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Damit Kinder nicht durchs Netz fallen

(Bitburg) Einstimmig hat der Stadtrat auf Antrag der Grünen beschlossen, die Schulsozialarbeit an den Bitburger Grundschulen auszubauen.

07.10.2017
Bitburg (scho) Der Vater trinkt, die Mutter ist verzweifelt, das Kind sitzt zwischen allen Stühlen - auch in der Schule. Nicht weniger intelligent als andere, kommt es dennoch nicht mit. Für die Lehrer ist es nicht möglich, sich um solche Einzelschicksale zu kümmern - auch dann nicht, wenn sie weitaus weniger dramatisch sind als dieses. Lehrer sollen Stoff vermitteln. Für die ganze Klasse. Und das allein ist bei unterschiedlichen Lernvoraussetzungen und Begabungen der Schützlinge schon schwer genug. Ohne Schulsozialarbeiter fallen Jungen und Mädchen, bei denen nicht alles so optimal läuft, schon im Grundschulalter erst auf, dann durch. Ob Lernschwierigkeiten oder Streit mit Mitschülern: Schulsozialarbeiter helfen da, wo Kinder Unterstützung brauchen.

Seit 2012 gibt es deshalb - zunächst vom Bund finanziert - eine halbe Stelle in Bitburg. Seit 2014 teilen sich der Eifelkreis und die Stadt die Kosten von 30 000 Euro im Jahr. "Diese Arbeit ist bedeutend für die Lösung von Problemen, die durch die Lehrerschaft nicht mehr aufgefangen werden können." So steht es in der Beschlussvorlage, über die der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung zu beraten hatte. Vorschlag der Verwaltung: die 0,5-Prozent-Stelle für Schulsozialarbeit auf 0,6 Prozent aufstocken. Das ging den Grünen aber nicht weit genug. "Die Stadt müsste eine ganze Stelle finanzieren", forderte Bernd May. Bisher gebe es eine öffentlich finanzierte Schulsozialarbeit nur an der Grundschule Süd: "Aber natürlich gibt es auch an der Grundschule Nord Bedarf." Dort sorgt derzeit der Förderverein für Unterstützung. Für die Grünen ist hier aber die Stadt gefragt.

Deshalb haben sie in der Sitzung beantragt, die Schulsozialarbeit in Bitburg auf eine ganze Stelle auszuweiten - je hälftig für die Grundschule Nord und die Grundschule Süd. "Je mehr schon in diesem Alter präventiv gearbeitet werden kann, desto besser sind die Aussichten der Kinder, wenn sie weiterführende Schulen besuchen", argumentierte Bernd May (Grüne), der selbst als Lehrer unterrichtet.

Einstimmig hat der Stadtrat dem Antrag der Grünen zugestimmt. Für Bürgermeister Joachim Kandels "ein gutes Signal". Wie es sich mit den Kosten verhält, soll nun geklärt werden. "Zurzeit ist die Verwaltung mit allen Beteiligten - wie dem Kreis, dem DRK, dem Förderverein Grundschule Nord und der Nikolaus-Koch-Stiftung - in Gesprächen, wie die Finanzierung der 60 000 Euro im Jahr gelingen kann. Entsprechende Kosten, die die Stadt tragen muss, sollen im Haushalt 2018 veranschlagt werden.

Die Mitglieder des Stadtrats waren sich nur einig, dass auch in Bitburg mehr Sozialarbeit an Grundschulen gebraucht wird. Sondern auch in einem weiteren Punkt, den Inge Solchenbach (FBL) ansprach, ist man einer Meinung: "Es geht nicht darum, dass das wichtig ist. Es ist wichtig. Aber diese Aufgabe ist eine von vielen, die einfach auf die Kommunen abgewälzt wird. Das müssen wir kritisieren. Das geht so auf Dauer nicht weiter."

Die Arbeit und Themen einer Schulsozialarbeiterin stellen wir nach den Ferien in einem folgenden Artikel vor.