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aus unserem Archiv vom 26. Juni 2012
Autor: Text: Mechthild Schneiders Kommentare: Kommentare zeigen Drucken  E-Mail

Familie und Beruf passen unter einen Hut

Familie und Karriere unter einen Hut zu bekommen, fällt vielen Frauen - und auch Männern - schwer. Wie es dennoch gelingen kann, zeigt die Informationsstelle Zeit-Zeichen mit Sitz beim Institut für Mittelstandsökonomie an der Uni Trier (Inmit) in einer Good-Practice-Broschüre.

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Nur zwei von zehn Führungskräften in der Region sind Frauen (22 Prozent). Im Seniorenhaus Zur Buche in Konz ist es genau umgekehrt. Dort gibt es nur vier Männer, aber 17 Frauen in Leitungspositionen. Eine davon ist die stellvertretende Konzer Heimleiterin Ulrike Hilgers. Sie ist Chefin über vier Hauswirtschafts- und Betreuungsleiterinnen, denen wiederum 45 Mitarbeiter in den Bereichen Betreuung, Hauswirtschaft, Wäscherei, Zimmer- und Objektservice unterstehen. Hilgers managt das alles in Teilzeit - wie sieben weitere Kolleginnen und ein Kollege im Haus. Die 53-Jährige hat eine 53-Prozent-Stelle, ihre Arbeitszeit beträgt 23 Stunden pro Woche.
 

"Das ist ein Planungskunststück!"


"Ich höre oft, Führen in Teilzeit, das geht nicht. Aber das stimmt nicht!", sagt Hilgers. "Wir arbeiten hier im Team, sprechen uns ab, wer wann welche Aufgaben übernimmt und in welchem Rahmen." Zudem seien die Führungskräfte gut vernetzt, es gebe regelmäßige Meetings. In Leitungspositionen gebe es immer das Problem, dass zu wenig Zeit da sei, meint Hilgers. Das sei eine Frage von Organisation und Disziplin. "Wenn ich weniger Zeit habe, muss ich Arbeit delegieren." Es sei wichtig, bei den Kernkompetenzen zu bleiben, sich nicht in alles einzumischen.
 
"Man muss klar definieren, das schaffe ich und das nicht." Und die Geschäftsführung müsse mitspielen. Das tut Berthold Steffgen, Geschäftsführer des Seniorenhauses in Konz. "Seitdem ich selbst Kinder habe, ist mein Verständnis dafür gereift", sagt der 43-Jährige. Das Seniorenhaus ist eines von 27 Unternehmen in Rheinland-Pfalz, die beispielhaft für die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Karriere für Frauen und Männer stehen. Diese Betriebe hat die Informationsstelle Zeit-Zeiten in der Broschüre "Balance als Chance" aufgelistet (siehe Extra).
 
"Wir haben Unternehmen ausgesucht, die etwas Besonderes oder eine große Vielfalt für eine chancengerechte Arbeitsweltgestaltung bieten", sagt Uta Hemmerich-Bukowski, die die Broschüre erstellt hat. Die Angebote reichen von familienunterstützenden Maßnahmen wie variable Teilzeit, Gleitzeit, Weiterbildung oder Sonderregelungen in Notfällen bis hin zur finanziellen Unterstützung. Fündig wurde sie bei Unternehmen, die das Audit "Beruf und Familie", einschlägige Auszeichnungen oder Zertifikate erhalten haben. Die Broschüre werde online stets um neue Angebote ergänzt.
 
Das Seniorenhaus Buche realisiert an den Standorten Salmtal (eröffnet 1987), Konz (1998) und Konz-Roscheid (2012) unterschiedliche individuelle Arbeitszeitmodelle. Es gibt insgesamt 38 unterschiedliche für rund 500 Mitarbeiter (etwa 95 Prozent sind Frauen). Von den Mitarbeitern arbeiten 380, das sind 76 Prozent, in Teilzeit. Ob wegen Kindern, pflegebedürftigen Eltern oder einfach, um mehr Freizeit zu haben - die Gründe für diese Entscheidung sind Nebensache. "Die Modelle richten sich nach den Bedürfnissen der Mitarbeiter, aber auch nach den Erwartungen und Anforderungen der Hausgäste", sagt Geschäftsführer Steffgen. Schließlich müssen Letztere 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr betreut werden. So gibt es Früh-, Spät- und Nachtschichten sowie Zwischenzeiten. "Das ist ein Planungskunststück", sagt Steffgen.
 
Auch die neue Heimleiterin im Seniorenhaus in Roscheid hat eine Dreiviertelstelle. Steffgen setzte dabei auf ihre sechsjährige Erfahrung im Haus. Das Seniorenhaus beschäftige viele langjährige Mitarbeiter. "Man wächst miteinander", sagt Steffgen. Sonst sei es nicht möglich, das Wissen, die Integrität zu halten. Das sei besonders heute wichtig, weil es nicht einfach sei, Fachkräfte zu finden. "Sie sind das Kapital des Unternehmens." Deshalb bilde das Seniorenhaus zurzeit 26 junge Menschen aus.
 
Auf Auszubildende aus eigenem Haus setzt auch das IT-Haus im Industriepark in Föhren. 28 sind es zurzeit, im Herbst kommen weitere 20 dazu. Insgesamt beschäftigt das aufstrebende Unternehmen 182 Mitarbeiter. "Wir bieten ihnen individuelle Arbeitszeitmodelle, damit sie an Bord bleiben", sagt Geschäftsführer Thomas Simon. Denn gerade in der IT-Branche mache sich der Arbeitskräftemangel bemerk bar. "Wir haben eine junge Mannschaft", sagt der 45-Jährige. Der Altersdurchschnitt liege bei 29 Jahren - dann beginnt für viele die Familienphase. Für die Frauen - rund ein Drittel der Belegschaft ist weiblich - bedeute dies häufig eine Unterbrechung im Job. Für den Wiedereinstieg bietet das IT-Haus viele Möglichkeiten, angefangen von der klassischen Halbtagsteilzeit über variable Teilzeit, Gleitzeit bis hin zu teilautonomen Arbeitsgruppen, die eigenverantwortlich Arbeitszeiten abstimmen. Bis zu 20 Mitarbeiter nutzten dies, überwiegend Frauen.
 

