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Der Tomatenmaler ist zurück

(Bitburg) Eine integrative Künstlergruppe bringt Dirk Klinkhammers 2015 aufgeführtes Musical neu heraus - dieses Mal aber als Hörspiel. Die Requisiten aus dem Vorgängerstück helfen bei der Vertonung.

04.10.2017
Benedikt Laubert
Bitburg Eigentlich ist die Regenbogenpresse gut im Austeilen - heute muss sie aber einstecken. Sieben Männer und Frauen dreschen im Bitburger Haus der Jugend mit Hämmern, Besen und Drahtbürsten auf sie ein. Bitte, was? nun ja, das lässt sich erklären: Die Regenbogen-Presse, so nennt die Gruppe ein silbern und golden besprühtes Requisit aus Pappe und Metall, das sehr technisch und sehr wichtig aussieht (siehe Bild). Es stammt aus Dirk Klinkhammers Musical "Der Tomatenmaler", in dem bereits einige aus der Gruppe vor zwei Jahren mitgespielt haben. In dem Stück nutzt eine böse Kreatur die Regenbogenpresse, um unendlich viel Energie aus dem Regenbogen zu pressen.
Heute erfüllt die Regenbogenpresse einen anderen Zweck. Die Männer und Frauen produzieren eine Neuauflage des Musicals - dieses Mal wird es aber kein Bühnenstück, sondern ein Hörspiel. Diana Heine, die Einzige, die keinen Lärm macht, hält ein schwarzes Aufnahmegerät über die Regenbogenpresse, um die unterschiedlichen Klopfgeräusche einzufangen. Die 23-Jährige ist im Haus der Jugend für den Bereich Integration zuständig und leitet das Hörspiel-Projekt. Mit mehreren Gruppen behinderter und nicht behinderter Künstler nimmt sie die Sprechertexte auf, dokumentiert das Projekt mit Fotos - oder nimmt, wie heute, die Geräusche auf, die die erzählte Geschichte untermalen.
Heine ruft den Geräuschemachern zu: "Und jetzt noch mal leise bauen!" Im Hörspiel, das kommenden Frühling fertig sein soll, wird das Klopfen einmal als Baustellengeräusch im Lande Gran Coloria zu hören sein. Es ist ein trostloses Land, in das der Held Tom Colour wandert: Der fiese Abbeizer Azeton hat es fest in seinem Griff; mit seiner Kunstabzugshaube entzieht der dem Land alle Farben und mit dem Taubsauger alle Klänge. Tom Colour, der einmal professioneller Tomatenmaler werden will, bringt den Menschen in Gran Coloria nicht nur ihre Lebensfreude zurück - er rettet auch die Prinzessin Gloriosa Colorata Melodia la Prima aus dem Griff des Bösen. Das Publikum des Hörspiels wird natürlich nichts sehen - deshalb hat Heine einige Textstellen mithilfe des Autors Dirk Klinkhammer so angepasst, dass stattdessen umso deutlichere Bilder vor dem geistigen Auge des Publikums entstehen. Inzwischen ruhen die Hämmer und Bürsten im Haus der Jugend - trotzdem ist es laut. Nina Mandernach drückt ihr Ohr gegen einen Lautsprecher, den Heine auf der Bar im Raum hat. Dieses Mal kommen die Klopfgeräusche aus der Box. Mandernachs Mine hellt sich auf - "toll", sagt sie mit Inbrunst. Die anderen, die sich um den Lautsprecher versammelt haben, stimmen ihr zu. Später nehmen die Künstler ihr Stampfen und andere Geräusche für das Hörspiel auf; die Stimmung schwankt dabei zwischen ausgelassenem Blödeln und konzentrierter Arbeit. Am Rande der Probe sagt Heine: "Bei dem Projekt entdecken die Jugendlichen und Erwachsenen viele Stärken, die sie so noch nicht kannten."
Ein Teilnehmer etwa habe seine fotografischen Fähigkeiten kennengelernt, ein anderer sei gerade dabei, ein weiteres Musical zu schreiben, dessen Aufführung er für 2020 plant. Kommendes Frühjahr soll das Musical fertig aufgenommen und geschnitten sein. Ob es dann alle hören dürfen oder ob es nur für die Teilnehmer und Angehörigen gedacht ist, steht noch nicht fest.