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Sehr gut ist nicht gut genug

(SCHANKWEILER) Der geplante Bau des großen Wasserverbundsystems zwischen Nordrhein-Westfalen und Trier stößt in Schankweiler auf wenig Gegenliebe. Der Grund: Die eigene Quelle soll im Zuge des Großprojekts abgeklemmt werden.

04.10.2017
Uwe Hentschel
SCHANKWEILER Wenn Helfried Welsch über das Regionale Verbundsystem Westeifel informiert, dann schwingt auch immer die Begeisterung mit. Der Ingenieur ist Vorstandsmitglied der Kommunalen Netze Eifel (KNE), die mit einem bundesweit einmaligen Verbundsystem die Grundversorgung in der Westeifel verbessern wollen. Kernstück des Projekts ist dabei der Bau einer rund 80 Kilometer langen Leitungstrasse für Trinkwasser, Erdgas, Biogas und Telekommunikation. An diese "Hauptschlagader", die von der nördlichen Landesgrenze bis nach Trier verläuft, sollen durch den Bau einer Ost-West-Trasse auch bereits vorhandene Wassernetze angeschlossen werden. Und dazu zählen auch Teile des Versorgungssystems der Südeifelwerke Irrel (SWI).
Wie bereits erwähnt: Wenn Helfried Welsch über dieses Projekt informiert, dann ist seine Begeisterung zu spüren. Was zunächst auch für seinen Besuch im Dorfgemeinschaftshaus in Schankweiler gilt. Zwei Stunden später jedoch ist von dieser Faszination kaum noch was übrig. Denn irgendwie will die Begeisterung einfach nicht auf die Zuhörer überschwappen.
Grund für seinen Besuch im Dorfgemeinschaftshaus ist die Diebach-Quelle bei Schankweiler. Seit Jahrzehnten versorgt diese Quelle sowohl die Menschen in Schankweiler als auch im Nachbarort Peffingen mit Trinkwasser. Durch den Bau des großen Verbundsystems jedoch soll sich das ändern. Statt aus der Quelle soll das Trinkwasser zukünftig aus dem Bettinger Tiefbrunnen über Ingendorf in die Südeifel kommen. Das Wasser aus dem Tiefbrunnen ist deutlich härter als das aus der Diebach-Quelle. Was auch der Grund ist, warum sich in Schankweiler Widerstand gegen dieses (bereits beschlossene) Vorhaben regt.
Das Problem der Diebach-Quelle ist allerdings, dass die dortige Anlage veraltet ist und dort in absehbarer Zeit investiert werden müsste. Ginge es nach Schwankweilers Ortsbürgermeister Gerhard Schmalen, so gäbe es dazu eine einfach Lösung. "Wir hatten uns überlegt, dass man einfach ein neues Brunnenhäuschen mit zwei 50 000-Liter-Behältern baut", sagt Schmalen zu Beginn der mit 15 Zuhörern besuchten Veranstaltung. Für Robert Steimetz, stellvertretender SWI-Vorstand, ist es damit allerdings längst nicht getan. "Wenn wir dort etwas Neues bauen, dann muss es auch dem Stand der heutigen Technik entsprechen", sagt der SWI-Vorstand, der dafür mit Kosten von rund 700 000 Euro rechnet.
Die Beteiligung an dem Verbundsystem über die eigens dafür gegründeten Landwerke Eifel wird für die Südeifelwerke als einer von insgesamt acht kommunalen Projektpartnern deutlich günstiger als die Sanierung des Brunnens, worauf auch VG-Bürgermeister Moritz Petry hinweist. Statt 700 000 Euro seien es so nur 250 000 Euro, sagt Petry, der allerdings auch einräumt, dass die Kommunikation mit den Ortsgemeinden schlecht gelaufen sei. "An der Sache an sich aber hätte das nichts geändert." Der Brunnen sei nun mal Eigentum der VG, sagt Petry. Und im dortigen Rat sei genau wie im SWI-Verwaltungsrat diesbezüglich ein einstimmiger Beschluss gefasst worden.
Zudem sei das Wasser der Diebach-Quelle zwar wirklich "sehr, sehr gut", wie sowohl Welsch als auch Steimetz erklären, doch habe der niedrige pH-Wert auch einen großen Nachteil. Aufgrund der fehlenden Phosphate und Silikate wirke das Wasser äußerst aggressiv auf die Wasserleitungen, erklärt Steimetz. Was auch der Grund sei, warum an der Quelle 1990 eine Aufbereitungsanlage installiert worden sei. "Das Wasser mag zwar wirklich gut sein zum Trinken, aber es entspricht nun mal nicht der Trinkwasserverordnung", so Steimetz.
Noch aber werden die Menschen in Schankweiler und Peffingen weiter aus der Quelle versorgt. Und so wie es aussieht, wird sich daran die nächsten Jahre auch nichts ändern. Bislang nämlich befindet sich das Verbundsystem noch in der Konzeptphase. Und wie KNE-Vorstand Welsch erklärt, geht das ganze Vorhaben schleppender voran, als er dachte. "Ich bin da ganz ehrlich", sagt er. "Ich habe mich in vielen Dingen verschätzt. Das kostet alles Zeit."