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aus unserem Archiv vom 27. Dezember 2012
Autor: Ariane Arndt Kommentare: Kommentare zeigen Ort: Region Trier Drucken  E-Mail

Wirtschaft in der Region: Mit vielen Fragezeichen ins Jahr 2013

Vor zwei Jahren blickten die Unternehmen in der Region Trier zum Jahreswechsel noch optimistisch in die Zukunft. Ende 2011 waren die Sorgen schon größer. Auch jetzt hat Macher, Menschen + Märkte die Stimmung in der Region mit Blick auf das Wirtschaftsjahr 2013 sondiert: In einigen Branchen nehmen Skepis und Unsicherheit zu. Dennoch: "Keine Panik", lautet die Devise weiterhin.

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Im Großen und Ganzen trotzt die Region den europäischen und internationalen wirtschaftlichen Krisen. Dennoch herrscht in vielen Branchen Unsicherheit, da existenzielle Fragen unbeantwortet sind: Wie geht es weiter mit dem Euro? Wie entwickelt sich die Weltwirtschaft? Wie steigen die Energie- und Rohstoffpreise? Wie geht die Bundestagswahl 2013 aus - und wird es vor- und nachher zu wirtschaftspolitischem Stillstand kommen?

Branchen im Vergleich


Von unterschiedlichen Stimmungen spricht Frank Natus, Vorsitzender der Vereinigung Trierer Unternehmer (VTU), deren 460 Mitglieder aus allen Branchen und der gesamten Region Trier kommen. Im Mittel sei die Geschäftslage 2012 aber immer noch gut gewesen.
Vor allem das Handwerk zeigt sich nach wie vor "krisenfest" und "sehr robust", wie es bei der Handwerkskammer Trier (HWK) heißt. Im Oktober fragte die HWK ihre Mitglieder nach der konjunkturellen Stimmung. Beim Handwerk lässt sich eine Prognose anhand der Auftragsbestände aufstellen. Die Zahlen sehen demnach zwar schlechter aus als vor einem Jahr: 9,7 Wochen durchschnittliche Auftragsreichweite etwa im Bauhauptgewerbe (2011: 12,3), 7,8 Wochen bei den Ausbauhandwerkern (2011: 9,4 Wochen). Das aber liege am sehr hohen Niveau des Vorjahres, erklärt Lisa Herbrand, Betriebsberaterin der HWK Trier: "Das konnte nicht gehalten werden."

Auch die Industrie- und Handelskammer Trier (IHK) hat in ihrer Konjunkturumfrage im Oktober 150 Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung mit insgesamt mehr als 15.000 Beschäftigten nach der Lage befragt. Das Ergebnis: Mehr als 90 Prozent der Firmen seien mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage zumindest zufrieden, heißt es im Bericht. Die Kammer hat auch die Antworten zu den Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate ausgewertet: Die Zahl derjenigen, die pessimistisch in die Zukunft schauen, hat deutlich zugenommen.

Als "skeptische Erwartungshaltung" bezeichnet die IHK diese Tendenz, die vor allem in den Bereichen Industrie und Handel zu spüren ist. "Allein im Dienstleistungsgewerbe finden sich die Optimisten noch leicht in der Mehrzahl", schreibt die IHK. Und das, obwohl sich die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem Frühjahr "deutlich verschlechtert" habe. Aber ähnlich wie beim Handwerk liegt auch dieser "Einbruch" daran, dass das Niveau zuvor sehr hoch gewesen sei, erklärt Matthias Schmitt, der bei der IHK Trier für den Geschäftsbereich Standortpolitik zuständig ist: "Die Lage hat sich normalisiert."

Zum Dienstleistungsbereich gehört auch das Gastgewerbe, das ein wesentlicher Faktor für den Tourismus ist, der wiederum in der Region eine wichtige Rolle spielt. Antworten von 130 Betrieben hat die IHK ausgewertet. "Durchaus zufrieden" äußert sich die Branche über den Verlauf der Sommersaison. Die Erwartungen für den Winter sind eher verhalten. Insgesamt sei das Niveau aber gut, bilanziert Susanne Martin von der IHK. Die angespannte Situation vieler Unternehmen spürt die Branche jedoch auch: Sparkurse sorgten für geringere Ausgaben der Geschäftsreisenden.

Beim Handel ist das Bild gemischt: "Dem Einzelhandel, der mit 13.500 sozialversicherten Mitarbeitern nach dem Gesundheitssektor die wichtigste Branche in der Region ist, geht es besser als dem Groß- und dem KFZ-Handel", informiert Schmitt.

