Was früher die Schweden waren, sind heute Familien aus allen Ecken der Stadt und des Umlands. Doch im Gegensatz zu den Schweden sind sie erfolgreich und nehmen die Festung jeden Tag aufs Neue ein.
Dieser Belagerung hilflos ausgeliefert sind Menschen, die auf südlicher Seite der Peter-Wallenborn-Straße leben wie Monika Schubert. Wenn sie aus ihrem Schlafzimmerfenster schaut, sieht sie die hölzernen Türme der Festung. Und spätestens am Nachmittag hört sie den dazu gehörenden Lärm.
"Von fünf bis sieben Uhr ist es am schlimmsten", sagt sie. Und das fast jeden Tag. Sie habe nichts gegen den Spielplatz an sich, betont Monika Schubert. Doch es gibt drei Dinge, die erst in der Summe zum Problem werden: Der Spielplatz ist sehr schön, sehr groß - und sehr nah.
Das findet auch Susanne Hoff, Nachbarin der Schuberts und als solche gezwungenermaßen auch Nachbarin der Gäßestrepper. Sie sehr sei überrascht gewesen, als im Mai mit dem Bau der Anlage begonnen wurde. "Wir sind ja bis dahin davon ausgegangen, dass hier einzelne Spielelemente in die Landschaft gesetzt werden", sagt sie. Aber doch keine riesige Festung.
Für die Familien Schubert und Hoff ist es nicht nachvollziehbar, warum hinter ihren Grundstücken ein Spielplatz liegt, der eigentlich für die davon weiter entfernten Baugebiete Schleifmühle I und II konzipiert wurde. Das heißt, nachvollziehen können sie es schon: Denn wer kauft schon gerne ein Grundstück in einem Neubaugebiet, das unmittelbar neben einem hoch frequentierten Spielplatz liegt? Vor allem dann, wenn dieser zudem von Kindertagesstätten - auch außerhalb der Stadt - regelmäßig besucht wird und darüber hinaus mittlerweile Austragungsort von Kindergeburtstagen ist? Zwar sei die Stadt bemüht, die Situation erträglicher zu gestalten (siehe Extra), doch ändere das nichts an dem eigentlichen Problem.
"Wir kennen das Problem, und wir können die Leute auch verstehen", sagt Werner Krämer von der Stadtverwaltung. "Doch leider gibt es dafür keine Patentlösung." Der Spielplatz sei nun mal sehr attraktiv und werde deshalb auch entsprechend viel genutzt. Das stimmt, aber Susanne Hoff wüsste da eine Lösung: die Anlage wieder abbauen und dort errichten, wo sie keinen stört.
Weil der neue Spielplatz nicht Kinder lockt, sondern abends auch beliebter Treffpunkt für Jugendliche ist, hat die Stadt mittlerweile einen Sicherheitsdienst mit der nächtlichen Kontrolle der Anlage beauftragt. Zudem gibt es Überlegungen, den städtischen Kindertagesstätten den Besuch des Spielplatzes zu untersagen. Zwar dürfte sich die Lage in den Wintermonaten etwas entspannen, doch stellt sich für die Stadt und vor allem für die Anwohner ein weiteres Problem. Denn im Umfeld der Anlage gibt es keine öffentliche Toilette, weshalb auch Hecken und Sträucher zwischen Spielplatz und Peter-Wallenborn-Straße stark frequentiert werden. (uhe)
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