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Fischers Fritz fischt in der Sauer nur noch Grundeln

(Bollendorf) Angler sehen die Tier- und Pflanzenwelt der Sauer in Gefahr. Schuld daran seien ein kleiner Fisch und jede Menge Boote.

30.08.2017
Von Christian Altmayer
Nicht mehr als 15 Zentimeter misst eine Schwarzmundgrundel vom Maul bis zur Schwanzflosse. Doch der kleine Fisch sorgt in heimischen Gewässern für große Probleme. Seit Jahren reist er als blinder Passagier im Bugwasser von großen Schiffen mit – einmal den Rhein-Main-Donau-Kanal hinunter bis in die Mosel. Inzwischen hat es der Einwanderer aus dem Osten auch in die Sauer geschafft. 
 
„Seit etwa einem Jahr beißen fast nur noch Grundeln an“, sagt Hans Orth, Vorsitzender des Anglerclubs Bollendorf. So schnell habe sie heimische Arten wie Hasel und Rotauge verdrängt. 
Das liegt nicht zuletzt am Sexleben des Schuppentiers. Während andere Fische sich nur einmal im Jahr paaren, laicht der Neogobius melanostomus dreimal. Die Sauer kann all diese Mäuler nicht stopfen. Aber der Eindringling frisst anderen Kleinfischen nicht nur die Bachflohkrebse weg, sondern auch die eigenen Eier. 
Die Vielfalt im Fluss ist also in Gefahr. Was man dagegen tun kann? „Grundeln angeln, Grundeln angeln, Grundeln angeln“, sagt Orth. Immerhin gilt sie als Speisefisch. 
 
Doch es gibt noch einen weiteren Eindringling, der der Sauer schadet: der Mensch. Zu hunderten fahren Touristen mit Booten über den Fluss. Gerade im Frühsommer, zur Laichzeit der Fische sind sie unterwegs. Die Barbe heftet ihre Eier zwischen Mai und Juli an Kiesbänke. Wenn das Wasser hoch genug ist, bleibt ihr Laich geschützt. Wenn der Pegel aber unter 65 Zentimeter fällt, reichen die Paddel der Kanadier und Kajaks bis auf den Grund des Flusses. 
Hans Orth habe das in Bollendorf schon häufiger beobachtet, sagt er. Der Angler glaubt, die Ruder wühlten die Kiesbänke auf, an denen Jungfische in ihren klebrigen Blasen hängen. Und sie rissen die Wurzeln des flutenden Hahnenfußes heraus. In diesen Wasserpflanzen verstecken sich Rotaugen und andere Jungfische vor Räubern. Heute sehe man die grünen Halme oft leblos auf dem Fluss treiben, sagt Orth. Und er fange nur noch große Barben und Rotaugen. Es fehle der Nachwuchs. Ein Indiz dafür, dass die Population ausstirbt. 
 
Das liegt nicht nur an den Kajaks – „aber sie tragen dazu bei“, vermuten die Angler. Sie fordern deshalb, dass der kommerzielle Bootsverkehr bei Niedrigwasser und in der Laichzeit verboten wird. „Wir Angler dürfen von März bis zum 15. Juni nicht angeln. Vor den Booten gibt es keine Schonzeit“, sagt Orth. 
Doch das soll sich offenbar ändern, wie eine Nachfrage bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD Nord) ergab. „In Rheinland-Pfalz wird eine, mit Luxemburg abgestimmte, Neuregelung angestrebt“, teilt die obere Wasserbehörde mit. Aus der Stellungnahme geht hervor, dass man auch über eine Einschränkung in der Laichzeit nachdenke. Im Augenblick sei der Bootsverkehr hingegen vom 16. Juli bis zum 30. September verboten. Gutachter empfehlen aber eine Schonzeit von Mai bis Juli. Wann es zu einer Entscheidung kommt und wann sie inkrafttritt, sei wegen der Abstimmung mit den Behörden in Luxemburg nicht vorhersehbar. 
 
Auch im Augenblick sieht man noch Kajaks auf der Sauer, obwohl das nach Angaben der SGD Nord längst verboten sein müsste. Das liegt nicht nur daran, dass es keine „wirksamen Kontrollen“ der Sperrfrist gebe. Wie die Behörde mitteilt, hat ein Anbieter eine Ausnahmegenehmigung. Es handelt sich um die Firma Outdoor Centre aus Wallendorf. Der Verleiher darf, sofern der Pegelstand nicht niedriger als 50 Zentimer ist, bis zu 200 Boote am Tag über die Sauer schicken. Mit der Neuregelung könnte sich das ändern. Die Ausnahmeregelung wurde im Jahr 1997 von der Bezirksregierung Trier erteilt. Aus welchen Gründen, kann uns bei der SGD Nord niemand sagen. 
 
Tourismus 
braucht Regeln 
 
Was die Grundel nicht wegfrisst, zerstören Boote. Mit dem Fisch werden Mensch und Tier wohl leben müssen. Aber gegen die vielen Kajaks kann man was tun: den Verkehr in der Laichzeit verbieten. Denn er zerstört langfristig das Ökoystem der Sauer und damit die Grundlage des Tourismus. Wer will schon auf einem toten Fluss Kanu fahren? Erfreulich, dass Luxemburg und Deutschland auf eine Neuregelung hinarbeiten. Bleibt nur zu hoffen, dass sie nicht im Behördendschungel steckenbleibt und dass sich diesmal jeder daran halten muss.
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c.altmayer@volksfreund.de