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Nach Tod eines Patienten im Krankenhaus Bitburg: Arzt soll wegen unterlassener Hilfeleistung 9000 Euro Geldstrafe zahlen

(Bitburg) Zwei Tage bevor im März 2015 ein Patient im Bitburger Krankenhaus verstorben ist, soll er unter akuter Atemnot gelitten und auf seiner Station stundenlang auf Hilfe gewartet haben (der TV berichtete): Das Amtsgericht Bitburg hat in diesem Fall nun einem Arzt wegen unterlassener Hilfeleistung eine Geldstrafe von 9000 Euro auferlegt.

21.01.2016
Christian Moeris

Ein rätselhafter Todesfall: Seitdem im März 2015 im Bitburger Krankenhaus ein 72-jähriger Patient starb, ist von Seiten der Staatsanwaltschaft sowie von der Marienhaus Klinik nur wenig dazu an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Staatsanwaltschaft Trier hatte die Ermittlungen aufgenommen, nachdem der Mann zwei Tage nach einem akuten Fall von Atemnot auf einer Station stundenlang auf einen Arzt warten musste und zwei Tage später verstarb (der TV berichtete). Im  Oktober  verkündete die Staatsanwaltschaft dann, der Verdacht einer fahrlässigen Tötung habe sich nicht bestätigt. 
Nach dem rechtsmedizinischen Gutachten sei es „als wahrscheinlich anzusehen, dass der Mann an einem akuten Herzinfarkt verstorben ist“, erklärte Peter Fritzen, Leiter der Trierer Staatsanwaltschaft, im Oktober. 

9000 Euro Geldstrafe

Die Ermittlungen liefen dennoch weiter. Denn auch nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist damals im Marienhaus Klinikum etwas schiefgelaufen: Heute hat das Amtsgericht Bitburg in diesem Fall einem Arzt eine Geldstrafe von 9000 Euro auferlegt. 

Der 35-Jährige hatte damals im Marienhaus Klinikum Bereitschaftsdienst, als der Bettnachbar des später verstorbenen Patienten nach eigenen Angaben über mehrere Stunden immer wieder den Alarmknopf an seinem Krankenbett drückte, um ärztliche Hilfe herbeizurufen. 
Im gestern erlassenen Strafbefehl heißt es: „Dem Arzt wird vorgeworfen, im März 2015 als Bereitschaftsarzt einen Patienten des Krankenhauses nicht nochmals untersucht zu haben.“ Dabei soll ihn gegen 7.40 Uhr am Morgen bei der Übergabe an den Tagesdienst eine Krankenschwester auf dem Bereitschaftshandy angerufen und ihn um eine erneute Untersuchung des Patienten gebeten haben. 

Aber wann der Arzt den Patienten zuletzt behandelt hatte, ob einen Tag oder nur wenige Minuten vorher, das ist bislang noch nicht bekannt. Die Krankenschwester habe den Arzt kontaktiert, so steht es im Strafbefehl, weil zuvor angeordnete Maßnahmen zur Beseitigung von Atembeschwerden keine Besserung bewirkt hätten. Wer allerdings wann welche Maßnahmen vorgenommen hatte, um dem Mann zu helfen, dazu gibt es von offizieller Seite bisher keine Auskunft. 

Der Bereitschaftsarzt habe die Behandlung jedenfalls ohne weitere Erklärung abgelehnt und auf die Zuständigkeit des Stationsarztes verwiesen. Dabei habe er aber gar nicht abgeklärt, so steht es im Strafbefehl, ob der Stationsarzt die Behandlung hätte übernehmen können. Im Strafbefehl heißt es weiter: „Der Patient musste schließlich reanimiert werden, und verstarb zwei Tage später aber an den Folgen eines Multiorganversagens.“ Obwohl der Strafbefehl den kurz darauffolgenden Tod des Patienten erwähnt, kann die unterlassene Hilfeleistung des Bereitschaftsarztes damit nicht in Zusammenhang gebracht werden. 

„Der Mediziner ist nach wie vor für uns tätig“, sagte Heribert Frieling, Pressesprecher der Marienhaus Unternehmensgruppe, auf TV-Anfrage. Ob die unterlassene Hilfeleistung für den Arzt berufliche Konsequenzen habe, dazu wolle sich die Unternehmensgruppe derzeit nicht äußern, sagte Frieling. „Wir kennen den Strafbefehl nicht und müssen abwarten, wie der Betreffende damit umgeht.“

Doch welche beruflichen Konsequenzen kann solch eine unterlassene Hilfeleistung für einen Mediziner haben? 
Ines Engelmohr, Pressesprecherin der Landesärztekammer Rheinland-Pfalz: „Die Kammer hat Sanktionsmöglichkeiten, die von einer Rüge bis zur Geldstrafe reichen.“ Auch das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung, das für die Berufserlaubnis der Ärzte zuständig sei, könne sich mit dem Fall befassen. Bevor sich die Kammer jedoch mit dem Fall beschäftige, müsse der Strafbefehl erstmal rechtskräftig werden, sagte Engelmohr. Der Bereitschaftsarzt hat zwei Wochen Zeit, dagegen Einspruch einzulegen. 
Sollte der Mediziner den Strafbefehl anerkennen, den Betrag von 9000 Euro jedoch nicht zahlen, erwarten ihn 90 Tage Ersatz-Freiheitsstrafe.

 

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