Dass der Einzelhandel optimistisch ist, bestätigt Michael Cornelius, Geschäftsleiter der SinnLeffers GmbH in Trier und Chef der City-Initiative Trier, für die Textilbranche: "Wir gehen sehr gestärkt in das Jahr 2013." In der Krise gebe es immer auch den Trend, sich zu schmücken. Ein Schwerpunkt liege bei den Accessoires. Es werde bewusster eingekauft, sagt Cornelius aus 20 Jahren Berufserfahrung: statt Masse lieber das hochwertige Einzelstück.

In der Industrie blicken viele skeptisch und besorgt ins nächste Jahr. Auch wenn im Herbst "die Kapazitätsauslastung deutlich über dem saisonalen Durchschnitt" lag, wie Schmitt betont. "Der Motor läuft, die Industrieunternehmen fallen nicht ins Nichts. Sie haben sich ein kleines Auftragspolster angefressen, das sie zumindest bis Anfang 2013 abpuffert."

Dennoch: Die Unternehmen wollen weniger investieren. Als abwartende Stagnation lässt sich die Stimmung in manchen Bereichen der Industrie zusammenfassen. Der Grund ist offenbar nicht fehlendes Budget, sondern die Unsicherheit darüber, was 2013 bringen wird.

Für die Metall- und Elektroindustrie spricht Roland Wölfl, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall Trier, von einer "gespaltenen Lage": Es gebe vorsichtigen Optimismus, aber auch vorsichtigen Pessimismus.
Schwierig ist die Lage in Teilen der Automobilbranche. Betroffen seien vor allem Zulieferer in der Region, die viel mit Herstellern in den europäischen Krisenländern zu tun hätten. Auch der KFZ-Handel blickt laut IHK mehrheitlich pessimistisch ins nächste Jahr, die In vestitionsplanungen seien "sehr negativ".

Die Rolle der Psychologie


"Wirtschaft hat viel mit Psychologie zu tun", konstatiert Christian Schmitz, Regionsgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Deshalb wolle er auch nicht Trübsal blasen, "weil wirklich noch vieles offen ist."
"Die Manager sind in den Köpfen schon im Krisenmodus", beschreibt Wölfl (IG-Metall) die Stimmung bei einigen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. "Ist eine Krise in Sicht, werden relativ schnell Investitions- und Beschäftigungsplanungen zurückgenommen."

Auch VTU-Chef Natus spricht von Unsicherheit bei einigen Unternehmen im Industriebereich. Dass die Geschäftserwartungen schlechter seien, habe stark damit zu tun, dass "man sich nicht vorstellen kann, dass es besser wird". Die Gründe: "Wir haben eine Eurokrise und damit eine Ungewissheit bezüglich wirtschafts- und finanzpolitischer Entscheidungen. Es gibt eine Bundestagswahl, bei der man nicht genau weiß, wie die ausgeht und welche möglichen Änderungen es geben wird." Auch befürchte man höhere Energie- und Rohstoffpreise. "Dann geht die doppelte Schere auf: höhere Kosten und im Zweifel geringere Umsätze", so Natus.

Kein krisenbedingter Stellenabbau geplant


Fast 28 Prozent der deutschen Firmen wollen Personal abbauen - dieses Umfrageergebnis veröffentlichte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln im November. "Zum Glück haben wir diese Tendenz in der Region Trier nicht", meint Christian Schmitz (DGB). Auch Matthias Schmitt (IHK) analysiert: "Bei der Beschäftigung befinden wir uns auf einer Nulllinie: Kein Abbau, aber auch keine Neueinstellungen." Und er ergänzt: Wenn ich darauf wetten müsste: Stabil, wenn nicht sogar leicht steigend."

Auch in der Automobilindustrie gibt es keine Anzeichen für konjunkturbedingte Entlassungswellen. Auch, wenn es bei der Beschäftigungssituation eine erhebliche Bremsspur gebe, wie Roland Wölfl (IG-Metall) sagt. Es gebe derzeit keinen Beschäftigtenaufbau, Zeitkonten werden abgebaut, Urlaube genommen und "wie immer sind natürlich auch in unseren Betrieben die Leiharbeiter die ersten Opfer". Aber: "Keines unserer Unternehmen plant fürs erste Quartal Kurzarbeit."

Die Agentur für Arbeit Trier schaut optimistisch in die Zukunft: "2013 ist weiter mit der niedrigsten Arbeitslosenquote in ganz Rheinland-Pfalz zu rechnen", sagt Edeltraud Nikodemus von der Agentur. Es gebe keine Anhaltspunkte, die diese Einschätzung gefährden könnten.

Wie sich die Lage bessern könnte


Aus IHK-Sicht plädiert Matthias Schmitt dafür, "die Wirtschaft Wirtschaft machen zu lassen." Gute Standortbedingungen seien hilfreich. Und "es wäre wünschenswert, wenn es keine Eskalation der Staatsschulden gibt."

