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Gretchenfrage zum Parkhaus Annenhof in Bitburg: Grundsatzbeschluss für Neubau steht

(Bitburg) Der Beton bröckelt, das Metall rostet: 30.000 Euro muss die Stadt auch dieses Jahr wieder in das Parkhaus Annenhof stecken. Um das 35 Jahre alte Gebäude noch mal auf Vordermann zu bringen, wäre eine Million Euro nötig. Es gibt einen Grundsatzbeschluss für einen Neubau. Doch wo und wann der entstehen soll, ist offen.

06.01.2016
Dagmar Schommer
Der Eifeler parkt am liebsten offenbar unter freiem Himmel. Es ist nicht leicht, ihn dazu zu bewegen, in ein Parkhaus zu fahren. Erst recht nicht, wenn es draußen genug Stellplätze gibt, die sogar auch noch kostenlos sind. Auch vor diesem Hintergrund erhebt die Stadt, der das Problem natürlich bekannt ist, seit Kurzem Gebühren für rund 100 Parkplätze rings um die Fußgängerzone, die bisher umsonst waren (der TV berichtete). Ob das dazu führt, dass der Eifeler sein Auto dann doch lieber unter Dach stellt, muss sich noch zeigen.

Die Stadtwerke, welche die Parkhäuser am Annenhof und in der Neuerburger Straße sowie die Tiefgarage am Zentralen Omnibusbahnhof (Zob) betreiben, gehen jedenfalls davon aus, dass sie auch 2016 Verluste einfahren – so, wie jedes Jahr. Mit einem Minus von zusammen knapp 280.000 Euro kalkulieren die Werke bei der Bewirtschaftung der drei Parkgebäude (siehe Extra). Und das, obwohl an Unterhaltungsarbeiten nur das Allernötigste gemacht wird, wie Werkleiter Rolf Heckemanns b etont. Für Betonsanierung im Annenhof sind rund 30.000 Euro eingeplant. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Rund eine Million wäre nötig, um das 35 Jahre alte Gebäude noch mal richtig auf Vordermann zu bringen. Doch wer will das? 

„Eine Sanierung würde ja nichts an der grundsätzlich veralteten Konzeption ändern“, sagt Heckemanns und verweist auf den Aufzug, in den kaum ein Rollstuhl oder Kinderwagen passt, die niedrige Deckenhöhe und die geringe Parkplatzbreite: „Da stehen Wagen auf zwei Stellplätzen, weil man sonst glaubt, die Tür nicht mehr aufzubekommen.“ 
Bereits 2013 hat sich der Stadtrat gegen eine Sanierung des Annenhofs entschieden und stattdessen einen Grundsatzbeschluss für den Neubau eines Parkhauses gefasst (der TV berichtete). Seither ist in Bitburg, wie Werkleiter Heckemanns anerkennend feststellt, zwar vom Test des Innenstadtrings über die Neugestaltung des Spittels bis zum geplanten Ausbau der Fußgängerzone eine Menge passiert. Nur in der Parkhausfrage ist man nicht viel weiter. Nach wie vor ist offen, wann und vor allem auch wo denn das neue Parkhaus entstehen soll. 

In der Diskussion sind ein Neubau an gleicher Stelle oder ein Gemeinschaftsprojekt am Beda-Platz in Zusammenarbeit mit den Investoren der dort geplanten Bit-Galerie. Von letzterer Variante versprechen sich einige Räte, dass diese – dank der möglichen Kooperation mit den Investoren des Einkaufszentrums – die Stadt günstiger käme. Zum anderen aber würde die Galerie ja genau auch an dieser Stelle für einen größeren Bedarf sorgen. Nicht zuletzt gibt es im Rat auch eine gewisse Enttäuschung darüber, dass das Krankenhaus, mit dem die Stadt so viele Jahre verhandelt hat, schließlich ganz das Interesse an einem Neubau verloren hat. Warum sollte die Stadt, wenn sie schon neu baut, dann ausgerechnet dem Krankenhaus entgegenkommen und ihm ein schönes, neues Parkhaus direkt vor die Tür stellen.

