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Alter Schatz, neuer Rundweg - Stadt Bitburg will ihr römisches Erbe aufpolieren

(Bitburg) Ein Doktorand aus Bayern erforscht derzeit noch die Details, die Stadt nimmt bereits die Finanzierung in Angriff: Der römische Rundweg soll neu gestaltet werden. Die Kosten für das Projekt werden auf mehr als 360 000 Euro geschätzt.

28.02.2016
Eileen Blädel
Bitburg. In Bitburg liegt das kulturelle Erbe vor der Haustür. Mauerreste lassen den Verlauf des einstigen Kastells erkennen und erinnern an die römische Vergangenheit der Stadt.
In Form des römischen Rundwegs wurden 1995 die damaligen Erkenntnisse erfahrbar gemacht - auf Grundlage der Forschungen des Landesmuseums Trier und mit finanzieller Unterstützung der Bitburger Brauerei. Besuchern der Stadt, die sich auf den etwa einen Kilometer langen Spaziergang begeben, soll an verschiedenen Stationen vermittelt werden, was längst Fakt ist: Das Kastell aus dem 4. Jahrhundert gehört zu den am besten erhaltenen spätantiken Befestigungsanlagen nördlich der Alpen.

Zuschuss beantragt


Doch schon vor Jahren wurde Kritik laut: an den mittlerweile veralteten Informationen, ganz fehlenden Schildern, gut versteckten statt schön präsentierten Stationen (der TV berichtete). Und nun? Soll ein ganz neues Konzept her. Die Stadt will in ihr Erbe investieren - und schätzt die Kosten für eine Neugestaltung des Rundwegs auf etwas mehr als 360 000 Euro. Zumindest wird damit im Haushalt für das Jahr 2018 geplant. Allerdings nur, wenn dann 70 Prozent des Geldes von der EU kommen: Die Stadt ist in diesen Tagen dabei, die Zuschüsse zu beantragen. "Der römische Rundweg ist eines der Projekte, die wir für das Leader-Programm ausgewählt haben", sagt Joachim Kandels. Von der Förderung hänge es jedoch auch ab, sagt der Bürgermeister.
Mit der Frage, wie der Rundweg dann attraktiver gestaltet werden kann, beschäftigt sich auch ein junger Mann aus Augsburg, der an der Universität München promoviert und eigens dafür in die Eifel gekommen ist: Ferdinand Heimerl schreibt seine Doktorarbeit über die Historie der Stadtmauer sowie die jüngsten Grabungsfunde und stützt sich dabei auch auf die Arbeit von Marcus Thiel, Grabungsleiter des Landesmuseums Trier.
In drei Jahren Forschung will Heimerl nun die Geschichte Bitburgs aufarbeiten (der TV berichtete). "Er will die Frage beantworten, wann Vicus Beda zerstört und das Kastell erbaut wurde", erzählt Thiel. In etwa weiß man das zwar (siehe Extra), aber "für die reine Wissenschaft sind die Feinheiten von enormer Bedeutung".
Und auch für Bitburg und den römischen Rundweg. Denn Heimerl und Thiel entwickeln gemeinsam Ideen, die in das neue Konzept einfließen sollen: An der Beschilderung soll gearbeitet werden, neue Info-Blätter soll es geben, und vielleicht auch einen 3D-Videofilm, der die Kastellanlage zeigt, wie Thiel erzählt.

Start womöglich 2018


Läuft das alles wie geplant, spielt der Rundweg dann bei der Sanierung der Fußgängerzone eine Rolle - spätestens eben 2018, wenn die Arbeiten auch an jenen Punkten angelangt sind, die die Fläche des Römerkastells berühren. "Wenn der Petersplatz und die obere Hauptstraße an der Reihe sind, taucht etwa auch die Frage auf, wie wir das Stadttor im Pflaster darstellen", sagt Stadtpressesprecher Werner Krämer. Der Rundbogen dort decke sich nämlich gar nicht mehr mit dem heutigen Erkenntnisstand: "Wir wissen, dass er eckig war."
Und dann ist da noch die Sache mit Turm M, der sich beim Pferdemarkt befindet: An der Stelle setzt eine mittelalterliche Mauer am Kastell an. In die Sanierung hat die Stadt bereits 180 000 Euro gesteckt. Besucher sollen künftig auch den Weg dorthin besser finden: Immerhin handelt es sich um eine weitere Etappe in der Geschichte der Stadt, die nicht vergessen werden soll.
Extra
Einst war Bitburg die erste Raststation auf der römischen Fernstraße zwischen Trier und Köln. Damals, im Jahre 10 nach Christus, hieß das Straßendorf noch Vicus Beda. Es entwickelte sich zu einem Ort mit Tempel, Theater und Therme - ein Ort also, an dem richtig was los war. Bis die Germanen 275 nach Christus, so nimmt man an, den Ort überfielen und zerstörten. Unter Kaiser Konstantin wurde er dann wegen seiner strategischen Bedeutung befestigt. Etwa zwischen 310 und 340 - auch eine Zahl, die Ferdinand Heimerl genauer einkreisen will - entstand das wehrhafte Kastell: eine 3,80 Meter starke Mauer, mit 13 Rundtürmen und zwei Toren. Was von ihm übrig ist, ist heute auf dem römischen Rundweg zu betrachten. eib
Extra
Manfred Bobek (76) aus Bitburg-Mötsch denkt, dass eine Sanierung mehr Besucher anlockt: "Das würde vor allem den Touristen zugute kommen." Hildegard Derneden (77) aus Bitburg kann sich bessere Verwendungsmöglichkeiten für das Geld vorstellen: "Die Instandhaltung der Fußgängerzone ist wichtiger." Reinhold Schoden (57) aus Bitburg ist das historische Erbe wichtig: "Der Rundweg ist ein Kulturgut. Es sollte wie der eigene Augapfel gehütet werden." stef

 

 

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