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Der Krieg, das Wetter und ein Mann

Warum militärische Begriffe in die Meteorologie übernommen wurden

(Hellenthal-Udenbreth) Wie wird das Wetter und was lehrt uns die Geschichte? Das sind zwei Fragen, die den Meteorologen Karsten Brandt umtreiben. Am geschichtsträchtigen Ort, am Weißen Stein in Udenbreth (Kreis Euskirchen), widmet er sich in seiner Wetterstation der Beantwortung beider Fragen.

12.09.2014
Stephan Everling
Hellenthal-Udenbreth. Wenn Karsten Brandt joggt, dann bewegt er sich auf geschichtsträchtigem Boden. Nicht weit von seinem Haus am Weißen Stein in Udenbreth passiert er die Spuren von ehemaligen Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg und vor allem die Höckerlinie des Westwalls. Hier, am höchsten Punkt von Nordrhein-Westfalen, betreibt Brandt die Station seines Wetterdienstes "Donnerwetter".
Auf den ersten Blick zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben, doch der Meteorologe beweist am heutigen Samstag, 13. September, wie viel Wetterkunde und Weltkriege miteinander zu tun haben. Neben seinem Doktor in Meteorologie hat Brandt auch Geschichte im Nebenfach studiert, so dass die geschichtlichen Zusammenhänge bei ihm auf fruchtbaren Boden gefallen sind. "Es gibt vieles in der Meteorologie, das noch nicht aufgearbeitet worden ist", stellt Brandt fest. So ist noch niemand wissenschaftlich der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die Wettervorhersage auf den Ausgang der verschiedenen Kriege gehabt hat.
Zwei treffende Beispiele hat Brandt parat: "Der D-Day, die Invasion der Alliierten in der Normandie 1944, war nur möglich, da die deutschen Meteorologen ein Zwischenhoch über dem Atlantik nicht erkannt hatten." Russische Wetterdaten hätten sie entschlüsselt, doch an der Westfront fehlten zuverlässige Informationen. So blieb den Deutschen verborgen, dass das Wetter kurzfristig einen Angriff über den Ärmelkanal möglich machte.
Der Aufhänger der Führung über den Weißen Stein ist aber der Brite Lewis Fry Richardson, der im Ersten Weltkrieg die automatisierte Wettervorhersage begründete. "Damals war das noch nicht praktikabel, doch wir erstellen unsere Vorhersagen immer noch nach seinen Methoden", erzählt Brandt. Richardson entwickelte ein Modell, in dem die Luftdruckunterschiede in verschiedenen Gebieten berechnet werden. Er stellte sich eine Halle vor, in der sehr viele Menschen sitzen und diese Aufgabe übernehmen sollten, die er in seinen Schriften bereits "Computer" nannte. "Richardsons Thesen waren nicht praktikabel, da er die Entwicklung der Luftdrucke zu hoch eingeschätzt hat", berichtet Brandt weiter. Doch die automatisierte Wettervorhersage arbeitet noch heute nach den gleichen Prinzipien.
In der Zeit des Ersten Weltkrieges entwickelte sich die noch heute gebräuchliche Sprache der Wettervorhersage. "Wenn von Fronten die Rede ist, die auf ein Gebiet übergreifen, stammt das aus dem militärischen Sprachgebrauch", erläutert Brandt. Er nimmt seine Gäste gern mit auf eine Zeitreise in die Umgebung des Weißen Steins. Kenntnisreich erläutert er die Überreste von Erdbunkern oder erzählt die Geschichte der Betonhöcker linie, die bei ihrem Bau 1938 eine Zementknappheit im Deutschen Reich verursachten. Zum Abschluss werden die Schanzenanlagen besichtigt, die im Tal zwischen Udenbreth und Brandts Wetterstation in der Spätphase des Zweiten Weltkrieges von Hitlerjungen und Jungschar angelegt wurden.

Führungen "Wetterkunde und Weltkriege" am Samstag, 13. September, 15 Uhr, sowie am Samstag, 27. September, 15 Uhr. Start: Wetterstation in Udenbreth. Info: Telefon 0228/9767971.