Ingenieur prüft Stabilität

Bürgermeister Joachim Kandels will noch diesen Monat abermals Gespräche mit der Klinikleitung aufnehmen. „Unser Ziel ist es, dass, wenn wir an genau dieser Stelle bauen, sich daran in irgendeiner Form auch das Krankenhaus beteiligt.“ Aber entschieden, das betont auch Kandels, ist die Standortfrage noch nicht. Parallel lote die Verwaltung aus, ob eine Beteiligung der Stadt an dem für die Bit-Galerie geplanten Parkdeck förderungswürdig wäre. 

Überhaupt hänge an einer möglichen Förderung noch Arbeit, sagt Kandels. So müsse die Stadt nachweisen, dass es einen Bedarf an Stellplätzen gibt, wozu man eine Studie in Auftrag geben und ein Parkraumkonzept erarbeiten müsse. Fest steht für Kandels auch, dass diese ganze Arbeit gemacht sein sollte, bevor es eines Tages heißt, dass der Annenhof geschlossen werden müsse. Seit 2013 wird das marode Gebäude zwei Mal im Jahr von einem Ingenieur geprüft. Werkleiter Heckemanns sagt: „Eine Prognose, wie lange das ohne größere Investition noch gut geht, können weder wir noch der Gutachter abgeben.“
 
Extra Zahlen, Daten Fakten
Jahr für Jahr fahren die Stadtwerke mit dem Betrieb der drei Parkgebäude Verluste von zusammengerechnet knapp 300.000 Euro ein. 

Parkhaus Annenhof (216 Stellplätze; 190 Dauermieter), erwartetes Jahresergebnis 2016: minus 46.000 Euro; 

Parkhaus Neuerburger Straße (120 Stellplätze, 113 Dauermieter): Minus 112.000 Euro; 

Tiefgarage Zob (130 Stellplätze, 70 Dauermieter): Minus 120.000 Euro. 

Was die drei Parkgebäude voneinander unterscheidet, ist die Beliebtheit bei Wechselparkern. Während in der Neuerburger Straße nur rund 5000 Euro und in der Tiefgarage Zob nur 2500 Euro im Jahr durch Wechselparker eingenommen werden, sind es am Annenhof knapp 45.000 Euro. scho
 
Kurz-Interview Drei Fragen an...
… Rolf Heckemanns, Leiter der Stadtwerke Bitburg: 

Ausgerechnet das Parkhaus Annenhof, das am besten läuft, soll neu gebaut werden. Warum?

Heckemanns: Es gibt in dem Gebäude einen Sanierungsstau, den Fachleute mal auf rund eine Million Euro beziffert haben. Wollte man das Parkhaus erhalten, käme man um die Kosten nicht umhin. Auf der anderen Seite haben wir durchgerechnet, dass ein Neubau mit mehr Stellplätzen auch wirtschaftlicher zu betreiben wäre und die Stadt deshalb auf lange Sicht trotz der Investitionskosten von rund drei Millionen Euro nicht teurer käme als der Erhalt des alten Gebäudes. 

Rein wirtschaftlich: Wäre es nicht günstiger für die Stadt, die Parkhäuser und die Tiefgarage einfach dichtzumachen?

Heckemanns: So einfach ist das nicht. Die Abschreibungskosten müsste man ja trotzdem erwirtschaften. Hinzu kommt, dass es Dauerstellplätze gibt, die teils sehr langfristig vertraglich zugesichert sind. Die kann man nicht einfach streichen, ohne Schadensersatz zahlen zu müssen. Hinzu kommt, dass man die Gebäude ja trotzdem in Schuss halten müsste. Ein Abriss wäre bei der Tiefgarage statisch eine komplexe und damit teure Angelegenheit, weil ja teils Häuser über der Garage stehen. Beim Parkhaus Neuerburger Straße wiederum gibt es über den Parkdecks Wohnungen. 

Warum zieht sich die ganze Entscheidungsfrage, wo denn neu gebaut werden soll, so in die Länge?

Heckemanns: Das ist eine politische Entscheidung. Und die hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab. Da geht es um städtebauliche Fragen, Gesamtkonzepte für den Verkehr, das Parken und auch die zukünftige Stadtentwicklung. Mögliche Kooperationspartner spielen sicher auch eine Rolle. Das ist ein komplexes Geflecht. Für uns wäre es natürlich auch von Vorteil, wenn wir wüssten, wie es weiter geht. scho
 

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