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Mehrfach-Vergewaltiger kommt vor Gericht: Eifeler Familienvater soll sich an Frauen vergangen haben

(Trier/Seiwerath/Bitburg.) Die Staatsanwaltschaft Trier hat Anklage gegen einen 58-jährigen Bauarbeiter aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm erhoben. Er soll im Mai 2007 eine damals 42-jährige Frau in Seiwerath vergewaltigt haben – und hat die Tat nun ebenso gestanden wie eine weitere Vergewaltigung 1988 an einer 80 Jahre alten Frau in Mürlenbach.

11.02.2016
Fritz-Peter Linden
Mehr als neun Jahre nach der brutalen Tat ist die Vergewaltigung einer Frau in Seiwerath-Dürrbach nahe Schönecken aufgeklärt: Nachdem der verdächtige Eifeler, heute 58 Jahre alt, im Dezember nach einem DNA-Test als wahrscheinlicher Täter identifiziert wurde (der TV berichtete), hat er das Verbrechen inzwischen gestanden.
Die Staatsanwaltschaft Trier teilte heute mit, dass sie gegen den Familienvater aus der Verbandsgemeinde Bitburger Land Anklage erhoben hat.

Der Bauarbeiter hatte, so das Ergebnis der Ermittlungen der Kriminalinspektion Wittlich, am Abend des 11. Mai 2007 bei der allein lebenden Frau im Seiwerather Ortsteil Dürrbach (Verbandsgemeinde Prüm) an der Haustür geklingelt und behauptet, eine Autopanne zu haben. Als ihn die damals 42-Jährige hereinließ, griff er die Frau laut Staatsanwaltschaft „unter Anwendung erheblicher körperlicher Gewalt an“ und vergewaltigte sie. Danach flüchtete er unerkannt aus dem Haus – zur Tarnung hatte er sich einen Bettbezug umgehängt.

In der Folge kam es zum bis dahin größten Gentest in der Eifel: Mehr als 600 Männer aus Seiwerath und den Nachbarorten Schönecken, Burbach, Lasel, Wawern und Hersdorf wurden zur Abgabe einer Speichelprobe einbestellt, darunter auch jene, die inzwischen in andere Orte umgezogen waren.
Zuletzt besuchten die Beamten noch einmal etwa 100 Männer, die auf die Aufforderung zur Speichelabgabe nicht reagiert hatten. Der Täter aber war nicht unter ihnen.

„Seinerzeit war ein gewisser Radius um den Tatort gezogen worden“, sagt der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Peter Fritzen – der jetzt Angeklagte aber wohne außerhalb dieses Gebiets.
Identifiziert wurde er erst 2015: Am 6. Mai hatte ihn das Amtsgericht Bitburg wegen des Missbrauchs einer jungen, behinderten Frau zu einer Geld- und Bewährungsstrafe verurteilt. Daraufhin veranlasste die Staatsanwaltschaft eine DNA-Probe beim Verurteilten, um bei möglichen späteren Straftaten darauf zurückgreifen zu können. Ein Abgleich dieser Probe mit der seinerzeit am Tatort gefundenen DNA-Spur habe dann zum Treffer geführt – am 22. Dezember nahm die Polizei den 58-Jährigen fest.

Zweite Tat ist verjährt

Der Beschuldigte, der seitdem in Untersuchungshaft sitzt, hat die Tat inzwischen gestanden – und es war wohl nicht die einzige: Er habe während der Vernehmungen auch zugegeben, bereits im Jahr 1988 in Mürlenbach (Landkreis Vulkaneifel) eine damals 80 Jahre alte Frau, die ebenfalls alleine lebte, in ihrem Haus vergewaltigt zu haben.
Der Täter, der sich einen Pullover über den Kopf gezogen hatte, hatte die Frau mit den Worten „aufmachen, Polizei“ dazu gebracht, die Tür zu öffnen und sich dann an ihr vergangen.
Aufgrund der ähnlichen Vorgehensweise bei der Vergewaltigung in Seiwerath hatten ihm die ermittelnden Beamten auch diese Tat vorgehalten – und er gestand. Allerdings entgeht er einer weiteren Strafe, denn dieses Verbrechen ist mittlerweile verjährt. Die Frau starb 2006.

Die Staatsanwatschaft schließt nicht aus, dass es in der Vergangenheit zu ähnlichen, aber nicht angezeigten Taten gekommen sein könnte. „Wobei man sagen muss: Wir habe keine konkreten Hinweise, dass es weitere Taten gegeben hat, sagt Peter Fritzen. „Aber sie sind nicht auszuschließen.“ Deshalb hat die Kriminalinspektion Wittlich diese Woche unter anderem auch in der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ mögliche Opfer darum gebeten, sich zu melden.
Das Landgericht Trier entscheidet jetzt über die Zulassung der Anklage und die Eröffnung des Hauptverfahrens. Ein Termin zur Hauptverhandlung steht noch nicht fest. Dem Angeklagten droht bei einer Verurteilung eine Freiheitsstrafe von zwei bis 15 Jahren.

Hinweise in weiteren Fällen nimmt die Kriminalpolizei Wittlich entgegen unter Telefon 06571/95000 – oder jede andere Polizeidienststelle.
 

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