Arbeiten - von zu Hause aus


 
Das IT-Haus habe günstige Gegebenheiten für individuelle Arbeitszeitmodelle, meint Simon. "Wir sind ein Unternehmen, das jährlich um 25 bis 30 Mitarbeiter wächst." Dadurch würden Bereiche vergrößert, aber auch verändert. Mögliche Bereiche seien Buchhaltung, Abrechnung und Marketing. Für Engpässe, etwa wenn Kind oder Partner krank würde, gebe es Notfallregelungen. "Dann ist es für den Mitarbeiter etwa möglich, kurzfristig frei zu machen."
 
Den Bedarf meldeten die Mitarbeiter an, berichtet Simon. "Wir versuchen, gemeinsam, individuelle Lösungen zu finden, die auch verallgemeinerbar sind." Wie etwa Jobsharing. "Dabei arbeiten zwei, drei Mitarbeiter im gleichen Job und teilen sich die Aufgaben", erklärt Simon. Andere arbeiten von zu Hause, wie Michaela Thielen. Einen PC, ein Telefon und eine Flatrate für Telefon und Internet, mehr braucht sie nicht.
 
14 Jahre schon ist die 42-Jährige im IT-Haus tätig. Vor rund drei Jahren wurde sie schwanger und kehrte im Februar 2011 zurück aus der Elternzeit - und blieb dennoch zu Hause. Denn für einen 30-Stunden-Job von ihrem Wohnort Kröv aus 35 Kilometer nach Föhren zu fahren, lohne sich nicht, sagt Thielen. Dass sie deshalb vom Vertrieb, in dem Telearbeit nicht möglich ist, in den Kundenservice wechseln musste, nahm sie in Kauf, um im Betrieb bleiben zu können. Nun fährt sie einmal in der Woche in die Firma, dannn betreut ihre Mutter das Kind. "An dem Tag führe ich Gespräche mit Kunden und spreche mich mit den Kollegen ab. Das ist wichtig, um Dinge zu klären, aber auch, um den Kontakt zu den Kollegen zu halten."
 
"Telearbeit ist eine feine Sache", findet Thielen. "Für mich ist es die ideale Lösung, weil ich mir die Zeit einteilen kann, wie ich möchte." So könne sie vormittags, wenn ihr Kind in der Kita ist, arbeiten oder abends oder am Wochenende. "Und ich kann arbeiten, auch wenn das Kind krank ist." Sie sei noch keinen Tag wegen Krankheit ausgefallen, weil sie diese Stunden an anderen Tagen nachholt. "Das hat Vorteile für beide Seiten." Ihre Firma sei sehr flexibel, sagt Thielen, "das Vertrauen ist da". Auch Simon hat die Erfahrung gemacht, dass die Mitarbeiter mit Halbtagsjob mehr als 50 Prozent der Leistung brächten. Dem stimmt Steffgen zu: Teilzeitarbeitsmitarbeiter und -führungskräfte zu beschäftigen sei aufwendig, "weil man sich abstimmen muss", bilanziert er. "Aber es bereichert auch und rentiert sich."


 
"BALANCE ALS CHANCE"

 
Unter dem Titel "Balance als Chance" stellt die Zeit-Zeichen-Informationsstelle in Trier 27 kleine und mittlere Unternehmen in Rheinland-Pfalz - davon zehn in der Region - vor, die ihre Mitarbeiter darin unterstützen, Beruf, Familie und Karriere besser zu vereinbaren. Dazu gehören neben dem Wiedereinstieg nach der Familienpause auch familienunterstützende Maßnahmen sowie flexible und innovative Arbeitszeitmodelle - auch für Väter. Die Broschüre nennt für jedes Good-Prac tice -Unternehmen Ansprechpartner mit ihren Kontaktdaten. Die zehn vorgestellten Betriebe in der Region: Apel Metallgestaltung Trier, Felten IT-Dienstleistungen, Serrig, IT-Haus Föhren, Fleischerei Klassen Temmels, Modehaus Marx Trier, MediPrint Schweich, MSR Röntgenraumtechnische Systeme Jünkerath, Schreinerei Müller Gusterath-Tal, Zahntechnik Wallerius Trier, Seniorenhaus Zur Buche Konz. Die Broschüre "Balance als Chance" ist abrufbar unter  www.zeitzeichen-rlp.de
 
ZEIT-ZEICHEN

 
Die Informationsstelle Zeit-Zeichen informiert und berät Unternehmen, Institutionen und Initiativen sowie Arbeitnehmer in Form von Informations-, Weiterbildungs- und Kooperationsveranstaltungen. Schwerpunkte sind eine chancen- und familiengerechte Arbeitszeitgestaltung, Hilfen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Chancengerechtigkeit von Frau und Mann in der Arbeitswelt. Die Infostelle hat ihren Sitz beim Inmit, dem Institut für Mittelstandsökonomie an der Universität Trier, und wird vom rheinland-pfälzischen Frauenministerium gefördert. Das Zeit-Zeichen-Beratungsteam ist erreichbar unter Telefon 0651/14577-0 oder per E-Mail an: info@zeitzeichen-rlp.de


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