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Rollstuhlbasketballerin Marina Mohnen: Bitburg ist stolz auf das Goldmädchen

(Bitburg) Nach der Silbermedaille in Peking war es nach Marina Mohnens Ansicht Zeit für Gold. Das haben sie und ihre Rollstuhlbasketballerinnen bei den Paralympics in London gewonnen. Die 33-Jährige wurde jetzt in Bitburg geehrt und durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen.
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Bitburg. Ehrfürchtig streichen die Gäste beim Empfang im Bitburger Rathaus über die glänzende Trophäe, die Bitburgs berühmtes Goldmädchen mitgebracht hat. Die Eigentümerin des olympischen Goldes ist Marina Mohnen. Das 1,78 Meter große, aus Bitburg-Matzen stammende Basketballtalent ist vierfache Europameisterin, Vize-Weltmeisterin 2010 und jetzt Paralympics-Goldmedaillengewinnerin. Mit elf Jahren hat sie ihre Liebe für Basketball entdeckt. Sie ist offen, freundlich und selbstbewusst. "Und sie ist ehrgeizig, frech und sportbegeistert", sagt Jörg Antoine (37), Rollstuhlbasketballer aus Bitburg. Er und Rainer Theis (40), ebenfalls Rollstuhlbasketballer, kennen Marina Mohnen gut. Mit ihnen hat sie in Bitburg ihre ersten Erfahrungen in einer Basketballmannschaft erlebt, die sich auf Rädern im Rollstuhl fortbewegt. Die Männer geben zu, dass sie am Anfang über die Fahrfähigkeiten ihrer Teamkollegin geschmunzelt haben.

Nationalspielerin mit 26


Mohnen lacht: "Am Anfang habe ich mich behindert gefühlt. Nicht, weil ich im Rollstuhl saß, sondern weil die anderen alle schneller und besser waren als ich." Was die 33-Jährige von vielen anderen Spielern unterscheidet: Sie kann den Rollstuhl nach dem Spiel verlassen. "Ich bin ja die Fußgängerin unter den Rollis", sagt Mohnen lachend. Das sei überhaupt die häufigste Frage, die ihr gestellt werde. Die junge Sportlerin hatte im Jahr 2000 einen schweren Kreuzbandschaden, der sie erst einmal aus der Bahn warf. Leistungssport war nicht mehr möglich. "Es ging mir schlecht, ich habe sogar mein Studium unterbrochen." Doch dann gründete sich in Bitburg die Basketballrollstuhl-Mannschaft, und Mohnen biss sich durch. Ihr Studium der Wirtschaftspädagogik hat Mohnen abgeschlossen. Heute arbeitet sie bei der Bundesakademie für öffentliche Verwaltung in Brühl. "Das ist eine Förderstelle. Ich werde für den Sport immer freigestellt." Nach zwei Jahren im Bitburger Basketballteam wechselte sie nach Koblenz, von da aus nach Bonn, und schließlich spielte sie seit 2004 in Köln, wo sie derzeit lebt. "Aber meine Heimat ist die Eifel. Das erzähle ich auch jedem." Die Bitburger sind stolz auf ihre Gold-Marina, sie durfte sich ins Goldene Buch der Stadt eintragen.
2005 wird Mohnen mit 26 Jahren deutsche Nationalspielerin. Ihr Talent hat sie bis nach London gebracht. Von der Stadt hat Mohnen bei den Paralympics nichts gesehen. Mit vor Ort waren Mutter Kati und Schwester Sonja. Beide sind stolz auf ihre Marina. Die Londonreise hatte Mutter Kati schon im Januar organisiert. "Die Oma hat vor dem Fernsehen mitgefiebert und geweint." Die deutsche Nationalmannschaft hat das Endspiel am 7. September mit 58:44 Punkten gegen Australien gewonnen (der TV berichtete). Mohnen hat elf Punkte gemacht. "Das Gefühl war irreal. Die eigene Hymne zu singen, war toll." Erst gegen 0.30 Uhr verließ die Mannschaft die Halle. "Dann war nichts mehr mit gesunder Ernährung", sagt die Sportlerin grinsend, "da gab es Burger und Fritten". Zusammen haben die Basketballerinnen ihr Goldmedaillen-Mahl eingenommen und danach bis in die Morgenstunden gefeiert. Was kommt als Nächstes? "Die Europameisterschaft 2013 in Frankfurt. Wir waren die letzten vier Jahre Meister, das wollen wir wieder."

 


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