Einen Schuldenschnitt fordert Roland Wölfl (IG-Metall). Mit Konjunktur- und Entwicklungsprogrammen müsse versucht werden, die Nachfrage anzukurbeln. Denn durch die "Euro-Rettungspolitik werden Hunderte von Milliarden an Nachfrage aus dem Markt gezogen." Der Bundesverband der IG-Metall fordert zudem von der Bundesregierung, die Kurzarbeitsregelung zur Krisenprävention auch für Leiharbeiter umzusetzen. Im Dezember hatte die Regierung die Bezugszeit des Kurzarbeitergelds, das Unternehmen von Lohnkosten entlastet, von sechs auf zwölf Monate verlängert.

"Wir brauchen Sicherheit und Stabilität bei den europäischen Märkten", betont Christian Schmitz (DGB). "Es geht nicht, dass ganz Südeuropa, das ja auch unsere Produkte kauft, sich kaputtsparen muss durch unsere Spardiktate." Er plädiert dafür, Zeit zum Sparen zu lassen, Geld in die Hand zu geben und auch in der Krise zu investieren, "damit wir in Europa nicht vom Weltkonjunkturmarkt abgehängt werden".

Die Eurokrise müsse gelöst werden, "ohne dass wir zu einer Transferunion kommen", meint Natus (VTU). "Es muss zu politisch sinn- und maßvollen Lösungen kommen. Dann wird die Unsicherheit weichen, dann werden wieder Investitionen getätigt. Und dann wird sich auch die europäische Wirtschaft erholen."
Matthias Schmitt (IHK) macht es konkret: "Wenn es richtig brummt und der Eindruck da ist, es wird halten, dann gibt es Erweiterungsinvestitionen: eine zusätzliche Maschine zum Beispiel oder in der Dienstleistung eine neue IT-Infrastruktur für einen weiteren Mitarbeiter."

Wie also wird das Jahr 2013?


Die IHK geht von einer "deutlichen Verlangsamung der konjunkturellen Dynamik zumindest im ersten Halbjahr" in der Region aus, also "von einem schwachen Wachstum bis zur Stagnation", so Matthias Schmitt. Doch die Wirtschaftsstruktur sei "relativ stabil", betont er: "Die Region ist eigentlich sehr gut aufgestellt. Wir haben einen diversifizierten Mittelstand." Auch in den Krisenjahren 2008/09 seien die Erwartungen deutlich in den Keller gegangen, während die aktuelle Geschäftslage "selbst am übelsten Punkt" immer noch als befriedigend bewertet wurde.

Leichte Eintrübung, aber kein Grund zur Panik, lautet die Prognose von Christian Schmitz (DGB): "Ich befürchte, dass wir uns gerade dem globalen und europäischen Trend anpassen, und dass es eine Delle geben wird." Ob es im Sommer zu einer Erholung komme, hänge von der Politik ab: "Sie hat jetzt noch ein halbes Jahr Zeit, zu reagieren."

Natus (VTU) ist eigentlich optimistisch: "Tendenziell würde ich sagen: Pfeil nach oben. Deutschland wird in keine nachhaltige Rezession kommen, sondern vielleicht ein, zwei Quartale null Wachstum haben und sich dann berappeln. Die Weltwirtschaft wird weiter wachsen. Das gibt irgendwann auch Europa wieder einen Schub." Dass er sich dann doch entscheidet, den Pfeil in die Waagerechte weisen zu lassen, liegt an den Problemen im Euro-Raum.
Extra: Eine Erfolgsgeschichte des Jahres 2012
Den größten Auftrag ihrer über 100-jährigen Firmengeschichte hat die Feluwa Pumpen GmbH in Mürlenbach 2012 in China abgewickelt. Das Auftragsvolumen: 18,2 Millionen Euro. Nach Mexiko hat Feluwa zudem Pumpen für sieben Millionen Euro geliefert. Prinzipiell optimistisch blickten er und seine Kollegen aus dem Wirtschaftszweig Pumpentechnik auch in die Zukunft, so Geschäftsführer Heinz Nägel. Doch stellten sie zugleich fest, dass "die Geschäftspartner durch negative Nachrichten aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor verunsichert" seien. Das beeinflusse auch deren Investitionsentscheidungen. Feluwas internationale Geschäfte blie ben aber im Großen und Ganzen von der Finanzkrise verschont, da es sich bei den Spezialpumpen um Nischenprodukte für den Sektor Energieerzeugung handele. Die Auftragslage für das nächste Jahr sei "äußerst zufriedenstellend", so Nägel. Zum Jahreswechsel zieht sich der 67-Jährige aus gesundheitlichen Gründen aus der Unternehmensführung zurück.

 




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