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Meckel macht bei der Pfarreienreform nicht mit

(Meckel) Der Verwaltungsrat der katholischen Kirchengemeinde und der Ortsbürgermeister wehren sich gegen die geplante Pfarreienreform. Sie haben sich an den Bischof gewandt.

18.08.2017
Andrea Weber
In Meckel scheint die Welt noch in Ordnung: Die Menschen gehen noch zur Kirche und engagieren sich in Vereinen, zwei großen Chören und helfen einander. „Hier ist noch Leben und Ehrenamt im Dorf “, sagt der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende der Kirchengemeinde, Helmut Dellwing, „und die Kirche ist dafür der Mantel.“ Dieser Mantel könnte durch die Reform des Bistums Trier nun weggezogen werden, fürchten er und Ortsbürgermeister Johannes Junk. Der Bischof plant nämlich, die Kirchengemeinden aufzulösen und in sogenannte „Pfarreien der Zukunft“ zu integrieren. Statt der derzeit 887 Pfarreien soll es im Bistum Trier nur noch 35 geben. Die Bitburger Pfarrei der Zukunft soll laut einem Entwurf 42.234 Katholiken auf 635 Quadratkilometern umfassen (siehe Grafik). Das Reformpaket hat die Synode (siehe Info) im Frühjahr 2016 beschlossen.

„Es kann doch nicht sein, dass diese widersinnige Reform kampflos von den Gläubigen hingenommen wird“, sagt Junk, „die Kirche erfüllt damit ihren Auftrag nicht mehr: Sie geht von den Leuten weg, statt auf sie zu.“ Priester trauten sich nicht, gegen die Reform zu protestieren.
Das hat Dellwing nun im Namen des Kirchenverwaltungsrats von Meckel und des Kirchengemeindeverbands Irrel, in dem er Mitglied ist, getan. Er hat dem Bischof einen Brief geschrieben, in dem er die Pläne des Bistums kritisiert. Der engagierte Christ bezweifelt, dass der Zusammenschluss von Pfarreien im Interesse der Gläubigen ist. Er fürchtet, dass die Reform nicht nur zu weniger Kirchenbesuchern führe. „Ich gehe davon aus, dass die Kirche viele Austritte erleben wird.“ Außerdem würden keine Kosten gespart, sondern erheblich mehr Bürokratie aufgebaut, für die Personal gebraucht werde. Alles, was bisher Ehrenamtliche erledigen konnten – wie die Kassenprüfung einer Gemeinde – müsse bei der Größenordnung der „Pfarreien der Zukunft“ von Firmen übernommen werden. Hinzu komme, dass Ehrenamtliche kein Interesse daran hätten, sich für eine Institution zu engagieren, die so weit weg sei. „In unserer Kirchengemeinde gilt noch, dass Jung und Alt zusammenhalten und einander helfen“, schreibt Dellwing dem Bischof. Und das soll auch so bleiben.

Durch die Reform würden die Gemeinden außerdem ihre finanzielle Selbstständigkeit verlieren, fürchtet Dellwing. Sie seien immer sorgsam mit dem Kirchenvermögen umgegangen und hätten Einnahmen gemeinnützig für den Ort eingesetzt. Dass das nach dem Zusammenschluss noch möglich ist, bezweifelt er. „Entgegen meiner bisherigen Meinung muss ich jetzt feststellen, dass wir auf dem Weg zum Konzern sind“, sagt er. Der Zusammenschluss sei „ein Diebstahl an den Kirchengemeinden; eine stillschweigende Vermögensübertragung“, die die Basis für das Miteinander im Dorf entziehe. 

„Ich wünsche mir vom Bischof, dass er die bewährten Strukturen erhält“, sagt der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, das habe seit vielen, vielen Jahren sehr gut funktioniert. Dellwing möchte von Ackermann wissen: „Was geschieht, wenn ein Rat der Fusion nicht zustimmt? Kommt es dann zu einem zwangsweisen Zusammenschluss?“ 

Die Antwort des Bischofs lässt auf sich warten. Erst nach einigen Wochen und auf Nachfrage des TV erhält Dellwing Post in seinem Auftrag. „Ihre Meinung als hochengagierter und –identifizierter Christ ist uns sehr wichtig“, schreibt Christian Heckmann, Leiter der Stabsstelle zur Umsetzung der Synodenergebnisse, „auch wenn wir Ihnen nicht in jedem Ihrer Gedankengänge folgen werden.“ Auf vier Seiten erklärt er Dellwing die Grundausrichtung der Synode: Sie wolle Verwaltungsprozesse effizienter gestalten, nichts an der Grundverfassung der katholischen Kirche ändern sowie das Engagement vor Ort unterstützen und verwaltungs- und vermögensmäßig zukunftsfähig absichern. Um knappe Ressourcen werde es immer Auseinandersetzung geben, aber die Grundlage für eine faire Verteilung ließe sich doch aushandeln. „Wir sind der Meinung, dass das im Aufbau einer weniger kleinräumlichen Struktur besser gelingt“, schreibt Heckmann. 

Der Meinung ist Dellwing nicht. Er ärgert sich, dass nur über das Wie der Reform debattiert wird, aber nicht über das Ob. Und ernstgenommen fühlt er sich auch nicht. Seine Zweifel seien nicht ausgeräumt worden. Und auch auf die Frage, ob es einen zwangsweisen Zusammenschluss gebe, wenn ein Rat sich weigere zuzustimmen, habe er keine klare Antwort erhalten. Heckmann verweist Dellwing auf eine Veranstaltungsreihe, bei der intensiv und detailliert auf Vermögens- und entsprechende Verwaltungsfragen eingegangen werde – in Neuerburg am Freitag, 22. September, ab 19 Uhr. „Da gehe ich auf jeden Fall hin“, sagt Dellwing. „Obwohl das nichts bringt“, fügt er hinzu, dort werde es nur eine Aufklärung darüber geben, wie die sich das dächten. „Ändern wird sich nichts.“

Weitere Informationen zur Bistumsreform unter www.volksfreund.de/bistumsreform und unter www.bistum-trier.de/heraus-gerufen  
 

DIE PFARREIENREFORM 
DES BISTUMS TRIER


Bischof Stephan Ackermann will das Bistum Trier komplett neu organisieren. „In dieser Radikalität hat es das noch in keinem anderen deutschen Bistum gegeben“, sagte Generalvikar Ulrich von Plettenberg Ende März bei der Vorstellung der Pläne. Die Reform wurde im Rahmen der Synode beschlossen, einer Versammlung eines Gremiums aus Laien und Geistlichen, die die Gesamtheit der Kirchenmitglieder repräsentieren. Angesichts sinkender Priester- und Gläubigenzahlen wollte Ackermann den Kurs seines Bistums nicht alleine bestimmen. Deshalb hatte er das Gremium eingesetzt, das von Dezember 2013 bis Mai 2016 getagt und ein umfassendes Reformpaket beschlossen hat. Die Resonanzphase mit Diskussions- und Informationsveranstaltungen läuft noch bis Ende September. Am 24. November soll der endgültige neue Pfarreienzuschnitt veröffentlicht werden.