region/bitburg

Neuerburger Klinik schließt - Gesundheitszentrum kommt

Am 1. Oktober ist Schluss für das St.-Josef-Krankenhaus in Neuerburg - Stattdessen startet ein Modellprojekt

(Neuerburg) Eine stationäre Versorgung der Patienten wird es ab 1. Oktober in Neuerburg nicht mehr geben. Stattdessen soll im ehemaligen Krankenhaus ein Gesundheitszentrum eingerichtet werden. Neuerburgs Bürgermeisterin Anna Kling informierte den Stadtrat am Montag über die weiteren Planungen.

16.09.2014
Stefanie Glandien
Neuerburg. "Wir müssen den Spatz akzeptieren, der noch nicht in unserer Hand sitzt, sondern neben der Taube auf dem Dach", sagte Neuerburgs Bürgermeisterin Anna Kling am Montag im Stadtrat und verdeutlichte damit sehr anschaulich die Situation, in der die Neuerburger sich derzeit befinden.
Fest steht, dass das Krankenhaus zum 1. Oktober geschlossen wird. Stattdessen soll dort ein Gesundheitszentrum entstehen, gekoppelt mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Der bisherige Chirurg der Klinik, Dr. Ingvo Müller, wird am Standort seine chirurgische Praxis aufrecht erhalten und auch ambulant operieren, teilt sie mit.
Die internistische Sparte soll ebenfalls abgedeckt werden. Damit Patienten auch über Nacht versorgt werden können, sind sechs Betten geplant, drei für jeden Fachbereich, die von der Pflegestation betreut werden sollen. Bislang gab es im Krankenhaus 48 Betten. "Das ist neu. Das gibt es bisher nicht", sagt Kling. "Wir haben kein Krankenhaus mehr, können aber dennoch Patienten über Nacht aufnehmen, jedoch ohne intensivmedizinische Betreuung." Damit das Modell funktioniert, wird noch ein Internist gesucht.
Die Physiotherapie bleibt am Standort erhalten, ebenso die Küche, allerdings in verkleinerter Form. Auch die Pflegeeinrichtung "Phase F" für intensiv pflegebedürftige Menschen, zum Beispiel im Wachkoma, bleibt im Haus.

Bürger sollen Angebot nutzen


Um den restlichen Platz zu füllen, wären Praxen für Ergotherapie, Logopädie oder ein Sanitätshaus denkbar. "Möglicherweise ziehen die zwei in Neuerburg angesiedelten Allgemeinmediziner mit ihren Praxen um", sagt Kling. Die Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung seien zu Zugeständnissen bereit, auch der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister, Alexander Schweitzer, befürworte das Modell, sagt die Bürgermeisterin.
Der Träger, die Marienhaus Unternehmensgruppe, wollte sich zu den neuen Plänen gestern noch nicht äußern, kündigte aber für die nächsten Tage eine Presseinformation an.
"Wir sollten darauf setzen, dass die, von denen wir abhängig sind, uns nicht sitzen lassen", sagt Kling. Froh sei sie darüber, dass mit Vera Bers wieder eine Geschäftsführerin zurückkehre, die bereit sei "das Haus mit uns zusammen mit Leben zu füllen". Bers war bereits einige Jahre im Krankenhaus als Geschäftsführerin tätig. Damit das Projekt gelingt, bittet die Stadtchefin die Bürger schon jetzt darum, die Einrichtung auch zu nutzen.
Der erste Beigeordnete Lothar Fallis (parteilos) kann der Sache nichts Positives abgewinnen. Er hatte sich mehr Unterstützung gewünscht: "Uns als Stadt haben sowohl Kreis als auch Land mächtig im Regen stehen gelassen. Nur die Mindestanforderungen hat man uns gelassen."
Auch der dritte Beigeordnete, Siegfried Mathieu (CDU), sieht das Krankenhaus Neuerburg als Bauernopfer, denn: "Es wurden bis 2011 nachweislich schwarze Zahlen geschrieben." Dennoch sollten die Neuerburger die Chance, die ihnen geboten wird, nutzen.
Günter Scheiding (SPD) wertet die Entwicklung positiv: "Das ist ein Modellprojekt des Landes. Wir haben die Zusage des Ministers, dass sich das Land darum kümmern wird." Minister Schweitzer hat im November die Verantwortlichen zum nächsten Gespräch eingeladen.
Meinung
Auch als Chance zu sehen

Neuerburg ist erst der Anfang. In den kommenden Jahren wird es weiteren kleinen Krankenhäusern an den Kragen gehen. Um die Menschen medizinisch zu versorgen, wird es stattdessen weitere Gesundheitszentren geben. In Neuerburg sogar mit der Möglichkeit, die Patienten auch über Nacht zu versorgen. Dass Neuerburg für dieses Modell quasi Pilotgemeinde ist, birgt die Chance, dass das Land dort alles richtig machen will. Denn wenn das Modell dort funktioniert, könnte es als Vorbild für andere dienen. Vorbildlich wäre schon mal, die Neuerburger nicht länger im Regen stehen zu lassen, sondern die Planungen auch finanziell großzügig zu unterstützen. Und die Neuerburger sollten das neue Angebot nutzen, damit das Experiment auch funktioniert. s.glandien@volksfreund.de