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aus unserem Archiv vom 27. November 2012
Autor: Christoph Strouvelle Kommentare: Kommentare zeigen Drucken  E-Mail

Korken oder Schraubverschluss für Weine: Drehen oder ziehen? - Das ist hier die Frage

Vor zehn Jahren war der Naturkorken der einzige Verschluss für Weiß- oder Rotweine. Doch mittlerweile haben Kunststoffkorken und Schraubverschlüsse einen großen Teil des Markts erobert.

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Eine Flasche Wein im gut gefüllten Wein keller aussuchen, mit dem Korkenzieher die Flasche öffnen, am Korken riechen und den Wein in die bereitgestellten Gläser schenken und genießen - so beginnt der perfekte Feierabend für einen Weinfreund. Doch in den vergangenen zehn Jahren haben immer mehr andere Weinflaschenverschlüsse den Markt erobert und auch dieses Ritual verändert: Oft schraubt sich der Korkenzieher in geruchsneutrale Kunstoffkorken oder wird wegen Schraubverschlüssen sogar ganz überflüssig.

Der Hauptgrund für die Konkurrenz, die der Naturkork-Verschluss in den vergangenen zehn Jahren bekommen hat, ist der mögliche Kork-Geschmack, der den Wein ungenießbar machen kann. Und bisweilen auch sein Preis: Ein guter Naturkorken kann 50 Cent und mehr kosten - bei preiswerten Weinen für zwei oder drei Euro ein hoher Kostenfaktor.

40 Prozent mit Schraubverschluss


Erhebungen über die Marktanteile der verschiedenen Verschlüsse gibt es nicht. Ernst Büscher vom deutschen Weininstitut in Mainz schätzt, dass inzwischen 40 Prozent der 1,3 bis 1,5 Milliarden Flaschen einer deutscher Jahresproduktion - je nach Ernte schwankend - einen Schraubverschluss haben. Rund ein Drittel der Weine seien nach wie vor mit Naturkorken verschlossen, der Rest mit Kunststoffkorken. Verschlüsse wie Kronkorken oder Glasstopfen spielten nur eine marginale Rolle.

"Vor zehn Jahren gab es relativ viele Probleme mit Korkgeschmack. Daraufhin sagten viele Winzer: Wir probieren Alternativen", sagt Büscher. Zudem übten die Handelsketten Druck auf die Winzer aus. Weniger Korkverschlüsse bedeuteten nach Argumentation der Handelsketten weniger Reklamationen. Der Konsumweinbereich habe sich deshalb vom Naturkorken zurückgezogen.

Jedoch habe die Korkindustrie nachgelegt, um die Qualitäten der Korken und das Image des Naturverschlusses zu verbessern, sagt der Experte. Standards für die Korkqualität seien festgelegt und Prüfsiegel herausgegeben worden. Seine Prognose: Im Bereich der Premiumweine werde sich der Naturkorken halten. Beim Rotwein schwörten die Erzeuger ohnehin auf den Naturverschluss, da der Kork dosiert Luft durchlasse. "Der Rotwein braucht das, um zu reifen", sagt Büscher.

Der Rotwein sei von einem möglichen Kork-Geschmack auch weniger betroffen als Weiß weine, denn dieser verfüge über kräftigere Aromen. Ein möglicher Kork-Geschmack sei deshalb schwieriger zu schmecken als bei einem Weißwein. Da reiche schon ein Hauch, und der Wein schmecke nicht mehr.

