Schon vor einem Jahr hätten die Bauarbeiten an Turm M, einem Überbleibsel des Römerkastells, beginnen sollen. Während sich Anwohner über die hässliche Dauerbaustelle ärgern, bedauert die Stadt, dass ihre ursprünglichen Pläne nicht umsetzbar sind.
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Baustelle bei Turm M: die mittelalterliche Mauer (rechts), das notdürftig geschützte Haus (links) und die Reste des Römerturms (hinten). TV-Foto: Katharina Hammermann
Anno 350 nach Christus. Metallen schimmern ihre Schuppenpanzer, Helme und Kurzschwerter in der untergehenden Sonne, während sie wachsam ins Weite schauen. Ihre Aufgabe ist es, Beda vor den Germanen zu schützen. Und von wo aus ließe sich das besser tun als von einem der 13 runden Wachtürme, die in die mächtige Mauer des Römerkastells eingelassen sind?
Anno 2010, gleicher Ort. Hinter Bauzäunen bröckeln notdürftig mit Plastikfolien überspannte Mauern vor sich hin. Viel ist passiert in den letzten 1650 Jahren. Und doch zu wenig. Denn eigentlich sollten "Turm M" und die daran ansetzende mittelalterliche Stadtmauer längst Teil der Sehenswürdigkeiten Bitburgs geworden sein (der TV berichtete): Vor zwei Jahren hatte die Stadt entschieden, den Römerturm bis in eine Höhe von rund fünf Metern zu rekonstruieren. Ziel ist es, eine neue Passage zwischen Schrodengasse, Pferdemarkt und dem Hinterhof des Farbenhauses Weber zu schaffen, die an Mauer und Turm vorbeiführt und auch an einem neuen Ausstellungsraum, in dem die Römergruppe "Milites Bedenses" ihre Rüstungen ausstellt. Doch bisher stößt man dort bloß auf eine Baustelle.
Die Sicht der Stadt: Der Baubeginn hat sich um ein Jahr verzögert, unter anderem, weil die Abstimmung mit dem Landesmuseum länger gedauert hat, als gedacht. Und die Planungen sind auch nicht mehr das, was sie mal waren. Denn: "Es wird um jeden Quadratzentimeter gekämpft", sagt Johannes Krewer vom Bitburger Bauamt. M an habe erhebliche Kompromisse schließen müssen.
Zum Beispiel mit Anwohnern, die ihr Auto bisher immer im Hinterhof parken und an den Verkauf ihres Grundstücks die Bedingung geknüpft haben, dass dies künftig auch möglich ist.
Zu diesem Zweck wird nun eine Garage in den eigentlich als Ausstellungsraum gedachten Bau integriert - wodurch natürlich wesentlich weniger Platz für Römerrüstungen vorhanden ist. Ursprünglich sollten zudem zwei Häuser und nicht nur eins abgerissen werden, so dass auch die dahinter liegende Kastellmauer in Szene gesetzt werden kann. Da eine Hausbesitzerin jedoch entschieden hat, nicht zu verkaufen, geht dies nun nicht. Auch kann der "neue" Turm nicht so rund werden wie geplant, weil laut Krewer eine andere Anwohnerin sonst mit ihrem Auto nicht mehr gut drum herum käme. "Wir hatten uns das alles anders vorgestellt", sagt Krewer, der hofft, dass die Bauarbeiten nun im August beginnen und im Herbst abgeschlossen sind.
Die Sicht der Nachbarn: Doch den Nachbarn von Turm M, die der Planung an sich positiv gegenüberstehen, geht es ähnlich. Hans und Marlene Weber ärgern sich, nun schon ein Jahr länger als geplant eine hässliche Baustelle hinter ihrem Haus zu haben.
Die Webers können ihr Haus zudem nicht fertig dämmen, bevor die schweren Baumaschinen nicht durch ihre Einfahrt gerollt sind. Zudem kritisieren sie, dass die Stadt die Mauern nicht gut genug absichere. Erst neulich sei ein Teil der römischen Mauer, auf der regelmäßig Kinder spielten, eingestürzt. Auch ihre Nachbarin sei nicht froh mit der Situation. Denn seit dem Abriss des Nachbarhauses ist die Seitenwand ihres Hauses mit hässlichen Plastikfolien gegen Regen geschützt, die, wenn der Wind darunterweht, zudem Lärm machen.
Und so wurde der Turm nach 1650 Jahren erneut ein umkämpfter Ort.
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