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Wein trinken auf dem Veldenzer Umlaufberg

Wandern und kosten: Bei den WeinkulTouren wird die Region mit allen Sinnen erkundet
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Mit einem „Prost“ beginnt die Wanderung in den Weinberg. Gisela Legrand hat ihrer Wandergruppe einen Rieslingsekt eingeschenkt. Während die Teilnehmer den trockenen, feinperligen Jahrgangssekt von der Winzergenossenschaft Moselland kosten, erzählt Legrand, warum es eine Steuer auf den Schaumwein gibt: Sie wurde im Jahr 1902 von Kaiser Wilhelm II. zur Finanzierung des Kaiser- Wilhelm-Kanals und der kaiserlichen Kriegsflotte eingeführt. Noch heute müssen die Sekterzeuger 1,02 Euro pro 0,75-Liter-Flasche entrichten. Gisela Legrand ist eine Kultur- und Weinbotschafterin: Von März bis November bieten diese speziellen Wanderführer sogenannte Weinkul- Touren an (siehe Kasten). „Wo sich schon Römer und Grafen am Saft der Reben labten“, heißt Legrands Angebot, das auf den Veldenzer Umlaufberg führt. Diese Tour hatte sie für die Abschlussarbeit des Lehrgangs zum Weinerlebnisbegleiter ausgearbeitet, den sie vor zwei Jahren bei der Industrie- und Handelskammer absolviert hat. Manchmal führt sie ihre Gäste auch im römischen Gewand hinauf auf den Berg. Römischer Snack Eine Besonderheit der Touren: Die Weine, von denen die Rede ist, dürfen unterwegs gekostet werden. Deshalb auch der Sektempfang, zu dem Gisela Legrand einen selbst gebackenen römischen Snack reicht. Libum heißt er, erklärt die 54-Jährige, und er besteht aus Käse, Mehl und Eiern. Für die Verkostungen erhält jeder Wanderer von ihr ein Weinglas, das er sich mit einem Lederbändchen um den Hals hängen kann. Auch Anette Tengelmann nimmt sich ein Glas – sie ist sozusagen eine Kollegin von Legrand, die im Nachbarort Burgen Wanderungen anbietet. Dann geht es los. Legrand setzt ihren mit Weinflaschen gefüllten Rucksack auf. Der Weg führt durch eine Apfelbaumplantage direkt in den Weinberg. Zunächst bewegt sich die kleine Gruppe auf schmalen Pfaden, irgendwann aber führt die Botschafterin sie querfeldein – oder besser gesagt: querbergein. Gisela Legrand kennt sich hier bestens aus. Früher hat sie in diesen Lagen, die einst ihrem Vater gehörten, unter anderem bei der Lese geholfen. Veldenz lässt die Gruppe immer weiter hinter und unter sich. Nach dem ersten Anstieg kommt die kleine Pause genau richtig. Gisela Legrand öffnet ihren Rucksack und kredenzt einen Mülheimer Sonnenlay. Während die Wanderer den Wein kosten, können sie von der Anhöhe aus den Blick auf die Ortschaften Mülheim und Lieser genießen. Gisela Legrand macht ihre Gruppe auf die unterschiedlichen Weinberge wie den Kirch-, den Elisen-, den Karls- sowie den Mühlenberg aufmerksam. Hauptsächlich Riesling, dazu noch Müller-Thurgau und ein wenig Rotwein wüchsen in dieser Gegend, sagt sie. Die Wanderer lassen den Blick schweifen, während Legrand weit zurück in die Geschichte geht und von den Römern berichtet, die etwa 50 vor Christus auf dem Gebiet des heutigen Veldenz siedelten – und dort auch schon den ersten Wein anbauten. Vor den Römern hatten die Treverer, ein Volksstamm der Kelten, in der Gegend gelebt. Die sogenannte Heidenmauer beim Schloss Veldenz, die einst zu einer größeren Befestigungsmauer gehört hat, stamme aus jener Zeit, informiert Legrand. Weiter geht’s hinauf und herum um den Berg. Rittersporn und Natternkopf blühen am Wegesrand, Eidechsen sonnen sich auf dem warmen Schiefer. Beim nächsten Stopp blickt die Truppe auf das Urstromtal der Mosel. Und dann ist die Spitze auch schon erreicht. Gisela Legrand begrüßt ihren Vater Günter Weinz, der die Wanderer mit einem kleinen Korb voller Schnittchen mit Moretum begrüßt. So nannten die Römer den Aufstrich aus Schafund Ziegenkäse, jede Menge Kräuter wie Liebstöckel, Kerbel und Rosmarin sowie Knoblauch und Olivenöl. Klar, dass dieser Snack auch wieder zu Wein gereicht wird: Dieses Mal fließt ein Veldenzer Wein in die Gläser: Grafschafter Sonnenberg, Spätburgunder, Blanc de Noirs, stellt Legrand den Wein vor. Mit Leuten zusammenkommen, die sich für die Wein- und Kulturlandschaft interessieren, Wissen vermitteln und gemeinsam die Aussichten genießen – das seien die Vorzüge einer Kultur- und Weinbotschafterin, meint Legrand. Und natürlich, zusammen mit ihren Gästen ein gutes Glas Wein zu trinken. Ariane Arndt
Extra: Die Botschafter
Von März bis November kann die Region an Mosel, Saar und Ruwer auf WeinkultTouren entdeckt werden – nicht nur zu Fuß, sondern auch mit dem Mountainbike, dem Boot oder sogar auf einem Geländewagen. Dabei widmen sich die Begleiter bei ihren Exkursionen nicht nur dem Wein, sondern beispielsweise auch der Architektur, Geologie, der Historie sowie der Fauna und Flora der Region. Alle Kultur- und Weinbotschafter, die sich bis Frühjahr vergangenen Jahres Weinerlebnisbegleiter nannten, haben sich mit einem Zertfikatslehrgang bei der Industrie- und Handelskammer in Kooperation mit dem Verein Mosel-Saar-Ruwer qualifiziert. Der nächste Lehrgang für den Bereich Mosel beginnt am 10. November. Inhalte sind unter anderem Weinkultur und –beurteilung sowie Aufbau einer Gästeführung. Organisiert sind die Botschafter in einer Interessensgemeinschaft. Vorsitzende ist Ute Schneider. Im Mai 2008 wurden die Kultur- und Weinbotschafter Mosel mit dem Qualitätszeichen der Dachmarke Mosel ausgzeichnet. www.weinerlebnisbegleiter.de



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