Autor: Text und Fotos: Uwe HentschelOrt:DruckenE-Mail
Die Pendler hinterlassen mehr Abfall als die Einheimischen
Laut einer Richtline der EU müssen deren Mitgliedsstaaten bis 2020 mindestens 50 Prozent ihres Abfalls recyceln. In Luxemburg setzt das Umweltministerium bereits seit Jahren auf gezielte Aufklärung. Oberstes Ziel ist dabei nicht die Verwertung, sondern ein Vermeiden von Abfall.
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Probleme mit Hausmüll, der auf öffentlichen Parkplätzen entsorgt wird, gibt es auch in Luxemburg.
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Colmar-Berg. Luxemburg hat ein ernsthaftes Müllproblem. Laut Eurostat, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, lag dort 2009 das Abfallaufkommen nämlich bei 707 Kilogramm pro Einwohner und damit rund vier Zentner über dem EU-Durchschnitt (513 Kilogramm). Extremer war die Mülldichte lediglich in Irland (742 ) Zypern (778) und Dänemark (833). Und auch Deutschland lag mit seinen 587 Kilo pro Bundesbürger zwar deutlich über dem Durchschnitt, aber dennoch einige Mülltonnenladungen hinter Luxemburg.
Thomas Hoffmann kennt diese Zahlen und hat dafür auch eine plausible Erklärung: die Pendler, von denen täglich rund 140 000 aus den Nachbarländern Deutschland, Frankreich und Belgien kommen. Die arbeiten nicht nur in Luxemburg, sondern hinterlassen dort zwangsläufig auch Müll, was bei einer Einwohnerzahl von knapp einer halben Million Menschen durchaus ins Gewicht fällt. So gesehen ist diese Statistik also für die Tonne. Und zwar - sofern sie in Papierform vorliegt - für die blaue Tonne. Wobei es natürlich für die Umwelt am besten wäre, das Dokument erst gar nicht auszudrucken. Und wenn, dann wenigstens auf Recycling-Papier - womit wir wieder bei Thomas Hoffmann wären.
Hoffmann ist Mitarbeiter der SuperDrecksKëscht (SDK). Diese hat ihren Sitz im luxemburgischen Colmar-Berg und wurde Mitte der 1980er Jahre vom Ministerium für Umwelt ins Leben gerufen. Aufgabe der SDK ist es unter anderem, Bürger und Betriebe bei der Umwelt schonenden Entsorgung ihrer Abfälle zu unterstützen. Wobei das oberste Ziel die Vermeidung von Müll ist. Die SuperDrecksKëscht setzt dabei auf eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit, in dem sie beispielsweise Unternehmen dabei hilft, ein innerbetriebliches Abfallsystem zu entwickeln, deren Mitarbeiter schult oder aber an Schulen informiert.
Auszeichnung von der EU-Kommission
Unterstützt wird sie dabei von einem Maskottchen (siehe unten), das aufgrund seiner grellgrünen Hautfarbe so aussieht, als habe es lange Zeit radioaktiven Müll sortiert. Dennoch hat es erfolgreich dazu beigetragen, dass die SDK mittlerweile die drittbekannteste Marke in Luxemburg ist und von der EU-Kommission sogar als Best-practice-Beispiel ausgezeichnet wurde.
Das Maskottchen ist nämlich Bestandteil des Labels Clever akafen (clever einkaufen), das nahezu in jedem luxemburgischen Supermarktregal zu finden ist. Hängt dieses Logo bei einem Produkt, weiß der Konsument, dass es sich dabei um einen Artikel handelt, der den Kriterien der Nachhaltigkeit weitgehend gerecht wird. Beworben werden damit unter anderem auflad bare Batterien, Energiesparlampen, ökologisch unbedenkliche Reinigungsmittel und Schulmaterial sowie umweltfreundliche Farben und Lacke. Ansatzweise vergleichbar ist das Logo mit dem in Deutschland üb lichen Blauen Engel - nur ist die gut gelaunte grüne Figur nicht irgendwo auf der Verpackung angebildet, sondern am Regal, wo sie deutlich besser wahrgenommen wird.
