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Fußballer und Zuschauer lassen Fäuste fliegen: Schlägerei beim Neujahrscup des SV Speicher beschäftigt den Fußballkreis Eifel

(Speicher/Preist) Mit Fäusten ins Gesicht geschlagen, getreten und gestoßen: Wie Augenzeugen berichten, kam es beim Neujahrscup des SV Speicher zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen 20 Personen, darunter Spieler und Zuschauer. Die Spruchkammer des Fußballkreises Eifel berät nun über den Fall und seine Konsequenzen.

26.01.2016
Christian Moeris
Es war eine filmreife Szene, die 150 Zuschauer auf dem Neujahrscup des SV Speicher in der Turnhalle Mitte Januar zu sehen bekamen, als sich das Freundschaftsspiel zwischen den ersten Mannschaften des FC Preist und des SV Speicher von einer auf die andere Sekunde in eine Massenschlägerei verwandelte. Einem Spieler, der nach einem Foul auf dem Boden lag, sei ins Gesicht getreten worden, berichtet die eine Seite. Die Gegenmannschaft habe den darauffolgenden Freistoß zu früh ausgeführt, erklärt hingegen die andere Mannschaft als Grund dafür, was da folgte: Die zehn Fußballer auf dem Spielfeld aber auch Spieler von den Reservebänken sowie Zuschauer aus dem Publikum, die aufs Spielfeld stürmten, ließen die Fäuste fliegen. 

Den Spielern drohen Sperren

Die Verantwortlichen der Vereine hätten die 20 Prügelnden erst nach mehreren Minuten auseinanderhalten und so die handgreifliche Auseinandersetzung schlichten können, sagt ein Augenzeuge, der anonym bleiben möchte. Weitere Zuschauer und Betroffene berichten dem TV, ein Spieler soll ein blaues Auge, ein weiterer junger Fußballer eine Verletzung am Mund davongetragen haben und mehrere Tage krankgeschrieben worden sein. Anzeigen wegen Körperverletzung seien allerdings nicht erstattet worden, sagt Wolfgang Zenner, Pressesprecher der Polizei Inspektion Bitburg. Der junge Schiedsrichter, der zu dem Vorfall keine Angaben machen will, musste das letzte Spiel des Hallenturniers wegen der Schlägerei am Sonntagabend zwei Minuten vor dem offiziellen Spielende, als der SV Speicher drei zu zwei Tore führte, abpfeifen. 

Das sagen die Vereine: Der TV hat die Vereine um eine Stellungnahme zum gewalttätigen Ende des Hallenturniers gebeten: „Es war nicht so dramatisch, wie es wohl mancher gerne sehen würde“, sagt Manfred Marx, Geschäftsführer des FC Preist. „Auf einem gemeinsamen Treffen haben die Vereinsvorstände die Angelegenheit besprochen und aus der Welt geschafft.“ Klaus Nospes, Vorsitzender des SV Speicher, erklärt: „Die Spieler haben sich bei dieser Rangelei etwas gestoßen und geschubst. Da war gar nichts.“ Manfred Lichter, Vorsitzender des FC Preist, erinnert sich an Folgendes: „Ein Zuschauer hat einen Spieler ins Gesicht geschlagen. Unsere Fußballer haben nur geschubst. Im Nachhinein haben wir mit unseren Spielern, die beteiligt waren, darüber gesprochen. So etwas darf nicht passieren.“

Klartext zu den Vorfällen gibt es nur von Wilhelm Steinbach, Turnierleiter und Schiedsrichter des Ausrichters SV Speicher, der andere Spiele des dreitägigen Turniers gepfiffen hat. Er hat die Schlägerei von der Zuschauertribüne aus verfolgt: „Von einer Schubserei kann man da nicht mehr sprechen. Was da passiert ist, ist sehr ernst.“ Steinbach hat dazu einen „Sonderbericht“ verfasst und an den Fußballkreis Eifel geschickt. Steinbach: „Solch eine Gewalt hat im Fußball absolut nichts verloren und schädigt die mühsame Vereinsarbeit immens.“ Nun wird sich die Spruchkammer des Fußballverbands mit dem Fall befassen und dabei über Konsequenzen beraten, die der Vorfall für die Vereine sowie einzelne Spieler nach sich ziehen kann.

Das sagt der Verband: Walfried Hacken, Vorsitzender des Fußballkreises Eifel, erklärt: „Die Berichte des Schiedsrichters sowie des Turnierleiters sind bei uns eingegangen. Bei diesem Fall kann man nicht mehr von einer Lappalie sprechen. Der ist schon ernst zu nehmen. Das kommt nicht jeden Tag vor.“ Die Kreis-Spruchkammer unter dem Vorsitz von Wolfgang Friedrich wird dazu ihr Urteil fällen. Doch welche Konsequenzen kann solch eine tätliche Auseinandersetzung für die Beteiligten konkret haben? Hacken: „Einzelne Spieler könnten für einen gewissen Zeitraum gesperrt werden. Aber wir können keinen ganzen Verein sperren.“ Auf die Vereine könne jedoch wegen des vorzeitigen Spielabbruchs eine Geldstrafe zwischen 55 und 500 Euro zukommen.

Friedrich, der bereits die Berichte der Schiedsrichter gelesen hat, sagt: „Das Strafmaß für einige Spieler wird voraussichtlich nicht unerheblich sein. Da werden sich einige Leute für einen gewissen Zeitraum wohl ein neues Hobby suchen müssen.“ Bis zu zwei Jahre kann die Spruchkammer einzelne Spieler sperren. Friedrich: „Spätestens im Februar, jedenfalls bevor die Saison draußen weitergeht, werden wir dazu unser Urteil fällen.“ Dass mal ein oder zwei Spieler über die Stränge schlügen, das kenne man ja, sagt der 51-Jährige. Aber eine tätliche Auseinandersetzung solcher Größenordnung und Intensität habe er in seiner Zeit als Fußballer noch nicht erlebt. Friedrich: „Wenn wir so was durchgehen lassen, dann brauchen wir keine Schiedsrichter mehr, sondern machen eine ganz neue Sportart daraus.“
 

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