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Weihnachtsmarkt mit Seemannsgarn und Rheinpiraten

(Köln) Am Tor zum Kölner Rheinauhafen treffen in diesem Dezember Pirat und Weihnachtsmann, gebrannte Mandeln und Fischbrötchen, Leuchtturm und Weihnachtsbaum aufeinander: Der erste Kölner Hafenweihnachtsmarkt präsentiert sich mit etwa 70 Ständen am Schokoladenmuseum maritim.
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"Alle, die mit uns auf Kaperfahrt fahren, müssen Männer mit Bärten sein." Jennie Laberback steht in einer kleinen weißen Bude, schlägt die Trommel und singt ein Seeräuberlied. Manch einer der umstehenden Erwachsenen stimmt mit ein. Die Kinder schauen ein wenig verschüchtert zu der Frau mit blonder Haarmähne, die sich einen rostroten Bart angehängt hat. Immer mehr Menschen bleiben kurz stehen, unterbrechen ihren Bummel über den Kölner Hafenweihnachtsmarkt, um der Piratenwitwe zuzuhören.
Zum ersten Mal stehen in diesem Jahr die Pagodenzelte mit Holzböden und Spitzdächern - in Anlehnung an Planken und Schiffssegel - an der Nordspitze des Kölner Rheinauhafens. Gleich neben Jennies Bude wird wärmender Glühwein ausgeschenkt, direkt von Bord des 15 Meter langen Drei-Master-Holzschiffs Trudel.
Dort wird nicht nur der Durst gestillt - das imposante Schiff ist bei den Besuchern auch beliebt als eindrucksvoller Hintergrund für Erinnerungsfotos.
Später, nach ihrer Schau, zieht Jennie mit einem afrikanischen Balafon, eine Art Xylophon, über die historische Hafen-Drehbrücke und vorbei an den weißen Pagodenzelten. Dort gibt es zum Beispiel marokkanisches Porzellan, Original Monschauer Senf, Blechspielzeug oder den Kölner Dom in Miniatur aus Marzipan zu entdecken. Eine Hornkrämerey ist am Rheinufer ebenso vertreten wie eine Bude mit hexenhaften Fruchtweinen und Likören, die dem Konsumenten Weisheit oder auch einen Wachstumsschub versprechen. Mittendrin immer wieder Rheinpiraten wie Jennie, die Seemannsgarn erzählen, jonglieren und musizieren.
Am Wochenende hat zusätzlich noch der angeschlossene Kunst- und Handwerkermarkt geöffnet. Seifen und Papierkreationen gibt es dort zum Beispiel zu entdecken. Und Fische aus Stein für den Garten.
Kölner und regionale Designer scharen sich unter dem Motto "Made in Germany" mit ihren Taschen-, Mode- und Schmuckkreation um den mittelalterlichen Malakoffturm.
Ungewöhnlich ist die lebende Krippe des Markts: Der Stall ist Teil eines Sozialprojektes des niederländischen Künstlers Aad Peters und wurde mit Kölner Obdachlosen aus Materialien von der Straße erbaut. Josef und Maria sind ausrangierte Schaufensterpuppen, das Jesuskind liegt in einem Einkaufswagen. Auf einer Tafel steht die Erklärung: "Der Einkaufswagen ist für die Obdachlosen so wichtig wie damals der Esel, der Jesus getragen hat. In dem Wagen finden sich die wertvollsten Güter der Obdachlosen. Deswegen liegt auch bei uns das Christkind drin." Der Stall mit echtem Esel macht zugleich Werbung für die Krippe von Aad Peters, die in der vor Anker liegenden Arche Noah, einem riesigen Holzschiff, zu sehen ist.
Kulinarisch hat der Markt neben den Klassikern wie gebrannten Mandeln, Lebkuchenherzen und Currywurst mit Pommes auch einiges Fangfrisches zu bieten. Die maritime Bandbreite reicht vom Fischbrötchen bis zum frischen Hummer. Für den finnischen Flammlachs werden die Lachshälften ganz langsam am offenen Feuer geröstet. Und auch den beliebten Kölner Rievkooche (Reibekuchen) gibt\'s mit Lachs.
Schraubenzieher und Zange gehören eher nicht auf einen Weihnachtsmarkt - es sei denn, sie sind aus Schokolade. So wie bei dem Stand, der sich logischerweise direkt am Schokoladenmuseum postiert hat.
Wer mittlerweile kalte Füße bekommen hat und sich ein wenig aufwärmen möchte, dem sei ein Besuch des Museums empfohlen, um eine süße Zeitreise durch 3000 Jahre Schoko-Geschichte zu machen. Ein Tropenhaus samt Kakaobaum gibt es dort ebenfalls zu bewundern.
Ein wenig Ruhe vom weihnachtlichen oder schokoladigen Trubel findet der Besucher am Rhein, wo er die architektonisch beeindruckenden, modernen Kranhäuser, die Wahrzeichen des Rheinauhafens, bewundern kann. Ariane Arndt
Weitere Tagestouren gibt es auf www.volksfreund.de/tagestour

Programm

15.12. bis 18.12.: mehrfach am Tag: Hafenmusik von Susanne aus Colonia
16.12. bis 18.12.: Wechselnder Kunst- und Handwerkermarkt im großen Verbundzelt mit Kölner und regionalen Kunsthandwerkern
18.12. sowie 22. bis 23. 12., 16, 17, 18, 19 und 20 Uhr sowie weitere Aufführungen mehrfach am Tag: Michel, der Jongleur - Feuerjonglage
19.12. bis 20.12., 12, 14, 16 und 19 Uhr sowie spontane Zwischenaufführungen: Aale-Hein, der Fischverkäufer - Jonglage
20.12., 19.30 Uhr: Colonia-Chor
21.12., 14, 16 und 18 Uhr sowie weitere Aufführungen mehrfach über den Tag verteilt: Piratenjongleur Kaspar
21.12. bis 23.12., 13, 15 und 17 Uhr sowie weitere Aufführungen mehrfach über den Tag verteilt: Piratenwitwe Jennie Laberback - Geschichten und Lieder für Kinder und Erwachsene
21.12., 19 Uhr: Das Julfest - Feier zur Winter-Sonnenwende bei Julbier (Glühbier) und Feuerzangenbowle
21.12., 16.30 und 18 Uhr: FM &Co., Le group sympa - Chor aus Belgien singt Weihnachts- und Seemannslieder
21.12. bis 23.12., über den ganzen Tag verteilt: Kombüsenfritz und seine Jolle - für Kinder. Die Aufführungsorte sind im Wechsel am Malakoffturm, am Getränkestand Zum alten Leuchtturm, am Glühweinschiff und am Tauzieher-Denkmal.

 


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