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aus unserem Archiv vom 27. November 2012
Autor: Mechthild Schneiders Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Trier Drucken  E-Mail

Michael Müller baut als Präsident des regionalen Einzelhandelsverbands Trier auf Vielfalt

Die Attraktivität der Innenstädte in der Region liegt Michael Müller, Inhaber des Modehauses Zur blauen Hand in Trier, besonders am Herzen. Dafür setzt sich der 56-Jährige auch als Präsident des Einzelhandelsverbands Region Trier ein.

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"Ich gehe zur blauen Hand" ist seit 215 Jahren ein viel gehörter Satz in Trier. Ein Satz, der literarische Berühmtheit erlangte: Der Schweicher Autor Stefan Andres lässt seinen Protagonisten im 1953 erschienenen Roman "Der Knabe im Brunnen" rätseln, wie man "in eine blaue Hand hineingehen und feinduftende bunte Stoffe kaufen konnte". Ganz einfach: Man öffne die Tür, und schon steht man drin beim Herrenausstatter Zur blauen Hand in der Brotstraße - mit 2300 Quadratmetern der größte in Rheinland-Pfalz.

Der Name geht übrigens auf eine Färberei zurück. Aber zunächst stellen wir den Chef Michael Müller (56) vor. Bereits als 14-Jähriger, nach dem Tod des Vaters, habe er seiner Mutter versprochen, den Betrieb zu übernehmen. "Ich habe schon als Kind im Geschäft verkauft - als Jugendlicher prägt einen das." Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre lernte er den Modejob, vom Einkauf bis zum Bereichsleiter. In dieser Zeit führte seine Mutter den Betrieb. "Wir hatten klasse Mitarbeiter, die sie unterstützten!"

1984 übernahm Müller die "blaue Hand". Das Modehaus mit heute 45 Mitarbeitern geht zurück auf eine Färberei mit Tuchhandel am Weberbach in Trier, die Vorfahre Johann Nicolaus Müller 1797 übernimmt - der zweitälteste Betrieb, der durchgängig in Trier geführt wird. Der Blau- und Schönfärber ist Pionier: Er bringt das Färbeverfahren mit der Indigo pflanze an die Mosel. Weil die Farbe nur schwer zu entfernen ist, kommt er oft mit blauen Händen ins Geschäft und sorgt so für den Namen.

"Meine Ahnen haben es gut verstanden, auf Veränderungen flexibel zu reagieren", sagt der heutige In haber. "Sie haben sich nicht gescheut, die Produktion umzustellen." Die zweite Generation erweitert den Betrieb um eine Wollgarnspinnerei in der Agnetenmühle (Kaiserthermen) und eine Weberei, in der Stoffe für Uniformen hergestellt werden: die Tuchfabrik. Die dritte Generation stellt 1862 die Spinnerei auf Vollmechanisierung um.

Als nach dem Ersten Weltkrieg der Bedarf an Uniformen zurückgeht, wird Herren- und Knabenkleidung hergestellt. 1921 eröffnet die vierte Generation den Laden in der Brotstraße. 1927 schließt die Tuchfabrik. In die Brotstraße zieht eine Maßwerkstatt ein, die die fünfte Generation, Michael Müllers Vater Wolfgang, 1968 aufgibt. Seitdem wird in der Brotstraße an- und umgebaut. "Früher waren wir ein qualitätszentriertes Haus", sagt Müller, "man hat uns wenig Kompetenz in Mode zugetraut." Dass dies heute anders ist, macht er an steigenden Umsätzen aus - gegen den Trend in der Branche. Rund ein Drittel seiner Kunden kommen aus Luxemburg, auch Belgier und Niederländer gehören zur Klientel. Die Kundschaft des Herrenausstatters besteht zu 50 Prozent aus Frauen, die für das Äußere ihrer Männer, Freunde oder Söhne sorgen. "Deshalb ist es wichtig, auch Frauen anzusprechen", sagt Müller.

Und der Wandel geht weiter: Müller eröffnete Ende Oktober auf 200 Quadratmetern einen neuen Mono-Label-Laden in der Alten Post am Kornmarkt - mit junger Mode zu "konsumigeren" Preisen. "Das Projekt macht Spaß", sagt Müller, "es war ein sehr guter Start." Seinem Stammhaus mache er damit keine Konkurrenz. Genauso wenig wie seinen Trierer Kollegen. "Der Einzelhandel in der Stadt Trier und der Region liegt mir sehr am Herzen", sagt der Präsident des Einzelhandelsverbands Region Trier. Der Verband vertritt seit 1920 die Geschäftsleute in der Stadt sowie den Kreisen Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm, Daun und Trier-Saarburg. Er bietet seinen 400 Mitgliedern Dienstleistungen, juristische Beratung, übernimmt das Inkasso und betreibt Lobbyarbeit gegenüber der Politik, besonders im Bereich Ansiedlungen und Verkehr.

Das Amt zu übernehmen, sei für ihn eine Herzenssache gewesen, sagt Müller. "Trier ist eine der wenigen Städte in Deutschland, in denen der Einzelhandel gut funktioniert. Die Innenstadt gehört zu den zehn am besten frequentierten in Deutschland." Das liege auch am Mix von Filialisten, inhabergeführten Läden und Warenhäusern, einer gut funktionierenden Gastronomie und der Historie.

"Wir setzen uns dafür ein, dass diese Attraktivität erhalten bleibt", sagt der Präsident. "Die deutschen Innenstädte mit Handel, Gastronomie und Wohnen dicht nebeneinander sind für mich ein Kulturgut." Deshalb spricht sich der Verband seit Jahren gegen Ansiedlungen auf der grünen Wiese aus. "Das schwächt die Innenstädte. Wir wehren uns gegen Politiker, die Ansiedlungen zulassen, die über Jahrzehnte gewachsene Strukturen kaputtmachen." Tradi tion ist Müller eben wichtig.
Zur Person
Für Michael Müller (56) stand bereits mit 14 Jahren fest, dass er das elterliche Modehaus Zur blauen Hand in der Trierer Brotstraße übernehmen wird. Er besuchte das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, machte Abitur in einem Jesuiteninternat bei Bonn. In Bonn sowie in Köln studierte Müller Betriebswirtschaftslehre. Im Anschluss arbeitete er bei einem Mode unternehmen, später in einem Einkaufsverband. Seit 1984 leitet Müller das Modehaus. Seit 2002 ist er Präsident des Einzelhandelsverbands Region Trier.


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