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Prozess gegen Bitburger Arzt: Krankenschwester sagt aus

(Bitburg) Ein Mediziner soll einen Patienten im Marienhausklinikum nicht untersucht haben, weil seine Schicht zu Ende war. Zwei Tage später starb der Patient. Nun muss geklärt werden: Wer war zuständig?

19.06.2017
Adrian Froschauer
Bitburg Ein Patient stirbt im Bitburger Marienhausklinikum. Er soll in einer Nacht im März 2015 stundenlang an Atemproblemen gelitten und auf Hilfe eines Arztes gewartet haben (der TV berichtete mehrmals). Vergeblich - der 72-Jährige musste reanimiert werden und erlag zwei Tage später einem Herzinfarkt. Dem damaligen Bereitschaftsarzt wurde zunächst fahrlässige Tötung vorgeworfen, da er den Patienten nicht untersucht hatte. Der Verdacht bestätigte sich jedoch nicht.
Darum wurde der Arzt stattdessen wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe von 9000 Euro verklagt. Doch dagegen hat der Angeklagte Einspruch eingelegt: Er sei überhaupt nicht für den Patienten zuständig gewesen. Der Prozess vor dem Amtsgericht Bitburg wird am heutigen Montag fortgesetzt.
Es geht vor allem um eine Frage: War der Bereitschaftsarzt zuständig oder nicht? Im Strafbefehl steht, eine Krankenschwester habe ihn während der Übergabe an den Tagesdienst auf dem Bereitschaftshandy angerufen und ihm mitgeteilt, dass der Patient an Atemnot leide.
Der angeklagte Arzt habe den Patienten jedoch nicht untersuchen wollen, da seine Schicht vorbei war. Stattdessen habe er die Krankenschwester an den zuständigen Stationsarzt verwiesen.
"Ich dachte nicht, dass es ein Notfall war", sagte der Angeklagte bei einem früheren Verhandlungstermin. "Hätte ich geahnt, dass etwas Ernsteres dahintersteckt, hätte ich anders gehandelt."
Bei einem ersten Anruf der Krankenschwester mitten in der Nacht habe er sie angewiesen, Medikamente zu verabreichen.
Als danach stundenlang kein Anruf mehr gekommen sei, sei er davon ausgegangen, dass es keinen Grund zur Sorge gebe.
Beim heutigen Termin soll unter anderem die Krankenschwester als Zeugin aussagen, die damals den Arzt angerufen hat.
Die Verhandlung beginnt am heutigen Montag um 9 Uhr in Saal 124 des Amtsgerichts Bitburg.