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Datum: 29. April 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Von unserem Redakteur Miguel Castro Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Manderen Drucken

Tagestour zum Schloss Malbrouck: Mittelalter und Bilder, die Geschichte machen

Dicht an der Grenze zu Deutschland gelegen, in der Nähe des Moseltals, thront Schloss Malbrouck auf einer Anhöhe. Einstmals verfallen, erstrahlt die Burg seit einigen Jahren in neuem Glanz – und ist Schauplatz wechselnder Kunstausstellungen.
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Wuchtig. Das kommt dem Besucher als erstes in den Sinn, wenn er sich dem Château de Malbrouck, dem Schloss Malbrouck, nähert. Wie ein aus einem Stück gehauenes Monument wirken die spätmittelalterliche Burg, ihre hohen Mauern aus Sandstein und die vier Türme auf den Betrachter. Ein Graben schützt zusätzlich den einstigen Hauptpalast der Grafen von Sierck, über eine noch teils vorhandene Zugbrücke führt der Weg ins Innere, vorbei am fast fensterlosen Damenturm zur rechten Hand durch das Burgtor.

Residenz für die Familie

Was die Besucher von Schloss Malbrouck heute bestaunen, lag noch vor wenigen Jahren praktisch in Schutt und Asche – vernachlässigt im Laufe der Jahrhunderte, abgetragen und abgeändert, schließlich schwer getroffen durch Bomben im Zweiten Weltkrieg. Eine Ruine wie manch andere im Einzugsgebiet der Mosel. Vor wenigen Jahren nahmen Historiker und Handwerker eine penible Restaurierung in Angriff.

Das Ergebnis ist fast 600 Jahre nach dem Erstbau beeindruckend. Damals, 1419 im ausgehenden Mittelalter, hatte Graf Arnold der Sechste die Bauerlaubnis von seinem Herrn, dem lothringischen Fürsten, erhalten. Der Graf, Besitzer von Wäldern und Burgen, errichtete die damals noch als Burg Meinsberg bezeichnete Anlage oberhalb von Manderen – rund 50 Kilometer von Trier und Metz in einem Seitental der Mosel.

Doch statt Horden wilder Ritter aufzunehmen, zogen der Graf, seine Familie, Mägde und Knechte ins neue Heim ein – 100 Menschen lebten wohl damals auf der Burg, sagt Irmina Teixeira. Die 25-jährige Schlossführerin kennt die Burg in- und auswendig. „Arnold wollte das Schloss als Altersruhesitz“, der Komfort sei dem reichen Edelmann wohl wichtig gewesen: Latrinen in den Türmen, Kamine, eine riesige Küche.

Knapp 300 Jahre später, die Siercks sind schon längst Geschichte, nimmt ein englischer Kriegsherr das Schloss in Beschlag, bereit zur Schlacht. Dem Herzog von Malborough gehen aber die Vorräte schon bald zur Neige, er muss wieder abziehen – seitdem ist Meinsberg als Château de Malbrouck bekannt.

Fotos bestaunen beim Rundgang

Das alles erklärt Irmina Teixeira beim Rundgang durch die Burg, Treppen rauf und runter. Ein Turmkeller beherbergt einen riesigen Ofen. Mehrere Stockwerke höher lässt sich ein restauriertes Dachgebälk studieren. Weiter geht es über einen Wehrgang zum Hexenturm, „der Legende nach wurde hier eine schöne Frau eingeschlossen“, sagt Expertin Teixeira, und sie weiß noch mehr: von Tratschecken für Burgfräulein, Verteidigungstricks, echten und falschen Pechnasen, alten und neuen Steinen.

In den Bann zieht die Burg aber nicht nur mit Details zum Burgleben der Siercks und zur aufwändigen Wiederherstellung des Schlosses. Malbrouck ist Schauplatz von Festivals und Ausstellungen. 2010 waren beispielsweise Werke der Künstlerin Niki de Saint Phalle zu sehen. In diesem Jahr können die Besucher sich über teils legendäre Bildaufnahmen von Robert Doisneau freuen – dem Fotografen, der mit dem Schwarz-Weiß-Bild eines sich küssenden Paares auf einem Pariser Platz berühmt wurde. Über 300 Bilder des 1994 gestorbenen Franzosen, Aufnahmen aus Lothringen, unveröffentlichte Werke und Abzüge bekannter Bilder, sind bis zum 28. August im gesamten Schloss ausgestellt – rauf und runter. Wer danach eine Erholung benötigt, findet sie auf der angrenzenden Sonnenterrasse des Schlossbistros.

Lage: Das Château de Malbrouck liegt sechs Kilometer vom Moseltal entfernt oberhalb der französischen Grenzgemeinde Manderen.

Parken: direkt am Schloss für Reisebusse und private Fahrzeuge.

Öffnungszeiten: geöffnet bis zum 11. Dezember 2011, montags von 14 bis 17 Uhr, dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie am Wochenende und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Im Juni und August verlängern sich die Öffnungszeiten um jeweils eine Stunde. Geschlossen zwischen dem 29. August und 10. September.

Eintrittspreise: Kinder bis 16 Jahre frei, Erwachsene sieben Euro, Familien (zwei Erwachsene und Kinder bis 16 Jahre) zwölf Euro. Tiere sind im Schloss nicht erlaubt.

Besichtigung: Schloss und Ausstellung können auf eigene Faust besichtigt werden. Wegen Treppen und zumeist fehlender Aufzüge für Rollstuhlfahrer leider nicht geeignet. Kostenlose Führungen (vorherige Anmeldung) auf Deutsch, Englisch und Französisch. Ohne Anmeldung samstags und sonntags auf Deutsch um 15.30 Uhr. 

Verpflegung: Bistro in der ehemaligen Schlossküche. Die mit Bänken und Tischen ausgestattete Sonnenterrasse bietet Platz für spielende Kinder. Möglichkeiten zum Picknick auch außerhalb der Burg.

Kontakt: tel. +33-387-350387, www.chateau-mabrouck.com

Extra: Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
Wer sich vom Schloss Richtung Westen wendet, entlang der erst deutschen, dann luxemburgischen Grenze, stößt nach rund 20 Kilometern an die Pforten des 1000-Einwohner-Städtchens Rodemack. Der französische Ort hat bis heute seine mittelalterlichen Mauern erhalten können, weswegen er auch als (kleines) „Carcassonne des Nordens“ bezeichnet wird. Im Sommer findet in Rodemack ein Mittelalterfest statt.

Nach Osten hingegen, Richtung Merzig an der Saar, trotzt wenige Kilometer von Manderen entfernt moderne Kunst den Elementen: Wer ab Launstroff den Hinweisschildern zu den „Steinen an der Grenze“ (französisch: Menhirs de l'Europe) folgt, entdeckt entlang einstiger Grenzwege teils faszinierende Steinmonumente. Die über etliche Jahre entstandenen 33 Skulpturen europäischer Bildhauer sind Teil des Projekts „Straße des Friedens“. In Merzig lädt anschließend der Wolfspark Werner Freund zum Spaziergang ein. 
 
 
 
 



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