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Technik zum Anfassen in ehemaliger Schuhfabrik

(Pirmasens) Das Dynamikum in Pirmasens bietet naturwissenschaftliche Phänomene zum Anfassen. Redaktionsmitglied Falk Straub hat sich dort umgesehen.
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Und sie bewegt sich doch

"Wow, kuck mal, wie einfach das geht", sagt Joelle zu ihrer kleinen Schwester Hannah. Die Elfjährige steht an einer Schaukel, auf der ihre Großmutter Platz genommen hat. Mühelos befördert sie ihre Oma in die Höhe, indem sie am äußersten der drei Seile zieht, die über einen Hebel mit der Schaukel verbunden sind. „Lass mich auch mal“, drängt sich Hannah dazwischen. Sie versucht sich am mittleren Seil und scheitert. Wer im Physikunterricht aufgepasst hat, weiß, warum: Je weiter eins der Seile von der Drehachse entfernt ist, desto länger ist der Hebel und umso weniger Kraft müssen Joelle und Hannah aufbringen, um die Schaukel zu bewegen. Dafür müssen sie das Seil jedoch weiter nach unten ziehen. Denn um ihre Oma auf dieselbe Höhe zu bringen, brauchen die Schwestern bei jedem der drei Seile stets die gleiche Energie.
Joelle und Hannah sitzen aber keineswegs in einem Klassenzimmer. Gemeinsam mit ihrer Großmutter besuchen sie das Dynamikum Science Center in Pirmasens. „Das Dynamikum ist ein Museum zum Mitmachen und Ausprobieren“, sagt Geschäftsführer Rolf Schlicher. Wie recht er damit hat, zeigt der Trubel, der um ihn herrscht. Der Geschäftsführer steht inmitten einer Horde Museumsbesucher, die vom Kleinkind über die Eltern- bis hin zur Großelterngeneration munter und mit viel Getöse an den Museumsstücken herumwerkelt. „Wir begreifen uns als außerschulischen Lernort, was von vielen Klassen sehr gut angenommen wird“, sagt Schlicher. Neben der Möglichkeit, physikalischen Phänomenen experimentell auf den Grund zu gehen, gibt es im Museum einen integrierten Klassenraum, in dem der Schulstoff und die im Dynamikum gesammelten Erfahrungen nachbereitet werden können.
Neben der Hebeschaukel können Joelle und Hannah noch an 159 weiteren Exponaten experimentieren. Sie sind auf rund 4000 Quadratmetern verteilt. Die Sorge, dass die Ausstellungsstücke durch den täglichen Gebrauch schnell kaputt gingen, habe sich nicht bestätigt. „Die Besucher gehen sehr sorgsam damit um“, sagt Schlicher.
Beheimatet ist das Dynamikum seit 2008 in zwei Stockwerken der ehemaligen Schuhfabrik Eduard Rheinberger. Die Idee, die Bewegung ins Zentrum des Museums zu stellen, sei erst durch den Bezug zum Gebäude und zur Pirmasenser Geschichte als ehemaliger Schuhstadt entstanden, sagt Schlicher. Als sichtbares Zeichen des Konzepts schlängelt sich das 480 Meter lange Band der Bewegung durch beide Etagen. Mit Informationen über bekannte und weniger bekannte Pirmasenser zieht es sich wie ein roter Faden durch die acht Ausstellungsbereiche Antritt, bewegte Masse, Dreh, Bewegungsmaschinen, schnelle Natur, Menschenkräfte, Denken in Bewegung und Tanz der Welt.
Im zweiten Stock stehen die Kräfte von Mensch und Natur im Vordergrund. Dort können Joelle und Hannah beispielsweise auf einem Fahrrad Strom erzeugen oder gegen Tiere um die Wette rennen. Wie stark sie strampeln müssen, um einfache Haushaltsgeräte durch ihre Muskelkraft anzutreiben, verblüfft die Mädchen. „Ganz schön anstrengend“, sagt Joelle, als sie auf dem Fahrrad sitzt. Ein Ventilator mit 15 und ein Radio mit 20 Watt stellen für die Elfjährige noch kein Problem dar, bei einer 60-Watt-Glühbirne geht ihr aber bereits die Puste aus. Der Mixer (150 Watt) und die Bohrmaschine (250 Watt) springen erst gar nicht an.
Auch beim virtuellen Wettlauf gegen die Tiere ist das Erstaunen groß. Als die Schwestern auf der zwölf Meter langen Strecke gegen die Videoprojektion eines Dackels verlieren, blickt man in ungläubige Gesichter. Doch die Erklärung folgt sogleich: „Der Dackel wechselt aus dem Stand in den Galopp und erreicht seine Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern nach nur fünf bis sechs Sprüngen“, steht nach dem Rennen auf der Leinwand.
Als die Mädchen mit ihrer Großmutter nach interessanten und kraftraubenden Experimenten das Museum verlassen, bleiben sie eine Weile im Atrium des Gebäudes stehen. Gebannt blicken sie auf das große Pendel. Nach und nach wirft die glänzende Metallkugel des Pendels kleine schwarze Stäbchen um, die in einem Kreis aufgestellt sind. Es scheint so, als ob die Linie, auf der das Pendel schwingt, sich im Uhrzeigersinn dreht. Tatsächlich dreht sich das Pendel jedoch als einziger Gegenstand im Atrium nicht. Es ist die Drehung der Erde, die diesen Anschein erweckt und dazu führt, dass das Pendel die Stäbchen letztendlich umwirft. „Und sie bewegt sich doch“, liest Joelle leise von der Infotafel am Pendel ab. Falk Straub

Extra
Anfahrt und Parken: Das Dynamikum befindet sich in der ehemaligen Schuhfabrik Eduard Rheinberger in der Fröhnstraße 8 in Pirmasens. Es ist von der B10 und der B257 kommend ausgeschildert. Ein Parkhaus befindet sich direkt am Museum. Vom Hauptbahnhof erreicht man das Dynamikum zu Fuß in fünf Minuten
Öffnungszeiten:Das Dynamikum hat von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr geöffnet. An Heiligabend, am ersten Weihnachtsfeiertag, an Silvester und an Neujahr ist das Museum geschlossen.
Eintrittspreise:Erwachsene zahlen neun Euro Eintritt (ermäßigt 7,50 Euro), Kinder ab sechs Jahren 7,50 Euro. Kinder unter sechs Jahren und Begleitpersonen von Behinderten erhalten freien Eintritt. Für Familien gibt es zudem eine Pluskarte, die 23 Euro für zwei Erwachsene und ein Kind kostet. Jedes weitere Kind zahlt 5,50 Euro.<EA>Schulklassen zahlen fünf Euro pro Person, Kindergartengruppen drei Euro pro Person. Eine Jahreskarte für Erwachsene kostet 40 Euro (ermäßigt 30 Euro).
Verpflegung:Im Obergeschoss des Museums ist die Cafeteria Pudelwohl untergebracht, in der es Getränke, Kaffee und Kuchen und kleine Snacks gibt.
Kontakt:Telefon: 06331/23943-0, Fax: 06331/23943-29, E-Mail: info@dynamikum.de, Internetseite: www.dynamikum.de fas


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