region/bitburg

Globale Zahlen und schlaflose Nächte

Reiner Hoffmann aus Mohrweiler ist Landesvorsitzender der Partei der Vernunft

(Malberg-Mohrweiler) Bürokratie bereitet ihm Unbehagen, der Gedanke an Steuerarten macht ihm Angst: Reiner Hoffmann aus Malberg-Mohrweiler ist Landesvorsitzender der Partei der Vernunft. Wie er dazu gekommen ist, hat er dem TV erzählt.

27.03.2012
Eileen Blädel
Malberg-Mohrweiler. "Partei und Vernunft, das ist doch ein Widerspruch." Das war sein erster Gedanke, erzählt Reiner Hoffmann, als er vor drei Jahren zum ersten Mal auf die Partei der Vernunft (PDV) gestoßen ist - und zwar ganz zufällig im Internet. Er hatte die beiden Wörter Politik und Vernunft gegoogelt. Allein aus Ärger, denn zuvor hatte er im Radio die Äußerung eines Politikers zu einem Wirtschaftsthema gehört und gedacht: "Der hat doch keine Ahnung."
Heute ist der 50-Jährige Landesvorsitzender der Partei. "Ja, ich bin schon ein politischer Mensch", sagt Hoffmann. Eine andere Partei wäre für ihn aber eher nicht infrage gekommen. "Hätte es die PDV nicht schon gegeben, hätte ich sie vielleicht selbst gegründet."
Mit der Partei teilt Hoffmann den Ruf nach Freiheit und Bürgerrechten. Er ist davon überzeugt, dass Demokratie nur mit mündigen und kritischen Menschen funktioniert: "Demokratie braucht Freiheit. Freiheit bedeutet, Verantwortung zu übernehmen", sagt er. Das schließe einen hohen Anspruch an sich selbst mit ein. Ein Großteil der Politiker besitze aber gar keine Moral, glaubt er. "Die Ruhestandsbezüge unserer Politiker empfinde ich als unmoralisch." Verändern will Hoffmann etwas am "gigantischen Verwaltungsapparat Deutschland". Er sagt: "Es gibt etwa 70 verschiedene Steuerarten. Dieser Gedanke bereitet mir schlaflose Nächte."
Eigentlich ist Hoffmann selbstständiger Unternehmensberater, seine Firma hat ihren Sitz in Badem. Hoffmann hat in Aachen Elektrotechnik studiert und auch an BWL-Vorlesungen teilgenommen. Zwischenzeitlich hat er als Ingenieur und Lehrer gearbeitet. Sport und Musik mag er gerne. "Außerdem lese ich viel und interessiere mich für globale Zahlen, Wirtschaft und Weltpolitik", sagt er.
Im Job ist es seine Aufgabe, etwas besser zu machen. "Ich weiß, wo es in Unternehmen hapert", sagt er. Etwas besser machen will er auch in der Politik. Denn im deutschen Staat laufe zu vieles falsch: "Die Ungerechtigkeit ist in unserem System verankert", sagt Hoffmann.
Steuergelder werden zum Großteil auf Bundesebene verschwendet, meint er. "Kommunale Probleme - das sind meist finanzielle - werden letztendlich auf Bundesebene produziert. Den Gemeinden wird das Geld aus der Tasche gezogen." Er ist davon überzeugt, dass wichtige Entscheidungen auf kommunaler Ebene getroffen werden müssen.
Ziel der Partei sei es zunächst, sagt Hoffmann, die Bürger über Missstände zu informieren, viel Aufklärungsarbeit zu leisten - und irgendwann auch politische Verantwortung zu übernehmen.
Extra
Statt mit Geld soll mit Gold, Silber oder anderen Sachwerten bezahlt werden, Abgeordnete sollen ehrenamtlich agieren, und es sollen keine Steuern erhoben werden - das sind nur einige Punkte im Programm der Partei der Vernunft (PDV). Die PDV gibt es seit 2009. Anders wie beispielsweise die Freien Wähler wurde die PDV nicht lokal gestartet, sondern direkt vom Bundesvorstand gegründet. Bundesweit gibt es etwa tausend Aktive, in fast allen Bundesländern gibt es mittlerweile Landesverbände. "In Rheinland-Pfalz sind wir noch ganz am Anfang", so Hoffmann. Am Freitag, 30. März, 19 Uhr, hält Hoffmann auf dem Bitburger Flugplatz, Max-Planck-Straße 2, einen Vortrag über "Steuern und Bürokratie". Weitere Veranstaltungen zu den Themen Europa, Bildungs- und Gesundheitssystem sind geplant. eib