Zu finden ist das Maskottchen aber auch auf den Containern und Sammelfahrzeugen der SDK. Denn zu den Aufgaben der staatlich finanzierten Organisation gehört auch die Verwertung dessen, was nicht in der schwarzen, gelben, blauen oder braunen Tonne oder aber im Altglascontainer entsorgt werden kann. Das sind unter anderem Öle, Chemikalien, Batterien, Medikamente, Elektrogeräte und Autoteile. "Dazu zählen aber beispielsweise auch Folien und leere Sprühdosen, die in Deutschland im gelben Sack landen", erklärt Hoffmann. Oder aber konventionelle Glühbirnen und Farben, die hierzulande in die schwarze Tonne kommen, was aber in Deutschland nur für Dispersionsfarben gilt.
Ziel einer effizienten Abfallwirtschaft sei es, "ein ökologisches Produkt so lange wie möglich im ökologischen Kreislauf zu lassen", hatte der luxemburgische Nachhaltigkeitsminister Marco Schank im vergangenen Sommer erklärt, als er die Eckpunkte des neuen luxemburgischen Abfallgesetzes vorstellte.
42 Prozent werden recycelt
Das ist zwar noch nicht vom Parlament verabschiedet worden. Doch dass es kommen wird, steht außer Frage. Schließlich geht es um die Umsetzung von EU-Richtlinien, wonach bis spätestens 2020 mindestens 50 Prozent des Hausmülls und 70 Prozent des Bauschutts wiederverwertet werden müssen. Laut Schank werden in Luxemburg bereits jetzt 42 Prozent des Abfalls recycelt. Glaubt man jedoch der eingangs erwähnten EU-Statistik, so ist Luxemburg von seinem Ziel noch deutlich weiter entfernt. Danach wurden in Luxemburg 2009 nur 27 Prozent der kommunalen Abfälle wiederverwertet. Luxemburg war damit zwar besser als der EU-Durchschnitt (24 Prozent), aber deutlich schlechter als der Spitzenreiter Deutschland, wo laut Eurostat 2009 bereits 48 Prozent der Abfälle recycelt wurden. Doch möglicherweise ist auch diese Statistik für die Tonne. So räumen die Eurostat-Verantwortlichen ein, dass es bei der Erfassung dieser Zahlen keine einheitlichen Richtlinien gibt. Die in den Mitgliedsstaaten erfassten Zahlen sind also nicht wirklich vergleichbar sind.
EXTRA
Für die Entsorgung des Abfalls sind in Luxemburg drei sogenannte Syndikate zuständig, die das komplette Großherzogtum abdecken. Der flächenmäßig größte dieser kommunalen Zusammenschlüsse ist das Sidec (Syndicat Intercommunal pour la Gestion des Déchets) im Norden, dem 55 Kommunen mit rund 98 000 Einwohnern zugeordnet sind. Im Südwesten deckt das Sidor (Syndicat Intercommunal pour la Destruction des Ordures) 36 Gemeinden mit 310 000 Einwohnern ab. Dazu zählt auch die Stadt Luxemburg. Die kleinste Organisation ist Sigre (Syndicat intercommunal de Gestion Rationelle d'Énergie) im Südosten mit 25 Kommunen und 54 000 Haushalten. Sidec und Sigre verfügen über je eine Hausmüll deponie, Sidor über eine Müllverbrennungsanlage.
ZAHLEN
Rund 4000 Tonnen Pro blemmüll werden pro Jahr bei der SuperDrecksKëscht (SDK) sortiert, die rund 50 Mitarbeiter beschäftigt. Dieser Abfall wird teils direkt bei Haushalten und Betrieben abgeholt oder kommt von den rund 20 zum Teil privat betriebenen Recyclinghöfen in Luxemburg. Auf dem Gelände in Colmar-Berg werden die Wertstoffe aussortiert und dann zur weiteren Aufbereitung abtransportiert. Insgesamt werden so rund 250 Wertstoffe voneinander getrennt, was laut SDK einer Verwertungsquote von etwa 80 Prozent entspricht. Der Rest landet in der Müllverbrennungsanlage. Landesweit arbeiten rund 4000 Unternehmen mit der SDK zusammen.
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