In einer Grenzregion wie der Eifel ist die andere Seite immer nah. So hat Kurator Albert Hettinger für die Skulpturenausstellung "Die andere Seite", die heute im Haus Beda in Bitburg eröffnet wird, vor allem Künstler aus der Grenzregion zusammengetrommelt. Eine Ausstellung, die mit den Grenzen der eigenen Wahrnehmung spielt.
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Die Installation „Flieger“ von Christoph Dahlhausen spiegelt je nach Standpunkt immer andere Facetten der Umgebung. TV-Fotos (2): Dagmar Schommer
Bitburg. Den Titel für die Skulpturen-Ausstellung hatte Albert Hettinger schnell gefunden: Ihm geht es um die andere Seite. "Das ist bei Skulpturen ja ohnehin naheliegend, da sie, anders als Gemälde, ja dreidimensional im Raum stehen und sich schon allen durch den Standortwechsel des Betrachters ganz verschiedene Perspektiven auftun", sagt Hettinger. Der Bitburger Künstler wurde von der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung mit der Konzeption der Ausstellung beauftragt, mit der am heutigen Freitag die neu gestaltete Gartenanlage von Bitburgs Kulturstätte Haus Beda offiziell eröffnet wird.
Licht, Holz, Stahl und Bronze
Verschiedene Perspektiven zu ermöglichen, Bekanntes neu zu betrachten und eigene Standorte zu hinterfragen, ist das, was Hettinger reizt. Deshalb war es ihm auch ein Anliegen, Künstler aus der gesamten Grenzregion sowie aus ferneren Ländern für die Ausstellung zu gewinnen. "Skulpturen werden erst durch den Standortwechsel vollständig erfahrbar, weshalb die Mobilität des Betrachters notwendig ist", sagt Hettinger. Gezeigt werden Werke aus Stahl, Holz, Stein, Bronze und Lichtinstallationen.
Die Ausstellung "Die andere Seite" wird am heutigen Freitag um 19.30 Uhr eröffnet. Es sprechen der Vorsitzende der Dr.-Hanns-Simon-Stiftung, Michael Dietzsch, Bürgermeister Joachim Kandels und Kurator Albert Hettinger. Zudem gibt es eine Führung durch die Ausstellung mit dem Kunsthistoriker Jörg Jung. Die 13 Künstler, deren Werke gezeigt werden, sind ebenfalls vor Ort.
Extra
Für die Skulpturenausstellung "Die andere Seite" hat Kurator Albert Hettinger aus Bitburg, der sich auch selbst mit eigenen Werken an der Schau beteiligt, folgende Künstler gewonnen: Bodo Korsig (Trier) zeigt "Gedächtnissplitter”, die die Muster chemischer Prozesse im Gehirn des Menschen zeigen, wenn er in Extremsituationen etwa Angst oder Schmerz empfindet. Jan van Munster (Niederlande) fängt die Struktur von Hirnströmen in seinen Lichtskulpturen "Brainwaves" ein. Die Südkoreanerin Hyun Ju Do (Saarbrücken) fordert mit ihrer Weltkarte, bei der Europa am Rand, Asien in der Mitte liegt, zum Perspektivwechsel auf. Jean-Gabriel Coignet (Frankreich) schafft Skulpturen mit klarer Form und gelackter Oberfläche, die das Allgemeingültige festhalten wollen. Christoph Mancke (Lünebach) wie auch die Französin Martine Andernach (Koblenz) spielen bei ihren Metallskulpturen mit Masse und Balance. Den Augenblick eines sich öffnenden Lotusblattes hat der Japaner Morio Nishimura (Düsseldorf) in Bronze gegossen. Die Installation "Flieger" von Christoph Dahlhausen (Bonn) fängt mit ihren Spiegelflächen die Umgebung ein - und verändert sich mit dieser wie auch mit dem Standpunkt des Betrachters. Der "Zinnsoldat von Nicolas Baeyens (Antwerpen) nimmt den martialischen Ernst großer Kriegerdenkmäler aufs Korn. Der "Janus" von Bertrand Ney (Luxemburg) hat die Doppelköpfigkeit zum Thema. Die Isländerin Sigrun Olafsdottir (Saarbrücken) fängt in ihren zerbrechlich wirkenden Metallskulpturen Augenblicke eines Bewegungsablaufs ein. Klaus Schmitt (Mönchengladbach) hat die Bronze-Kraniche von Hanns Scherl in einer Kiste verschwinden lassen und nennt seine Skulptur "Die andere Seite ist innen". Jeder Künstler stellt ein Hauptwerk in der neu gestalteten Gartenanlage von Haus Beda aus. Weitere Skulpturen werden in den Räumen der Neuen Galerie gezeigt. scho
In Aluminium erstarrte Gedanken neben den sich wandelnden Wolken: die Skulptur „Gedächtnissplitter“ von Bodo Korsig an der Wand von Haus Beda.
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