Persönlichkeiten finden den Weg in das luxemburgische Städtchen Vianden nahe der deutschen Grenze, das früher einmal eine der bedeutendsten Grafschaften Luxemburgs war. „Etwa 170?000 Besucher hat die Burg jährlich“, sagt Frantzen-Heger. Damit sei sie das meistbesuchte Staatsgebäude des Großherzogtums.

Eindrucksvolle Hallen

Schon von weitem sichtbar thront das Schloss hoch auf einem Felsen. Durch drei immer größer werdende Bögen gelangt der Besucher in den Innenhof. Vorbei an dicken, hohen Mauern, die erst im Laufe der Jahre bis in diese Höhe gewachsen sind. Denn die Burg bestand im 10. Jahrhundert nur aus einer frühmittelalterlichen Befestigungsanlage mit Ringmauer und Turm. Nach und nach wurde sie erweitert, bis sie im 13. Jahrhundert ihre endgültige Form erreichte. Jeweils im Stil der einzelnen Epochen fügten die Burgherren neue Räume hinzu oder stockten alte auf.

Auf einem sich immer weiter windenden Rundweg geht es einmal durch die Burg – von den eindrucksvollen Hallen im Erdgeschoss bis zu den prunkhaften Gemächern des Wohnturms, die mit schweren Möbelstücken und Wandteppichen gefüllt sind. Nicht alle sind jedoch aus Luxemburg. Auch Tische aus Schottland, Betten aus Frankreich und Koffer aus Deutschland sind ausgestellt. Die Möbel seien aber alle aus der Zeit, in der die Burg entstanden ist und bewohnt war, sagt Schlossverwalterin Frantzen-Heger.

Doch nicht nur das angenehme Leben, auch die gefährlichen Seiten dieser Jahrhunderte werden auf dem Rundweg deutlich. Große, mit Beton gefüllte Kugeln liegen in einer Ecke. Spitze Speere zeigen in Richtung der gewölbten Decke. Glänzende Rüstungen prangen an den Wänden der Waffenhalle. Hinter den Kettenhemden verbergen sich inzwischen aber nur noch starre Puppenaugen. Die Zeiten, in denen sich auf der Hofburg Vianden Menschen zum Kämpfen bereithielten, sind lange vorbei. Wirklich gebraucht haben die Schlossbewohner die Waffen wohl auch nie, denn die Burg sei nie erobert worden, erzählt Gaby Frantzen-Heger: „Sie war sehr schwer einzunehmen.“

Dass von dem Schloss dennoch beinahe nur ein Trümmerhaufen geblieben wäre, sei„vor allem die Dummheit ihrer Besitzer“ gewesen. Erdbeben und Feuer hatten die Burg im Laufe der Zeit reparaturbedürftig gemacht. König Wilhelm I. der Niederlande verkaufte sie 1820 jedoch, anstatt sie auszubessern. Und der neue Besitzer hatte ganz anderes als die Erhaltung des Schlosses im Sinn: Er wollte Gewinn erzielen und machte deshalb die Einzelteile der Burg zu Geld. „Deshalb steht die große Treppe heute zum Beispiel in Vianden vor der Apotheke“, erzählt die Verwaltungsbeauftragte. Erst der Rückkauf durch Wilhelm II., den Sohn von Wilhelm I., rettete die Burg und ebnete den Weg für den Wiederaufbau.

Neuer Glanz

Der begann so richtig im Jahr 1978, nachdem das Schloss 1977 in Staatshände gelangt war, und ist noch immer nicht ganz abgeschlossen. Die Mauern wurden in Kleinarbeit wieder errichtet. Anhand von alten Plänen zum Teil aus Pariser Archiven wurden die einzelnen Anbauten für insgesamt 25 Millionen Euro rekonstruiert, so dass die Hofburg wieder in neuem Glanz erstrahlt.

Besonders deutlich wird dieser Glanz in der oberen Kapelle. Rote und orangefarbene Rundbögen im romanischen und gotischen Stil zieren die hohen Wände. Dort saßen früher die adligen Burgbewohner und erlebten die Messe mit, während die ärmeren Menschen ein Stockwerk weiter unten nur lauschen konnten. Denn die obere Kapelle ist durch ein großes Loch in der Mitte mit der unteren, wesentlich kargeren Kapelle verbunden. Die oben konnten dadurch näher bei Gott sein, erläutert Frantzen-Heger. Und fügt verschmitzt hinzu: „Sie hatten es wohl auch nötiger.“ ?

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