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Geheimniskrämerei um Windkraft-Standorte

(Bitburg) An welchen Stellen können in den kommenden Jahren im Bitburger Land sinnvollerweise neue Windräder gebaut werden? Mit dieser Frage hat sich ein Ende 2011 in Auftrag gegebenes Gutachten beschäftigt. Dessen Ergebnisse wurden nichtöffentlich dem Haupt-Ausschuss und den Ortsbürgermeistern vorgestellt.

23.03.2012
Uwe Hentschel
Bitburg. Wer derzeit in einem der zahlreichen Neubaugebiete im Bitburger Land auf Grundstückssuche ist und möglicherweise ein Problem damit hat, von seiner zukünftigen Terrasse aus auf bis zu 200 Meter hohe Windkraftanlagen zu blicken, sollte die wirtschaftlichen Bestrebungen seiner Wahlheimat im Auge behalten. Die geplante Neuausweisung von Windkraftstandorten beschäftigt aktuell nämlich viele Gemeinden.

Studie hat Erwartungen gedämpft

Wo zukünftig neue Windräder errichtet werden dürfen, ist momentan allerdings noch völlig offen, da dafür zunächst die Änderung des Flächennutzungsplans notwendig ist. Und um diesen zu ändern, ist es zunächst wichtig zu wissen, wo neue Standorte möglich und wirtschaftlich sinnvoll sind.

Die Mitglieder des Hauptausschusses kennen diese Standorte mittlerweile. Und die Ortsbürgermeister auch. Denn sie alle wurden in nichtöffentlichen Sitzungen über die Ergebnisse der im vergangenen Jahr in Auftrag gegebenen Potenzialanalyse informiert. Vorgestellt wurden dabei verschiedene Szenarien, bei denen zum einen der Mindestabstand der Windräder zur vorhandenen Bebauung (500, 750 und 1000 Meter) variiert wurde, zum anderen auch die jeweils zu erwartenden Windgeschwindigkeiten berücksichtigt wurden.

Da über das Ergebnis der Analyse in den Gremien noch nicht öffentlich beraten wurde, haben die Verantwortlichen derzeit noch Stillschweigen vereinbart. Doch dass das Ergebnis dieser Studie manche Erwartungen gedämpft haben dürfte, ist kein Geheimnis. Problematisch wird es aus Sicht von Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburg-Land, allerdings, wenn die Ergebnisse der Studie in den Wind geschlagen werden.
„Es gibt Ortsgemeinden, die sich sehr vernünftig und abwartend verhalten, aber leider auch viele, die sich durch Windkraftbetreiber verunsichern lassen“, sagt Junk. So würden viele Gemeinden mit sogenannten „Sprinterprämien“ gelockt: Je schneller die Gemeinden Vorverträge mit Betreibern unterzeichnen, desto höher der versprochene Gewinn.

Dass einige dieser Investoren die Verträge dafür benötigten, um von den Banken überhaupt erst Geld zu bekommen, werde vielfach ausgeblendet, fügt der Bürgermeister hinzu. Und das, obwohl man in der Vergangenheit mit Windkraftbetreibern durchaus auch schlechte Erfahrungen gemacht habe (siehe Extra). Junk setzt nach wie vor auf Solidargemeinschaften, also darauf, dass möglichst alle Gemeinden von der Windkraft profitieren. Ob sich dieser ambitionierte Vorsatz in die Tat umsetzen lässt, wird sich zeigen.
In den kommenden Monaten stehen die Gremien jedenfalls vor der Herausforderung, die Empfehlungen der Studie und die Vorstellungen der Gemeinden in die nun anstehende Änderung des Flächennutzungsplans einfließen zu lassen.

Extra Windpark in Sefferweich

Dass man mit Windrädern auch Pech haben kann, weiß man in Sefferweich nur zu gut. Dort hatte ein Trierer Unternehmer um die Jahrtausendwende einen Windpark errichtet und die Gemeinde damals im Vorfeld mit finanziellen Anreizen besänftigt. So sollten neben der vereinbarten Pacht und Wegerechtgebühren vom Betreiber auch für jedes neu geborene Kind in Sefferweich 50 Euro spendiert werden. Zu dieser Sozialförderung ist es aber nie gekommen, die Pacht wurde wenig später auch nicht mehr gezahlt und der ganze Windpark schließlich ein Fall für den Insolvenzverwalter. Inzwischen gibt es einen anderen Betreiber. uhe

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