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Missbrauchsprozess am Landgericht Trier: Ein Teddy gibt ihr Halt

Mutmaßliches Opfer sagt aus – Angeklagter schweigt weiterhin zu Vorwürfen

(Bitburg/Trier.) Die Erste Große Strafkammer des Landgerichts Trier hat gestern den Prozess gegen einen 82-Jährigen aus der Eifel fortgesetzt. Er soll die Tochter der ehemaligen Freundin seines Sohnes mehrmals sexuell missbraucht haben. Während das mutmaßliche Opfer am zweiten Tag der Verhandlung gegen ihn aussagt, schweigt der Rentner weiterhin zu den Vorwürfen.

20.01.2016
Monika Pradelok
Der Griff um den Teddybären ist fest, die Stimme zittrig. Am zweiten Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen einen 82-jährigen Mann aus der Eifel, sagt nun die Nebenklägerin – das mutmaßliche Opfer – gegen ihn aus. Das Stofftier, aber auch die ruhige Hand ihrer Anwältin Ruth Streit-Stifano Espósito, geben ihr Halt, während sie sich den Fragen des vorsitzenden Richters Armin Hardt stellt.

Er beginnt harmlos, fragt sie, wie ihr schulischer und beruflicher Werdegang sind – betreibt Smalltalk. Dann wird er konkreter, will wissen, wie es zu dem Missbrauch gekommen und was genau passiert sei. Die mittlerweile 21-Jährige ringt um Fassung, bricht zwischendurch in Tränen aus. Zu schmerzlich scheinen die Erinnerungen an die sexuellen Übergriffe zu sein, die sie als Zehnjährige erfahren haben soll. Der Angeklagte, der Vater des damaligen Freundes ihrer Mutter, möchte sich laut seiner Anwälte immer noch nicht zu den Vorwürfen äußern – und starrt während des ganzen Prozesses den Boden an. Er wirkt abwesend.

Richter Hardt fragt die junge Frau, wie die Sache ans Licht gekommen sei. Ihr leiblicher Großvater soll es irgendwann während einer Renovierung im Hause des Angeklagten mitbekommen haben, so die Nebenklägerin. Dieser vertraute sich seiner Ehefrau an, die sich dann an die Mutter der Betroffenen wendete. Als sie ihre Tochter damit konfrontiert, erzählt diese ihr alles. Daraufhin stellt die Mutter den Vater ihres damaligen Freundes zur Rede. Danach sei der Kontakt zu ihm abgebrochen.

Die Wunden blieben aber, weshalb die 21-Jährige damals eine Psychologin konsultieren musste. Auch an den Kinderschutzbund habe sie sich gewandt. Doch erst im Jahr 2012 entschließt sie sich bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Warum sie während eines Übergriffs nicht auf sich aufmerksam gemacht habe, will Verteidiger Horst Büttner wissen. Sie sei dazu angehalten worden still zu sein. Ein Funken Angst soll auch mitgespielt haben.

Dennoch habe die damals Zehnjährige versucht seine Hand von sich zustoßen. Ohne Erfolg. Als die Befragung fertig ist, verlässt sie fluchtartig den Saal und ihr Onkel wird als Zeuge aufgerufen. Dieser habe von seinem Vater, dem Großvater der Nebenklägerin, von dem Missbrauch gehört, wie er erklärt. Wenig später soll sich seine Nichte ihm mit den Worten „Er hat mich angefasst" anvertraut haben.

Staatsanwältin Stefanie Kuknat hakt nach und fragt, wie sie sich damals verhalten habe. „Sie war ein lebendiges und fröhliches Mädchen, doch irgendwann wurde sie zurückhaltend und ängstlich", erzählt der Onkel. Der Prozess wird fortgesetzt.

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