Die Biografie des amerikanischen Piloten, dessen Jagdbomber 1945 bei Bitburg abgeschossen wurde und nun teilweise zum Vorschein kam, liest sich wie ein spannender Roman. Erst Soldat, dann Millionär und zwischendrin eine Schlüsselfigur in der Watergate-Affäre.
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Die Reste eines amerikanischen Jagdbombers aus dem Zweiten Weltkrieg sind im Neubaugebiet Schleifmühle II gefunden worden. TV-Foto: Uwe Hentschel
Bitburg. (uhe) Als der ehemalige US-Präsident Richard Nixon am 9. August 1974 seinen Rücktritt verkündete, tat er das nicht ganz freiwillig. Denn der Republikaner stand unmittelbar vor einer Amtsenthebung, weil er nachweislich in ein gigantisches Konstrukt von Amtsmissbräuchen und kriminellen Machenschaften verwickelt war, der sogenannten Watergate-Affäre.
Benannt ist diese Affäre nach dem Watergate-Gebäudekomplex in Washington, dem Hauptquartier von Nixons Opposition, der Demokratischen Partei. Dort wurden in der Nacht zum 17. Juni 1972 fünf Einbrecher festgenommen, die versucht hatten, Abhörwanzen zu installieren und Dokumente zu fotografieren. Routinemäßig untersuchte das FBI die Finanzen der Festgenommenen und stieß dabei bei einem der Einbrecher auf einen 25 000-Dollar-Scheck, der offenbar zur Finanzierung der kriminellen Machenschaften diente.
Als die Ermittler die Spur des Schecks zurückverfolgten, führte sie der Weg auch zu Kenneth (Ken) H. Dahlberg, Leiter der CRP-Niederlassung in Minnesota. CRP steht für "The Committee to Re-elect the President" (Komitee zur Wiederwahl des Präsidenten). Damit verdichtete sich für die Ermittler das, was von Anfang an vermutet wurde: Die Einbrüche im Watergate-Gebäude standen im unmittelbaren Zusammenhang mit Nixons Wiederwahl. Als Nixon wenige Tage später von seinem Stabschef über die laufenden, geheimen Ermittlungen und den verhängnisvollen 25 000-Dollar-Scheck informiert wurde, fiel zwangsläufig auch der Name Dahlberg. "Who the hell is Ken Dahlberg?", fragte der Präsident. Wer zur Hölle ist Ken Dahlberg? Eine Antwort auf diese Frage hat Horst Weber aus Niederstedem. Er ist derjenige, der die gefundenen Jagdbomber-Wrackteile in Bitburgs Neubaugebiet Schleifmühle II zweifelsfrei identifiziert hat. Es sind die Reste einer Thunderbolt P47-D, die am Mittag des 14. Februars 1945 im Luftraum über Bitburg unterwegs war, dabei von einem deutschen Flugabwehrgeschütz getroffen wurde und infolgedessen schließlich bei Bitburg abstürzte (der TV berichtete).
Der Pilot der Maschine konnte sich mit dem Fallschirm retten. Es ist der heute 92-jährige Amerikaner Kenneth H. Dahlberg, der als Hersteller von Hörgeräten und mehrfacher Unternehmer Millionen verdiente und vor wenigen Jahren eine Biografie veröffentlicht hat. Auszüge dieses Werks finden sich auch auf seiner Internetseite, und darin ist auch von dem Abschuss bei Bitburg zu lesen. Demnach ist Dahlberg nach seiner harten Fallschirmlandung verletzt in Richtung Westen geflüchtet, war Tag und Nacht unterwegs, wurde gefangen genommen, konnte jedoch wieder fliehen, passierte mit einem gestohlenen Fahrzeug alle Wehrmachtskontrollen, bis er schließlich an der letzten gefasst und als Gefangener in die Nähe von München gebracht wurde.
Die Geschichten passen also nicht wirklich zueinander
Die Geschichte ist spannend, deckt sich aber in keiner Weise mit dem, was Weber dazu gesammelt hat. Denn von deutscher Seite sei dieser Vorfall wie alles andere genauestens dokumentiert worden, sagt der Mann aus Niederstedem. Und nach dem Krieg seien die gesamten Protokolle von den Amerikanern in die USA verfrachtet und ins Englische übersetzt worden. Und diese Übersetzungen lagerten jetzt im Nationalarchiv in Washington. Weber hat zahlreiche Kopien der Protokolle, unter anderem auch welche zum Fall Dahlberg. Und dort ist zu lesen, dass der Pilot unmittelbar nach seiner Fallschirmlandung gefangen und der deutschen Luftwaffendienststelle übergeben worden sei. Von dort ging es laut Protokoll dann mit dem Zug zum "Durchgangslager Luft West" in Oberursel bei Frankfurt. Dort sei Dahlberg mehrere Tage verhört worden, bevor er dann ins Gefangenenlager gekommen sei. Von Fluchtversuchen kein Wort.
Die beiden Versionen passen also nicht wirklich zueinander, doch unbestritten ist, dass Dahlberg ein guter Kampfpilot war und zahlreiche Abschüsse deutscher Flugzeuge aufweisen kann. Für jeden dieser Abschüsse wurde ein kleiner Hakenkreuz-Aufkleber auf Dahlbergs Thunderbolt geklebt. Teile davon sind laut Weber auch bei Schleifmühle ausgegraben worden, doch bevor sie in Sicherheit gebracht werden konnten, wurden sie geklaut. Damit jedoch hat Nixon nichts zu tun.
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