Autor: Von unserem Redakteur Jörg PistoriusOrt: NürburgringDruckenE-Mail
Rock am Ring Tagebuch: Rammstein brennen die Eifel ab - und verärgern die Fernsehzuschauer
Sonntag, kurz vor halb elf. Die in den zur Center Stage ausgerichteten Flächen wartenden Fans haben vier Tage Ring in den Knochen, und am letzten Tag kommt auch der vertraute Regen. Durchnässt und erschöpft harren sie aus, denn den letzten Auftritt im Programm des 25-Jahre-Rock-am-Ring-Geburtstagsfestivals will keiner verpassen. Rammstein kommt.
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Alles an der 1994 in Berlin gegründeten Band ist Skandal und Provokation. Die Texte. Die Bühnenshow. Till Lindemanns rollendes Teutonen-R. Er scheint gelegentlich auch nette Momente zu kennen, immerhin bekam der Sänger der Trierer Band Project 54 laut eigener Aussage backstage ein Foto mit Herrn Lindemann. "Aber schnell", soll dieser gegrollt haben.
Skandal und Provokation sind schön und gut, aber auf der Bühne braucht eine Band andere Qualitäten. Rammstein hat sie. Es ist unglaublich, wieviel Energie die Band noch einmal in den Fans (die meisten dürften mittlerweile von einer heißen Dusche und ihrem Bett träumen) freisetzen kann. Stirb nicht vor mir, Amerika, Du hast, Haifisch und Ich tu dir weh (die Sado-Maso-Hymne, die mit zur Indizierung des aktuellen Albums Liebe ist für alle da wegen Gewaltverherrlichung geführt hat, weswegen der Song entschärft werden musste) - der Ring tobt, die Eifel brennt.
Das Warten auf Rammstein hat sich gelohnt. Die Bühnenshow ist die aufwändigste des gesamten Fesivals, die Center Stage wird zum Inferno. Doch während der Ring Rammstein feiert, gehen die Daheimgebliebenen auf die Barrikaden. In Foren, Blogs und auf Twitter wüten enttäuschte Fans, weil der Musiksender MTV und der digital-Kanal Eins plus zwar so ziemlich alles, was am Ring geschehen ist, übertragen - nur Rammstein nicht.
Das ist nicht weiter verwunderlich. Das Rammstein-Management ist für seine extremen Ansichten bekannt, wenn es um Fotos und bewegte Bilder geht. Extrem-Auflagen für Fotografen, die anschließend der Band ihre Bilder auch noch zur freien Verfügung überlassen sollten, haben schon für gewaltigen Wirbel gesorgt. Wenn es um Live-Aufzeichungen geht, ist Rammstein offebar ebenso penibel.
Erst spät in der Nacht meldet MTV nach einem stundenlangen Eiertanz, jetzt doch fünf von der Band ausgewählte Songs zeigen zu dürfen. Die Fans vor Ort erlebten dagegen eine der besten Shows in der Geschichte des Rings.
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