Eine potenzielle Umstellung vom Naturkorken auf andere Verschlüsse stelle viele Winzer vor logistische Probleme, sagt Ansgar Schmitz, Geschäftsführer des Moselwein e.V. Der Verein betreibt die Gebietsweinwerbung für das Anbaugebiet Mosel. Denn viele Winzer lagerten ihre Weine mit Naturkorken in Gitterpaletten, entnähmen und etikettierten die Weinflaschen nach Bedarf, je nachdem, in welches Land der Wein geliefert werde. Bei Schraubverschlüssen sei dies nicht mehr möglich, denn durch die Lagerung Flasche an Flasche könnten sich die Schraubverschlüsse verbiegen, sagt er. Ein Winzer müsse bei der Umstellung auf Schraubverschlüsse seine ganze Logistik ändern. Die Flaschen müssten sofort etikettiert und in Sechser- oder Zwölferkartons verpackt und stehend gelagert werden. "Viele Winzer haben den Platz dafür gar nicht", sagt Schmitz. Zwar biete der Schraubverschluss Vorteile. Die Flasche könne wieder zugedreht werden, es gerieten keine Korkbrösel in den Wein. "Es ist jedoch umstritten, ob der Wein so gut reift wie bei Kork", sagt er.

Das Unternehmen Kork industrie Trier stellt Naturkorken her. Inhaberin Ulrike Schaeidt, die auch Vorstandsmitglied des Deutschen Korkverbands ist, glaubt trotz der aufgekommenen Alternativen an eine Zukunft des Naturkorkens als Flaschenverschluss. Ihre Prognose: Der Kunststoffkorken wird zugunsten des Schraubverschlusses an Bedeutung verlieren. Der Marktanteil des Naturkorkens werde sich nach ihren Schätzungen bei 30 Prozent einpendeln. Sie führt das steigende Umweltbewusstsein der Verbraucher an. Die bis zu 150 Jahre alten Korkeichen, deren Rinde alle neun Jahre geschält und zu Flaschenkorken und weiteren Korkprodukten weiterverarbeitet werden, seien CO-Senker, sagt sie.

Von 24 auf 16 und wieder zurück


Zudem eigne sich Kork hervorragend als Verschluss: Die Korken werden von 24 Millimeter Durchmesser auf 16 Millimeter zusammengepresst, dehnten sich dann wieder aus und glichen so die geringsten Unebenheiten einer Flasche aus, erklärt Ulrike Schaeidt.

Dem Schraubverschluss fehle diese Anpassungs fähigkeit. Flasche und Schraubverschluss müssten deshalb perfekt aufeinander abgestimmt sein, sonst laufe der Wein aus. Einige Winzer seien deshalb nach Ulrike Schaeidts Angaben bereits zum Naturkorken zurückgekehrt. "Bei hochwertigen Weinen wie großen Rotweinen und Prädikatsweißweinen wie Auslesen, Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen bleibt der Naturkorken aktuell", sagt sie.

Zum Schluss die Frage: Gibt es Auswirkungen der unterschiedlichen Verschlüsse auf den Geschmack eines Weins? Das Steillagenzentrum in Bernkastel-Kues organisierte deshalb eine Weinprobe mit 26 Flaschen des gleichen Weins, einem 2009er trockenen Saar-Riesling, die zwei Jahre zuvor unterschiedlich verschlossen worden waren - mit Naturkorken, Schraubverschlüssen, unterschiedlichen Kunststoffkorken und Glasverschlüssen. An dem Test nahm ein Redakteur des Trierischen Volksfreunds teil und berichtete darüber. Sein Ergebnis: Alle 26 Weine schmeckten anders. Seine Favoriten waren wegen des reinen Geschmacks der Weine zwei Flaschen mit Naturkorken und zwei mit Schraubverschlüssen. Andere Weine mit Schraubverschluss fielen durch.

Ganz extrem gingen die Meinungen bei einer Flasche mit Glasverschluss auseinander. Ein Tester bewertete ihn mit der Schulnote sechs, ein anderer mit der Note eins - alles offenbar Geschmacks sache.
Extra
Vorreiter innerhalb Deutschlands für den Schraubverschluss bei Weinen waren die Anbaugebiete Württemberg und Franken. International forcieren seit Jahren Australien und Neuseeland den Schraubverschluss. Mittlerweile schreiben sogar einige Handelsketten ihren Lieferanten die Verwendung von Schraubverschlüssen oder anderen Verschlüssen neben Kork vor. Quelle: Deutsches Weininstitut

 




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