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Der Kampf um die großen Kisten

Hohe Textilpreise führen zu mehrKonkurrenz auf dem Altkleidermarkt - Nicht alle Container sind dabei legal

(Bitburg-Prüm) Rund 180 Altkleidercontainer hat das Rote Kreuz Bitburg-Prüm im Eifelkreis aufgestellt. Doch das DRK ist längst nicht mehr der einzige Sammler ausgemusterter Hosen und Pullover. Grund sind die derzeit hohen Preise für recycelte Textilien, die dafür sorgen, dass immer mehr neue Unternehmen auf dem Markt auftauchen.

16.02.2014
Uwe Hentschel
Bitburg-Prüm.Wer demnächst damit beginnt, im Zuge des Frühjahrsputzes seinen Kleiderschrank auszumisten, sollte wissen, dass die Wahl des falschen Altkleidercontainers das Ende der möglicherweise noch gut erhaltenen Hose oder Jacke bedeuten könnte. Denn viele Kleidungsstücke, die in Containern landen, werden erst geschreddert, um dann später vielleicht als Türdämmung in der Automobilbranche zu enden. Es sei denn, die Altkleider landen in seriösen Recyclingbetrieben, wo zunächst die noch brauchbaren Textilien raussortiert werden und dann je nach Zustand entweder in Kleiderkammern und Second-Hand-Läden landen oder aber in ärmere Länder exportiert werden.
Diese Verwertungskette, an der viele Menschen beteiligt sind, lässt darauf schließen, dass sich damit Geld verdienen lässt. Bis zu 500 Euro werden derzeit in der Recyclingbranche pro Tonne gebrauchter Textilien bezahlt. Was auch der Grund ist, warum immer mehr Container aufgestellt werden. Gab es bis vor einigen Jahren im Kreisgebiet noch fast ausschließlich Behälter des Roten Kreuzes, so wird der Markt mittlerweile unter zahlreichen Mitbewerbern aufgeteilt.

Nichts ohne Genehmigung


Um einen Container aufstellen zu dürfen, benötigt der Sammler jedoch nicht nur die Zustimmung des Grundstücksbesitzers, sondern seit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes im Juni 2012 auch die Genehmigung der Kreisverwaltung. Und wie die Behörde des Eifelkreises auf TV-Anfrage mitteilt, wurden seit 2012 insgesamt zehn verschiedenen Anbieter Genehmigungen erteilt, ihre Container aufzustellen. Neun dieser Organisationen sind gewerblich, nur eine einzige ist gemeinnützig, nämlich das DRK. Wobei auch dort das Finanzielle eine Rolle spielt.
"Natürlich verdienen auch wir damit Geld", sagt DRK-Geschäftsführer Rainer Hoffmann. "Aber bei uns bleibt die Wertschöpfung wenigstens in der Region." So würden die Einnahmen satzungsgemäß in soziale Arbeiten wie beispielsweise die Ausbildung der ehrenamtlichen Rotkreuzhelfer fließen.
Knapp 180 Container hat das Rote Kreuz derzeit im Kreisgebiet aufgestellt. 23 stehen davon in Bitburg, die restlichen Blechkästen verteilen sich auf knapp 80 weitere Gemeinden. Rund 550 Tonnen Altkleider kommen laut Hoffmann jedes Jahr in den Containern, den beiden Kleiderläden in Bitburg und Prüm sowie über die zweimal jährlich veranstalteten Straßensammlungen zusammen. "Wir können diese Menge nicht über unsere Kleiderkammern sortieren", erklärt der DRK-Chef, weshalb der größte Teil der Menge an ein Recyclingunternehmen verkauft werde. Dort würden dann die noch brauchbaren Textilien aussortiert und der Rest weiterverarbeitet.
Dass es Konkurrenten gebe, müsse er akzeptieren, sagt Hoffmann. Was ihn aber ärgere, sei die Tatsache, dass immer wieder auch nicht genehmigte Container einfach aufgestellt würden (siehe Extra). Zudem habe das Rote Kreuz bereits Altkleider gesammelt, als es sich wirtschaftlich noch nicht gelohnt habe. "Jetzt, wo es sich rechnet, kommen andere und grasen den Markt ab", fügt er hinzu. Im Gegensatz zum DRK bietet die gewerbliche Konkurrenz für das Aufstellen der Container oft Stellplatzmieten an - was die Entscheidung der Grundstücksbesitzer nicht selten beeinflusst.
Um die Gemeinden für die Sorgen des DRK-Kreisverbands zu sensibilisieren, hat sich Hoffmann deshalb kürzlich mit einem Brief an die Ortsbürgermeister gewandt. "Geben Sie rein gewinnorientierten Firmen und Unternehmen ohne gemeinnützigen Hintergrund keine Möglichkeit, auf gemeindeeigenem Grund Sammelcontainer aufzustellen - auch wenn ein kleiner Mietzins verlockend scheint", heißt es abschließend in dem sechsseitigen Informationsschreiben.
Auch die Gemeinde Baustert gehört zu den Empfängern - nachdem sie bereits Ende 2013 die Container des DRK abholen ließ, um die Fläche einem anderen Anbieter zur Verfügung zu stellen. Es seien in den vergangenen Jahren mehrere Anfragen von Firmen bei ihm eingegangen, erklärt Bausterts Ortsbürgermeister Udo Brück. Schließlich habe die Gemeinde dann einem Unternehmen aus Polch, das eine ordnungsgemäße Entsorgung vertraglich zugesichert habe, den Auftrag, vorerst für ein Jahr, erteilt.
Zwei Container hat die Firma aufgestellt, und für jeden dieser Behälter gibt es laut Brück pro Monat 15 Euro Miete. Unterm Strich also jährlich 360 Euro. Vorher gab es nichts. "Natürlich bleibt beim DRK das Geld in der Region, und wir unterstützen das Rote Kreuz auch weiterhin", sagt der Ortsbürgermeister. "Doch die Miete bleibt direkt in unserer Gemeinde", fügt er hinzu. "Und wir müssen ja auch auf unsere eigene Finanzlage schauen."
Extra
Illegale Container: Seit Inkrafttreten des Kreislaufwirtschaftsgesetzes 2012 hat die Kreisverwaltung insgesamt zehn sammelnden Organisationen Genehmigungen zum Aufstellen von Containern erteilt. Wie viele Container jedoch insgesamt im Kreisgebiet stehen, dazu lägen keine Zahlen vor, teilt die Verwaltung mit. Vor diesem Hintergrund gibt es auch keine Zahlen bezüglich nicht genehmigter Container. Wie DRK-Chef Rainer Hoffmann erklärt, sei er bereits des Öfteren von Gemeinden, zuletzt von Speicher, kontaktiert worden, nachdem dort ohne Absprache mit Gemeinde oder Grundstücksbesitzer Container fremder Organisationen abgestellt worden seien. Die Stadt Bitburg, die laut Verwaltung ihre Flächen lediglich dem Roten Kreuz zur Verfügung stellt, bestätigt einen ähnlichen Fall, in dem der Container nach Aufforderung der Stadt aber umgehend beseitigt worden sei. uhe

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