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Kandels gegen Olk: So greifen die Kandidaten beim TV-Wahlforum an (Fotos)

(Bitburg) Alter Hase oder frischer Wind, Fleischkäse oder Curry – bei der Bürgermeisterwahl haben die Bitburger eine echte Wahl. Die Kandidaten könnten kaum gegensätzlicher sein. Das wurde am Mittwochabend deutlich. Dossier zum Thema: Direktwahlen in der Eifel

14.09.2017
Christian Altmayer
Nur noch zehn Minuten. Der Techniker rückt die Lampen auf dem Podium zurecht, prüft, ob die Mikros funktionieren. Plopp, plopp. Acht Minuten. Mehr als 300 Augenpaare starren zur Bühne. Das Haus der Jugend füllt sich am Mittwochabend vor der Podiumsdiskussion. 

Sieben Minuten. Die 21-Jährige Johanna Diederichs sitzt ganz hinten. Sie ist eine der Jüngsten, die hier sind. „Ich bin noch unentschlossen, wen ich wählen soll“, sagt sie. Deswegen sei sie hier. 

Sechs Minuten. Amtsinhaber Joachim Kandels lehnt an der Bühne, Herausforderer Olk steht neben ihm. Sie plaudern, machen Small Talk. Worum geht’s? „Um die Erkältungswelle, die gerade im Umlauf ist“, sagt Kandels. „Nichts tief Schürfendes“, sagt Olk. So locker werden die Kandidaten später nicht miteinander umgehen. 

Fünf Minuten. Olk streicht sich die Anzughose glatt, richtet die Krawatte. Kandels trägt weder das eine, noch das andere. Stattdessen: Sakko über offenem Hemd mit Jeans. „Einer von uns“ lautet sein Motto. 

Eine Minute. Die Männer steigen die Treppen hoch. Applaus im Publikum. Kandels und Olk setzen sich, in der Mitte: TV-Redakteurin Dagmar Schommer. Sie moderiert das Volksfreund-Wahlforum der Bitburger Bürgermeisterkandidaten. Kurz nach 19 Uhr geht es los. 

Traditionell gegen exotisch

So richtig brenzlig wird’s aber noch nicht. Die Zuschauer sollen die Bewerber ja erstmal kennenlernen. Und weil man bekanntlich ist, was man isst, lautet die erste Frage auch: „Was haben Sie zuletzt für Ihre Familie gekocht?“Die Antworten der Kandidaten könnten schon hier kaum gegensätzlicher sein. Kandels mag es traditionell, Olk exotisch. Beim Amtsinhaber gab’s Fleischkäse, beim Herausforderer scharfes Curry: „Ich stehe ja auch für ein bisschen Schärfe!“ Und schon sind wir mittendrin in der Politik. 

Und politisch geht es weiter. Die Bewerber müssen zu Bitburgs Dauerbrennern Stellung beziehen. Um viele Themen in wenig Zeit zu schaffen, fordert Schommer sie auf, ihre Antworten so kurz wie möglich zu halten. Aber es geht noch kürzer. Die Zusammenfassung: „Bit-Galerie und Nord-Ost-Tangente? Olk: Ja. Kandels: Ja. Dorfgemeinschaftshaus Stahl - ein Erfolg? Olk: Nein. Kandels: Wir haben das Projekt erfolgreich zuende… „Ja oder nein?“, ruft einer im Publikum. Kandels: …gebracht.“ 

So reagiert Kandels auf die Angriffe

Die erste richtige Diskussion zwischen den beiden gibt es beim Thema Fliegerei auf dem Flugplatz. Olk: Das müsste aufhören. Kandels: Die Fluggenehmigung kann man nicht mehr zurücknehmen. Olk: Aber wir können uns doch dafür einsetzen. Kandels: Tun wir doch. So geht es weiter, bis Schommer die zwei Politiker unterbricht. Doch auf der Bühne kommt es noch zu der ein oder anderen Streiterei. Meistens ist es der Herausforderer , der den amtierenden Bürgermeister angreift. Bei der Straßensanierung habe die Verwaltung zu lange geschlafen. Bei der Rückgabe der Housing sollte man energischer vorgehen. Überhaupt würden in Bitburg keine großen Entscheidungen getroffen: „Höchstens die Wahl des richtigen Blumentopfs.“ Olk hingegen habe ein „Konzept“, sagt er. Kaum ein Wort sagt er an diesem Abend häufiger. Während dieser Attacken verzieht Kandels das Gesicht. Aus der Ruhe bringen lässt er sich aber kaum. Wenn der Bürgermeister von den Erfolgen seiner Amtszeit spricht, klingt er gelassen: die Sanierung der Fußgängerzone, die Schaffung von Kitaplätzen, das Anwerben von Unternehmen in das Gewerbegebiet „auf Merlick“ – auf all das sei er stolz. Einmal wird er aber doch laut, als er auf die seiner Meinung nach „unverschämte“ Wahlwerbung seines Kontrahenten zu sprechen kommt. 

Nach einer guten Stunde ist die Podiumsdiskussion vorbei. Gegen Ende sollen die beiden ungleichen Kandidaten sich selbst mit Adjektiven beschreiben. „Verständnisvoll“, sagt Kandels als erstes. „Hemdsärmlig“, sagt Olk. Und was ist den Zuschauern zu den beiden so eingefallen? Offenbar sind beide Bewerber „souverän“ aufgetreten. Das Adjektiv wurde jedenfalls am häufigsten genannt – insgesamt vier Mal, zweimal bei jedem Kandidaten. Die Befragten bewerten Kandels ferner als „beständig“, „erfahren“ und „realistisch“. Olk wirkte hingegen „leidenschaftlich“, schlagfertig“ und „motiviert“. 
Zu Wort kommt das Publikum auch bei der Fragerunde nach der Diskussion. Thematisch geht es querbeet: vom Bahnverkehr bis zum Kita-Ausbau. Arno Bösen will vom Amtsinhaber wissen, wie dieser anstehende Bauprojekte zu finanzieren gedenkt („mit Krediten und Steuereinnahmen.“) Feuerwehrchef Manfred Burbach möchte von Ralf Olk wissen, wie dieser sich für das Ehrenamt einsetzen will (mit einem Ehrenamtsball und einer Messe.“)
Ob das alles Jungwählerin Johanna Diederichs überzeugen konnte? Die 21-Jährige weiß inzwischen jedenfalls, wen sie wählen will. Und wer soll’s sein, Frau Diederichs? „Verrat ich nicht!“ 


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