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In der Eifel ticken die Uhren etwas anders

Es ist historisch betrachtet nicht neu, dass katholisch geprägte Gebiete weniger anfällig für extreme politische Strömungen sind als protestantisch geprägte Landstriche. Dies gilt für linke Extreme, genauso wie für rechte. Dossier zum Thema: Bundestagswahl 2017

25.09.2017
Lars Ross
Deshalb ist auch das Ergebnis des Eifel-Wahlkreises 202 alles andere als eine Überraschung, obwohl es doch deutlich vom Gesamtergebnis abweicht und die dortigen Trends nur stark abgeschwächt, wenn überhaupt nachvollzieht. Zwar hat auch bei den Wählern zwischen Bitburg, Daun, Prüm und Wittlich die AfD zugelegt und deutlich mehr als fünf Prozent der Stimmen ergattert.

Von einem zweistelligen Ergebnis ist sie aber weit entfernt. Allerdings legen in der Eifel auch die Linken zu, wenn auch bescheidener als die AfD. Die stärksten Verluste verbucht die CDU. Aber sie wird das an diesem Wahlabend verschmerzen, angesichts der Tatsache, dass ihr Direktkandidat, Patrick Schnieder, die 50-Prozent-Marke bei den Erststimmen übersprungen hat.

Er liegt damit zwar hinter seinem Ergebnis von 2013, aber deutlich besser als 2009, als er mit knapp über 46 Prozent das Direktmandat zum ersten Mal geholt hatte. Alles andere als ein deutliches Ergebnis für den Generalsekretär der rheinland-pfälzischen CDU wäre allerdings auch mehr als eine Sensation gewesen. Denn die Erststimmen Mehrheit in der Eifel erreichte bei Bundestagswahlen bisher immer die CDU. Und auch bei den Zweitstimmen liegen die Christdemokraten trotz aller Verluste noch unangefochten an der Spitze.

Möglicherweise hatte sich die SPD während des Schulz-Hypes Anfang des Jahres und nachdem Nico Steinbach im vergangenen Jahr das Eifelkreis-Direktmandat völlig unerwartet gegen CDU-Platzhirsch Michael Billen gewonnen hatte, Hoffnungen gemacht, dass sie gegen Schnieder eine Chance haben könnte. An diesem Debakelabend allerdings dürften die Genossen in der Eifel sogar noch froh sein, denn sie wurden hier deutlich weniger heftig abgestraft als im Bund. Und so profitiert am sogar die Sozialdemokratie vom traditionell konservativen Wahlverhalten in der katholischen Eifel. l.ross@volksfreund.de