magazin/familie

Winzerorte und Weinberge ziehen vorbei

(Trier/Bernkastel-Kues) Kleine, hübsche Winzerorte mit schlossartigen Türmchen und grünen Weinbergen sieht, wer auf der Mosel schippert. Von Trier nach Bernkastel-Kues gibt es einiges zu entdecken.
Podcast
Das Dröhnen des Schiffshorns zerreißt die Stille. Menschen rennen zur Anlegestelle Richtung Mosel. Sie wollen noch mit. Drei Minuten später wirft Matrose Timo Heiz das Tau über den Poller und befestigt es. Das Personenschiff Traben-Trarbach legt an und ist damit für Gäste bereit.

In Trittenheim steigen nur noch wenige zu. Kein Wunder, denn die Moselfahrt von Trier-Zurlauben nach Bernkastel-Kues hat bereits vor mehreren Stunden begonnen.

Lautlos gleitet das Schiff dahin. Es ist etwa 30 Meter lang, sechs Meter breit und bietet 250 Menschen Platz. Sie fotografieren an Deck und genießen den Anblick der Weinberge, die sich links an den Hängen erstrecken. Einige Fahrgäste dösen, andere spielen Karten. Ein kleiner Junge packt ein Spielzeug-Feuerwehrauto und Figuren aus. Schnell wird klar, die Schifffahrt ist nichts für Eilige, aber sie bietet reizvolle Anblicke. Auch Weinkennern und -liebhabern wird sie gefallen. Führt sie doch an berühmten Lagen wie dem Piesporter Goldtröpfchen oder der Brauneberger Juffer vorbei.

Mit an Bord sind auch Albert und Kathrin Müller. Das Sportboot der Züricher liegt momentan im Hafen von Schweich. Und weil das Schleusen mit ihrem Boot kompliziert und langwierig ist, haben sie sich für den Tagesausflug mit dem Schiff entschieden. "Wir wollten uns mehr von der Moselschleife anschauen, aber mit unserem Boot hätte die Tour zwei Tage gedauert", erklärt Albert Müller. Ihm gegenüber sitzt Dirk Emmerich mit seiner Frau. Was Schifffahrten anbetrifft, sind die beiden Wiederholungstäter. "Das ist unsere 25. Tour", sagt Emmerich. Jedes Jahr macht das Paar aus Herne einige Tage Urlaub an der Mosel.

Während die Paare im Schiffsinneren plauschen, fliegen dicht über dem Wasser Schwäne, dahinter erheben sich Gebäude, die wie Schlösschen wirken und an der Mosel so manches Dorf zieren.

Während die Menschen an Deck den Ausblick genießen, arbeitet einer unter Deck hoch konzentriert: Schiffsführer Harald Abrecht. Er kennt die Route und weiß, worauf es ankommt. Durch zwei Schleusen muss er sein Schiff manövrieren, bis es sein Ziel, Bernkastel-Kues, erreicht. Durch ein Glasfensterchen, das den Blick auf ein weiteres Fensterchen freigibt, kann Abrecht Blickkontakt mit seinem Matrosen halten, während dieser die Traben-Trarbach in den Schleusen und an den Anlegestellen befestigt. Was Timo Heiz macht, ist dem Schiffsführer vertraut. Bevor er hinterm Steuer stand, war er ebenfalls als Matrose auf der Mosel unterwegs. Seit 14 Jahren ist er nun Schiffsführer.

Die Landschaft vor Abrechts Augen verändert sich: Der Fluss wird breiter, Reben gedeihen plötzlich an beiden Moselseiten. Der Wein wächst sogar in der Ebene auf breiten Feldern. Die Fahrt führt vorbei am Neumagener Weinschiff und der Sonnenuhr. Zu einem Teil der Sehenswürdigkeiten erhalten die Reisenden Informationen, die von Band gespielt werden. Während sie im Schiffsinneren zu hören sind, kann man sie draußen oft kaum verstehen. Obwohl die Fahrt beschaulich wirkt, ist auch hier Pünktlichkeit gefragt. Abrecht will die Schleusen nicht zu spät erreichen, denn dann befinden sich bereits andere Schiffe in der Schleusenkammer. Die Traben-Trarbach müsste warten, und der Schiffsführer könnte sich eine Verspätung einhandeln.

Eine Art Ampel im Schleusenwärterhäuschen zeigt dem Schiffsführer, ob er einfahren darf oder warten muss. Wie im Straßenverkehr gibt es hier rotes oder grünes Licht.

Ab und zu kommt dem Schiff ein Frachter, der Kohle geladen hat, entgegen - wie die Hanseatic. "Oh" und "Ah" rufen einige Fahrgäste auf der Traben-Trarbach. Denn der Koloss ist 120 Meter lang und hat Berge von schwarz glitzernder Steinkohle geladen. Eine Stunde später gehört die Begegnung mit Lastschiffen dann mit dazu - und keiner staunt mehr.
Anders ist das bei der Einfahrt in die Schleuse und beim Schleusvorgang. Die Menschen zücken die Fotoapparate, beobachten den Anstieg des Wassers und knipsen, wie das Tor sich langsam wieder öffnet, nachdem die Kammer vollgelaufen ist.

Das Schiff nimmt Fahrt auf. Und dann schiebt sich plötzlich eine Burgruine ins Blickfeld. Sie trägt den Namen Landshut und ist eines der Wahrzeichen von Bernkastel-Kues. Früher diente sie den Trierer Bischöfen als Sommerresidenz. Wenige Minuten später haben die Reisenden erste Türme und die Stadtsilhouette vor Augen. Der Anblick macht neugierig, mehr von der Stadt zu entdecken. Wer auch den Rückweg übers Wasser wählt, dem bleiben allerdings nur eineinhalb Stunden zum Erkunden des mittelalterlichen Städtchens, das aus den Stadtteilen Bernkastel und Kues besteht. Sie sind durch eine Brücke verbunden. Der Name Kues stammt übrigens vom Philosophen, Mystiker und Kardinal Nikolaus von Kues. Er lebte um 1400 in der Stadt.

Auf der Kueser Seite liegt direkt am Ufer das nach ihm benannte Cusanusstift. Es wurde 1451 als Armenhospital errichtet und ist für Besucher geöffnet.

Ebenfalls sehenswert sind die kleinen verzweigten Gassen in der Altstadt. Die Architektur erinnert an eine Märchenwelt: alte Fachwerkhäuser, teilweise noch mit den ursprünglichen niedrigen Türen prägen die Gebäude. Bekannt ist vor allem das 1416 erbaute Spitzhäuschen - das ungewöhnliche Gebäude läuft nach oben und unten eng zusammen und dient heute als Weinstube.

Anita Lozina und Juliane Renk

Immer donnerstags stellt der TV im Rendezvous auf einer Doppelseite im Rahmen seiner Serie "Tagestour" die schönsten Ziele der Region vor.



Das könnte Sie auch interessieren



Anzeige