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Raus mit dem Schlamm: Stausee Bitburg soll geleert werden

(Biersdorf) Weit mehr als 80.000 Kubikmeter Schlamm liegen im Stausee Bitburg. Ab Ende März soll ein Teil davon raus. Rund 400.000 Euro soll die Entschlammung kosten, die möglicherweise die letzte dieser Art sein wird. Denn nach dieser Aktion ist das dafür angelegte Zwischenlager voll, der See aber längst noch nicht leer. Weshalb nun nach einer anderen Lösung gesucht wird.

18.02.2016
Uwe Hentschel
Biersdorf. Würde man die Tretboote mit der entsprechenden Technik ausstatten, dann könnte man ihn auch pflügen, den Stausee Bitburg. Das Gewässer ist nämlich derart voll von Ablagerungen, dass der Schlamm stellenweise schon aus dem Wasser ragt. Der Bereich der Vorsperre ist nahezu komplett verlandet, und weil so viele Sedimente im See sind, ist die Hochwasserkapazität des Beckens deutlich reduziert.

Statt 1,45 Millionen Kubikmeter beträgt das mögliche Speichervolumen derzeit nur noch rund 1,12 Millionen Kubikmeter. Allein im Bereich der Vorsperre und des nördlichen Seebereichs liegen weit mehr als 80 000 Kubikmeter Schlamm. Und die sollen jetzt raus. Allerdings nur zum Teil. Denn für mehr reicht der Platz nicht.

So hat der Zweckverband Stausee Bitburg im Zuge der jüngsten Entschlammung im Jahr 2005 unmittelbar neben dem Gewässer ein Zwischenlager eingerichtet. Früher wurde das nährstoffreiche Erdreich auf die Felder der Umgebung verteilt. Seit jedoch 2002 im Rahmen der sogenannten Wasserrahmenrichtlinie die Grenzwerte gesenkt wurden, ist das nicht mehr möglich. 60 000 Kubikmeter Schlamm wurden 2005 ins Zwischenlager transportiert.

Rund 40 000 Kubikmeter sind davon vor wenigen Jahren zum Auffüllen der Kreisdeponien in Plütscheid und Rittersdorf verwendet worden. Bei der jetzt anstehenden Entschlammung, die - wenn das Wetter mitspielt - von Ende März bis Ende April laufen soll, wird das Zwischenlager wieder aufgefüllt.

Wie Reinhold Kotz, zuständiger Mitarbeiter der VG Bitburger Land, erklärt, seien in dem vor wenigen Tagen für knapp 400 000 Euro vergebenen Auftrag 45 000 Kubikmeter angesetzt worden. "Wir werden das Zwischenlager füllen, bis es voll ist", erklärt Kotz. Mehr sei nicht möglich.

Spezielles Boot im Einsatz

Ein Großteil der Sedimente, die über den oberen Prümlauf ins Becken geschwemmt wurden, wird also auch noch nach der Entschlammung im See liegen. Wobei das mit Blei, Nickel und Zink belastete, aber dennoch nährstoffreiche Erdreich dort unter Umständen nicht lange bleiben wird.

Denn der Zweckverband spielt mit dem Gedanken, das Schlammproblem zukünftig anders anzugehen, indem er die Ablagerungen vom nördlichen Teil des Sees über die Staumauer in den unteren Prümlauf pumpt. Was sich zunächst anhört wie eine Verlagerung des Problems, ist jedoch eine Lösung, von der man auf beiden Seiten der Staumauer profitieren könnte.

Denn während im Stausee zu viele Sedimente sind, hat der untere Prümlauf zu wenig. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf den Lebensraum der Fische und sonstigen Wassertiere, sondern auch auf den Hochwasserschutz. "Wenn man dem Fluss nicht das natürliche Sediment gibt, dann holt er es sich woanders", sagt Dietrich Bartel. Ohne die natürlichen Ablagerungen erhöhe sich die Fließgeschwindigkeit, was entlang der Ufer zu Erosionen führe, erklärt Bartel.

Er ist Gesellschafter eines Duisburger Ingenieurbüros, das ein Verfahren entwickelt hat, mit dem die "Sedimentation im Gleichgewicht" gehalten werden soll. Und dieses Verfahren hat er kürzlich auch in einer Sitzung des Stausee-Zweckverbands vorgestellt. Dabei kommt ein spezielles Boot zum Einsatz, das rund um die Uhr auf dem See seine Runden zieht. An diesem Boot befestigt ist eine Pumpe, mit der die Ablagerungen vom Seegrund aufgesaugt und dann über einen langen Schlauch bis zur Staumauer gepumpt werden.

Rund 500 000 Euro würde die Einrichtung dieser dauerhaften Lösung kosten. Hinzu kämen dann jährliche Kosten von knapp 70 000 Euro (zuzüglich Stromkosten). Das ist viel Geld, doch langfristig gesehen unter Umständen deutlich günstiger, als den See alle zehn Jahre auszubaggern. Zumal der Zweckverband nach der nun anstehenden Entschlammung das Zwischenlager voll haben wird. Und dieses Lager zu räumen kostet auch wieder Geld. Wobei man dafür auch erst einmal wissen müsste, wohin mit dem Zeug. Und genau das weiß der Zweckverband eben nicht.

 

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