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Datum: 15. Februar 2011 | Mehr aus diesem Ressort: Tagestouren
Autor: Von unserem Redaktionsmitglied Hannah Schmitt Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken

Von historisch bis modern: Das Museum Simeonstift repräsentiert 2000 Jahre Trier

Tausende Jahre Geschichte an einem Tag erleben: Bei einer Tour durch das Museum Simeonstift können Besucher viel über die Kultur und das Leben in Trier erfahren. Die Sammlung umfasst Gemälde, Skulpturen, Kunsthandwerk und Textilien.
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Menschen stürmen verschreckt von der Straße, andere blicken staunend herüber – Eine Autofahrt ist im Jahr 1904 noch etwas Besonderes. Rasant geht es zwischen den Bögen der Porta Nigra durch. Es ruckelt und wackelt auf der Leinwand. Nach rund eineinhalb Minuten ist das flimmernde Spektakel zu Ende, der Besucher wieder in der Trierer Gegenwart angelangt – und zwar im Simeonstift, dem Trierer Stadtmuseum.

Das Museum hat sich auf die Fahne geschrieben, „die Stadt und die Region zu repräsentieren“, wie Sonja Mißfeldt, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, bei einer Führung erläutert. Direkt neben der Porta Nigra gelegen bietet es einen Überblick über Geschichte, Kunst und Leben der Stadt an der Mosel, die bereits seit rund 2000 Jahren existiert. Etwa durch die vergangenen hundert Jahre kann sich der Besucher im Trier-Kino in 78 Kurzfilmen klicken. Neben der Stadtrundfahrt gibt es unter anderem auch Trier in der Nazizeit und die Besuchermassen bei den imposanten Heilig-Rock-Wallfahrten zu entdecken. Doch die Geschichte Triers beginnt auch im Stadtmuseum viel früher.

Eindringlich schaut Trebeta auf die Ankömmlinge hinab. Der assyrische Königssohn soll das Moselstädtchen auf der Suche nach einer neuen Heimat gegründet haben – und zwar 1700 Jahre vor Rom, glaubt man der Trebeta-Sage. Denn im prestigeträchtigen Kampf um die Anerkennung als älteste Stadt Europas ließen sich die Trierer etwas Ungewöhnliches einfallen: Statt wie andere Städte ein richtiges Gründungsdatum festzulegen, erzählten sie, egal wie alt Rom sei, sie seien immer 1700 Jahre älter. Mit starrem Blick und exotischem Turban scheint Trebeta diese Geschichte zu untermauern, die bereits im ersten Ausstellungsraum auf die Besucher des Stifts wartet – in Form eines großen Ölgemäldes. Die Stadt an sich mit ihren Wahrzeichen wie der Porta Nigra und der Basilika ist darauf allerdings kaum zu erkennen.

 

Stadtmodell zeigt

Trier im 18. Jahrhundert

Fehlen dürfen die großen Bauten in der Sammlung aber nicht. Auch wenn die Besucher sie erst einmal finden müssen – zumindest auf dem Stadtmodell, das Trier im 18. Jahrhundert zeigt. „Wo ist die Porta Nigra?“, lautet deshalb auch die erste Frage von Sonja Mißfeldt. Das Auge sucht auf dem etwa drei auf drei Meter großen Modell nach Orientierungspunkten. Wandert über die winzigen Häuschen, bis der Blick schließlich am Dom hängen bleibt. Von dort aus kann die Porta Nigra nicht weit sein. Dennoch entdeckt man sie erst auf den zweiten Blick, denn das schwarze Stadttor hatte zu dieser Zeit noch die Gestalt einer Kirche. Ein Glück, wie Mißfeldt erzählt. Sonst wäre auch dieses Stadttor wie die übrigen drei heutzutage nicht mehr erhalten. „Aber an eine ehemalige Kirche trauten sich die Menschen nicht ran.“ Kurz nach 1800 sorgte dann Napoleon dafür, dass die Porta Nigra wieder ihre ursprüngliche Gestalt erhielt, „weil er alles Kirchliche hasste“.

Der Kirche hat es Trier aber zu verdanken, dass das Simeonstift überhaupt existiert. Denn der klerikale Bau wurde im 11. Jahrhundert als Porta-Anbau errichtet. Davon zeugt der doppelstöckige Kreuzgang rund um den Innenhof. „Der einzige nördlich der Alpen“, erzählt die Museumsführerin. Die schwere Glastür fällt hinter den Besuchern ins Schloss. Eine kalte Brise weht durch das Gesicht. Alte Steinfiguren begrüßen die Gäste bei ihrem Rundgang vorbei an den Kreuzbögen. Ein leises Zirpen erfüllt die Luft. Es ist Teil einer Klanginstallation, die auf Bewegungen reagiert.

Von interaktiv bis klassisch reichen die Kunstwerke, die mal chronologisch, mal nach Themen geordnet in den sechs Räumen ausgestellt werden. Nur ein Kriterium müssen sie erfüllen: Sie müssen einen eindeutigen Bezug zu Trier haben. Neben den originalen Steipenfiguren und dem echten Marktkreuz finden sich somit auch Gegenstände, die Trierer gesammelt und dem Museum zur Verfügung gestellt haben. Einige davon befinden sich im Stifterraum.

Das abgedunkelte Zimmer ist vollgestopft mit Bildern und Statuen. Hinter den schweren Rahmen blitzt kaum noch ein Stück Wand hervor. Landschaften reihen sich an religiöse Motive, Porträts reihen sich an Stillleben. „Für uns wirkt das alles überfrachtet“, sagt Sonja Mißfeldt, „aber früher wurden Gemälde wirklich so aufgehängt.“ Auch die kleinste Lücke wird ausgenutzt. Und das Museum Simeonstift sammelt weiter – damit die Menschen auch in 100 Jahren erfahren können, wie das Leben in Trier um das Jahr 2000 ausgesehen hat.

Alle zwei Wochen freitags stellt die Volksfreund-Redaktion die schönsten Ziele der Region auf der Seite „Tagestour“ vor.jöl



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