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Wo wilde Vögel fliegen und hungrige Wölfe heulen

(Pelm) Ob tägliches Flugprogramm mit Eulen, Falken, Geiern und Bussarden oder Fütterung des größten Wolfsrudels in Westeuropa – der Adler- und Wolfspark Kasselburg in Pelm lockt mit vielen Attraktionen. Besonders mutige Besucher können bei einem Falknertag ihren eigenen Greifvogel trainieren.
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Der Raum ist eng, an den Holzwänden hängen lange braune Lederhandschuhe, auf einem Tisch steht ein mit Stroh gefüllter Korb, aus dem mit großen Augen zwei schneeweiße Schleiereulen herausschauen. Der Kölner Jost Amersdorffer und der neunjährige David Schmitt aus Longen an der Mosel (Kreis Trier-Saarburg) stehen in der Falknerkammer des Adler- und Wolfsparks Kasselburg, direkt hinter den Greifvogelkäfigen. Die beiden Besucher des Parks in Pelm bei Gerolstein erwartet heute ein besonderes Abenteuer: Für einen Tag werden sie zum Falkner und trainieren ihren eigenen Raubvogel. Dabei hilft ihnen Ludger Knuthausen, Pächter des Parks und ausgebildet in der Falknerei, der Jagd mit Greifvögeln.

Zunächst müssen die Anfänger lernen, einen Raubvogel zu füttern. Dazu reicht Knuthausen ihnen eine Handvoll Hühnerbeinchen aus dem Futterschrank. „Eulen sehen schlecht im Nahbereich“, erklärt der Falkner. „Ihr müsst das Fleisch ganz nah vor sie halten.“ Mit skeptischen Blicken befolgen Jost und David die Anweisung und lassen die Hühnerbeine in die geöffneten Schnäbel der Eulenbabys fallen. „Gut gemacht“, lobt Knuthausen. „Dann geben wir euch jetzt einen Vogel.“

Draußen vor der Tür warten die Falkner Julia Kranz und Wolfram Rudolph mit einem kleinen Turmfalken und einem Wüstenbussard auf ihre Gäste, die sich jetzt einen dicken braunen Falknerhandschuh überstreifen. Daran befestigen sie das Geschüh der Vögel, die Lederriemen, die die Tiere am Wegfliegen hindern. Sekunden später sitzen Bussard und Falke bei Jost und David auf der Faust. „Ein tolles Gefühl“, schwärmt Jost. „Jetzt tragen wir die Vögel spazieren“, verkündet Wolfram Rudolph. Das sei wichtig, um den Kontakt zum Tier aufzubauen.

Für David, der noch etwas ängstlich dreinschaut, hat Rudolph einen guten Tipp: „Halt die Hand hoch und nah am Körper, trag den Falken wie ein Buch“, rät der Falkner und los geht der Spaziergang über die 20 Hektar große Anlage des Adler- und Wolfsparks, im Schatten der Stauffenburg aus dem 12. Jahrhundert.

In der Nähe lebt das größte Wolfsrudel Westeuropas

Die Wiesen, Wälder und Ruinen der Kasselburg beherbergen nicht nur Eulen, Falken, Geier und Bussarde. In der Schlucht unterhalb der Burg lebt mit derzeit 14 Tieren auch das größte Wolfsrudel Westeuropas. Zusätzlich bevölkern Ziegen, Gänse und Wildschweine den 1972 gegründeten Park. Kern der Anlage ist der Burg-Innenhof. Dort passen sich die Volieren der Greifvögel nahtlos in Nischen und Mauern der Ruine ein. Wer den 87 Meter hohen Turm erklimmt, wird zudem mit einem herrlichen Ausblick über die Anlage belohnt.

Jost und David haben ihre Vögel mittlerweile zur Flugwiese getragen, um sie dort fliegen zu lassen. Mit einer Falknertasche voller Hühnerbeine unterm Arm stellen sich die beiden nun auf der Wiese in Position, ihre Vögel haben sie auf einem Zaun abgesetzt. Falknerin Julia Kranz zeigt Jost, wie er seinen Bussard anlockt. Ein Stück Fleisch auf den Handschuh, ein kurzes Klopfen und ein lautes „Ey“, schon landet der Vogel auf Josts Faust. Auch David hat seinen Falken erfolgreich herbeigelotst und wirft ihn mit einem kräftigen Ruck wieder in die Luft. „Super, ein echtes Naturtalent“, lobt Falkner Knuthausen.

Von den Bänken rund um die Flugwiese aus beobachten etwa 100 Besucher das Spektakel. Sie warten auf den Beginn der täglichen Flugschau. Falkner Knuthausen setzt noch schnell sein Mikrofon auf, und schon landet die erste Eule auf seiner Hand. In der folgenden halben Stunde erläutert er Jagdverhalten, Spannweiten und Fähigkeiten der Raubvögel, während majestätische Uhus, flinke Turmfalken und imposante Wüstenbussarde über die Köpfe der Zuschauer von einem Falkner zum anderen gleiten. Auch Jost und David lassen ihre Vögel fliegen. Ein erstauntes „Oh“ entfährt den Zuschauern, als Gänsegeier Gonzo auf der Burgmauer erscheint. „Köpfe runter“, warnt Knuthausen noch, und schon rauscht der Aasfresser nur Zentimeter über der Menge hinweg.

Nach der Flugschau folgt gleich das nächste Spektakel: die tägliche Wolfsfütterung. Vom eingezäunten Erlebnisweg aus beobachten die Besucher, wie Wolfram Rudolph das Gehege betritt. Von den 14 pechschwarzen Timberwölfen ist noch nichts zu sehen. Erst als Rudolph die mit Rinderpansen gefüllte Schubkarre auskippt, stürzen die Wölfe aus dem Dickicht, zerren an den Fleischbrocken, reißen sie in Sekundenschnelle in Stücke und verschwinden mit ihrer Beute im Unterholz.

Nach der Fütterung ist für Jost und David auch der Falknertag zu Ende. Beide haben ihn genossen: „Es war total spannend, den Vogel auf der Hand zu haben“, freut sich David. „Es sind zwar nicht so viele Tiere hier“, findet Jost, „aber dafür kann ich sie in ihrem natürlichen Umfeld erleben.“

Die schönsten Ziele der Region stellt die Redaktion freitags im Trierischen Volksfreund auch auf der Seite „TV-Tagestour“ vor.

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