region/bitburg
08.11.2017
Nicolaj Meyer

Bürgerdialog in Bitburg fällt aus: Nicht genug Angst für "Vernetzte Sicherheit"?

(Bitburg) Bürgerdialog fällt aus, weil niemand kommt. Veranstalter und Stadt hadern zwischen Frust und Optimismus.

Der Ton stimmt, auch das Licht. Apfelschorle, Wasser und Cola stehen am Montagabend bereit. Und viele Stühle. Doch warten nur drei Männer im leeren Haus der Jugend und sind ratlos über jene Leere. Interessiert sich in Bitburg etwa niemand für Sicherheit in Zeiten, in denen Terror allwöchentlich die Nachrichten dominiert?

Das fragen sich Joachim Kandels, Bürgermeister der Stadt Bitburg, Hans-Jürgen Riemann, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bitburg und Thomas Franke, Leiter des Forums Vernetzte Sicherheit. "Die Veranstaltung findet nicht statt, vor leeren Rängen braucht man nicht über Sicherheit sprechen", sagt der hochgewachsene Franke gegen 19.10 Uhr. Mit seinem Programm über Gefahrenspektren oder die Auswirkungen des deutschen außenpolitischen Engagements auf die innere Sicherheit (der TV kündigte die Veranstaltung am 27. Oktober an) zieht er durch ganz Deutschland und möchte die Bürger darüber in Dialog bringen. Das klappe manchmal gut und manchmal weniger, doch heute sei eine große Enttäuschung. Wie interpretieren Kandels und Co. den Abend?

Joachim Kandels sagt: "Bitburg ist kein unsicherer Ort. Beim Folklorefest haben wir dennoch mit erhöhten Sicherheitsmaßnahmen reagiert. An Halloween haben wir es wiederum gelassen."

Franke bringt ein: Laut einer Studie der R+V Versicherung hätten 70 Prozent der Bevölkerung Angst vor Terrorismus. "Ich bin enttäuscht von der Diskrepanz zwischen Angst und der Bereitschaft, Fakten annehmen zu wollen", sagt er. Ob es an dieser Bereitschaft mangelt oder nur keiner von der Veranstaltung wusste, bleibt am Montagabend umstritten. Riemann von der Polizei Bitburg zeigt sich trotz des Ausfalls nicht unglücklich: "Ich sehe das auch positiv, weil die Angst wohl doch eher gering ist."

Wie sehen das die Bürger? Irene Birkel aus Idesheim sagt am Dienstag: "Ich habe davon gar nichts mitbekommen. Der Montagabend würde mir aber auch nicht passen, so unter der Woche." Christine Büttner sieht es so: "Man fühlt sich in Bitburg eben nicht besonders unsicher." Auch sie habe nichts von der Veranstaltung gewusst, wäre aber auch nicht hingegangen. Ein älteres Pärchen, das namentlich nicht genannt werden möchte, wusste zwar davon, fand den Titel "Vernetzte Sicherheit" aber so unkonkret, dass es nichts damit anfangen konnte. Angst sei aber durchaus ein Thema: Vom Gasthaus Eifelbräu zur Stockstraße nähme die Dame bewusst immer ein Taxi. Und was sagt die Polizei über Gefahren? Zumindest Gewaltstraftaten nähmen nicht zu. Dafür aber Betrugsfälle, lässt Riemann wissen.

Fazit der TV-Umfrage: Angst ist individuell, über eine bessere Bewerbung, etwa in Kooperation mit Vereinen, hätte die Veranstaltung nach Meinung einiger Bürger erfolgreicher verlaufen können - in dem Fall: überhaupt stattfinden können.