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Immer weiter statt Stillstand

In der Fachrichtung Lebensmitteltechnik kooperiert die Hochschule Trier mit vielen Firmen

Welcher Kakao löst sich in einer Tasse rasch auf? Wie muss eine Maschine konstruiert sein, damit sie Pralinés mit identischer Wandstärke produziert? Welche Auswirkungen haben veränderte Temperaturen auf die Produktion von Lebensmitteln? Das sind nur einige der Fragen, denen sich die Fachrichtung Lebensmitteltechnik der Hochschule Trier in ihrer Arbeit stellt.

28.04.2014
Text und Fotos: Rolf Lorig
Die Umgebung ähnelt einer Großküche. Konzentriert arbeiten vier junge Frauen an der Lösung ihrer Aufgabenstellung. Sie entwickeln einen cremigen Brotaufstrich, der nicht nur gut schmecken, sondern auch noch kalorienreduziert und gesund sein soll. Keine leichte Aufgabe. Im Labor der Fachrichtung Lebensmitteltechnik aber nicht ungewöhnlich, wie Enrico Careglio sagt, der 15 Jahre für einen führenden europäischen Süßwarenkonzern tätig war. Der promovierte stellvertretende Leiter der Fachrichtung muss es wissen. Er ist einer von sieben Professoren, die jährlich 250 Studierende auf ihrem Weg in die Welt der Lebensmitteltechnik begleiten. Das Labor, in dem die Frauen und Männer an sehr unterschiedlichen Aufgaben arbeiten, ist nur eines von mehreren der Fachrichtung.

Professoren kommen aus der Wirtschaft


"Wir haben hier zahlreiche Geräte, mit denen wir wichtige Forschungsarbeiten betreiben", sagt Fachrichtungsleiter Günther Lübbe. Alle Professoren kommen aus der Wirtschaft, wo sie in der Vergangenheit leitende Funktionen inne hatten. "Daraus ergibt sich eine sehr gute Verzahnung, denn die Wirtschaft ist auf gut aus gebildete Nachwuchskräfte angewiesen, die wir ihnen zur Verfügung stellen können. Im Gegenzug brauchen wir die Industrie als Partner der Forschung", beschreibt der promovierte Lebensmitteltechnologe, der sieben Jahre an der Entwicklung, Planung und Projektierung im Maschinen- und Anlagenbau mitwirkte. Schon seine berufliche Herkunft macht deutlich, wie breit die Fachrichtung aufgestellt ist. "Wir haben zahlreiche und sehr unterschiedliche Kooperationen mit der regionalen und überregionalen Wirtschaft", erläutert Lübbe. "Die Themen sind in den Bereichen Lebensmitteltechnologie, -verfahrenstechnik, -mikrobiologie, -chemie und Lebensmittelwirtschaft angesiedelt."
Neben ihm steht eine Informationstafel mit den Namen und Logos der Kooperationspartner. Eine eindrucksvolle Galerie von A wie Arla bis Z wie Zentis. Weitere Namen: Bitburger, Gerolsteiner, Dr. Oetker, Griesson de Beukelaer oder Nestlé - um nur einige zu nennen. Die ganz Großen der Branche betreiben allerdings ihre Produktforschung im Großen und Ganzen selbst und betrauen die Trie rer Hochschule in der Regel mit eher unterstützenden Aufgaben. "Unser Know-how in der Forschung wird insbesondere von mittelständischen und kleineren Betrieben abgerufen", erläutert Enrico Careglio. Sein Kollege Georg F. Kapfer, der gerade einen Studenten an einer Kaffeeröstmaschine betreut, bestätigt das. Für Kunden wie die Rösterei Mondo del Caffè in Echternach (Luxemburg), die auch Filialen in Trier betreibt, wäre der finanzielle Forschungsaufwand mit eigenen Maschinen und quali fizier tem Personal einfach zu hoch, sagt er. Und fügt hinzu: "Wir sind die Forschungsabteilung für diese Firmen, wir bringen mit unserer Forschung und Lehre Geist und Hand in Einklang." Enrico Careglio nickt und verweist darauf, dass auch Deutschlands einzige Kandier-Manufaktur J. Biffar & Co. GmbH im pfälzischen Deidesheim gerne auf das Trierer Wissen um Technologie und Verfahrens technik zurückgreift.

Vegetarisches vom Fleischwarenhersteller


Während die Hochschule mit technologischem und chemischem Wissen hilft, revanchieren sich die Pfälzer mit kostenlosen Pralinen mischungen, deren Rezeptur nicht selten von Careglio stammt. Die Hochschule kann sie dann bei besonderen Gelegenheiten kostenlos verteilen.
Von einer ganz anderen Kooperation berichtet Günther Lübbe: ein saar ländischer Fleischwarenhersteller plant die Einführung von vegetarischen Fleischersatzprodukten. Das Unternehmen kennt nicht die potenziellen Zielgruppen und Marktanforderungen für diese Produkte und hat naturgemäß keine Erfahrungen mit pflanzlichen Eiweißen und Verdickungsmitteln. Aktuell werden die von der Hochschule vorgeschlagenen Rezepturen beim Fleischwarenhersteller umgesetzt. An der Hochschule untersucht eine große Testergruppe sie auf äußere und innere Beschaffenheit, den Geschmack sowie auf ihre Beliebtheit hin. "In diesem Fall konnte der Studierende das Produkt mit Unterstützung des Unternehmens und der Fachrichtung bei einem europäischen Innovationswettbewerb einreichen", berichtet Lübbe stolz. Solche Herausforderungen motivieren die Studenten. Die Qualität der Ausbildung in Trier ist bundesweit bekannt, über mangelndes Interesse an ihrer Fachrichtung können die sieben Professoren, darunter eine Frau, nicht klagen. "Gerade für die Region ist das ein großes Glück", sagt Lübbe.
Er weiß um das große Inter esse der Industrie an seinen sehr gut ausgebildeten Studenten. Dabei bedauert er, dass es besonders in diesem Raum nicht noch mehr große Unternehmen gibt, die die Kompetenz der Absolventen an die Region binden könnten. "Nicht zuletzt deshalb stimmen wir unsere Studierenden darauf ein, auch international tätig zu werden", sagt Careglio, der selbst bereits in Italien und Frankreich tätig war.
Dass seit einigen Jahren an der Hochschule Trier auch Doktoranden ausgebildet werden dürfen, hat der Fachrichtung zusätzliche Dynamik gegeben. Denn daraus ergeben sich wieder neue Möglichkeiten für Kooperationen mit Unternehmen: "Und die befinden sich in Irland, den Benelux-Staaten, der Schweiz, Dänemark, aber auch in den USA, Vietnam und China", zählt Günther Lübbe auf.
Damit ist bei den internationalen Projekten das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, sind er und seine Kollegen überzeugt. "Wir dürfen nicht verharren sondern müssen uns permanent weiter entwickeln."