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Sie kommen gerne, und sie kommen wieder

Das Wetter macht`s: Alle Campingplätze fast komplett ausgebucht - 59 000 Camper pro Jahr im Eifelkreis

(Oberweis) Für viele ist Camping die ideale Urlaubsform: Legere Kleidung, keine feste Essenszeit, tun und lassen, was man will, und das in einer schönen Landschaft. Dass die Eifel dazu ideale Voraussetzungen bietet, liegt auf der Hand. Vor allem Holländer kommen gerne hierher. Ein Besuch auf dem Prümtal Campingplatz in Oberweis bestätigt das.

07.08.2015
Wilma Werle
Oberweis. Ein warmer Tag geht zu Ende. Die Sonne steht dicht über der plätschernden Prüm. Das Freibad auf dem Campingplatz in Oberweis leert sich allmählich. Auf Wäscheleinen hängen nasse Badeanzüge. Mütter rufen ihre Kinder, Hunde liegen schläfrig an nackten Männerbeinen. Zwischen den rund 240 Zelten, Wohnwagen und Wohnmobilen steigt vereinzelt Rauch zum Himmel. Es wird gebrutzelt und gekocht - Zeit fürs Abendessen.

Viele kommen immer wieder


Wer meint, Camper würden sich ausschließlich von gegrillten Würstchen ernähren, der irrt. Theo Verdonschod aus den Niederlanden zaubert für sich und seine Frau Ida auf dem Gaskocher eine leckere Gemüsepfanne, bei Familie Holdermann aus der Nähe von Speyer, unterwegs mit einem VW-Bully mit Faltdach, gibt es Tortellini mit Soße und Tomatensalat. Jan Verhagen frittiert sich ein einsames Schnitzel und isst es mit großem Appetit. Seine Frau Grada fühlt sich nicht so gut und verzichtet heute auf ein Abendessen. Die beiden sind mit dem ganzen Familienclan angereist: vier Familien, vier Wohnwagen mit Vorzelt, sieben Enkelkinder. Jan und Grada sind erfahrene Camper. "Wir fahren nie an die gleiche Stelle." Hier aber gefällt es ihnen gut. Das Schwimmbad, der Platz, das Sanitärangebot, Ausflüge nach Bitburg, Luxemburg und Trier - alles passt. "Wir kommen wieder", verspricht Grada.

Wiederkommen - ein Trend, den sich die Eifeler Campingplatzbetreiber zunutze machen. Sie tun alles, damit sich ihre Gäste wohlfühlen. Auch Daniel Köhler und seine Familie, die den Campingplatz in Oberweis betreiben. Nach dem Urlaub bitten die Köhlers ihre Gäste mit Hilfe eines Fragebogens um eine Rückmeldung. Theo Verdonschod wird vermutlich keine volle Punktzahl abgeben: Ihm seien die Stellplätze zu klein, sagt er. Ein Problem, das Köhler bewusst ist. "Unsere Saison ist kurz. Das geht betriebswirtschaftlich ganz schnell hop oder top. Wenn wir 20 Plätze weniger vergeben würden, kämen wir auf einen Preis, den kaum noch einer bezahlen will." Ralf Hamper, der gebürtig aus Mettendorf stammt und inwischen an der Mosel lebt, kommt seit sieben Jahren mit seiner Patchworkfamilie, inklusive acht Kindern, regelmäßig nach Oberweis. Ihm macht die Nähe nichts aus. Das gehört für ihn dazu, genauso wie "Ancampen im Frühjahr und abcampen im Herbst" zum Jahresablauf.

Die Camper lieben die Ungezwungenheit und das lockere Miteinander. Nationalität, Einkommen und Beruf spielen keine Rolle. Ebenso wenig, ob man im Wohnmobil oder im Zelt anreist. "Es kommen immer noch welche mit Zelt", sagt Köhler und ergänzt: "Aber alles wird größer. Vor kurzem stand ein Wohnmobil im Wert von 600 000 Euro hier - eine absolute Ausnahme".

Zwischenstopp auf ein Bier


Dass Campen eine billige Form von Urlaub sei, hält Köhler für ein Klischee. "Wenn ich die Anschaffung von einem Wohnwagen rechne, den Unterhaltung, die Unterstellung, den Wertverlust, dann ist ein früh gebuchter all-inclusive-Urlaub billiger." Für ihn wie für die meisten Gäste ist Camping eine Einstellungssache. So auch für Familie Müller von der Ahr. Die drei gehören zu den Stammgästen - und kennen fast jeden. Bei ihnen bleibt an diesem Abend die Küche kalt. Pommes stehen auf dem Tisch. "Et hat lang jedauert an der Frittebud", erzählt Vater Müller im schönsten rheinländischen Dialekt. "Da hab ich mich selber belohnt und en Kasten Bier jekauft. Als ich hier runter jejangen bin, bin ich zweimal hängejebliebe - jetz sin schon vier Flasche raus."
Extra
Marion Heck vom Campingplatz Südeifel in Irrel berichtet von einer beinahe 100-prozentigen Auslastung. Die Aufenthaltsdauer liege bei bis zu drei Wochen. Peter Eichers vom Campingplatz Nimseck in Irrel sagt, dass die meisten seiner 250 Stellplätze an Holländer vermietet sind. Auch die 200 Stellplätze bei Christian Back vom Gaytal Camping Körperich sind gut belegt. Ähnlich sieht es auf den Campingplätzen Sauer-Our in Wallendorf und Ourtalidyll in Gentingen aus, beide im Besitz von Franz-Josef Wenzel. Seine insgesamt 300 Plätze sind fast ausgebucht. 80 Prozent seiner Gäste kommen aus Holland. Auf dem Campingplatz In der Enz in Neuerburg sind es sogar über 95 Prozent, berichtet Betreiberin Maria Frenzen. Viel zu tun hat auch Familie Richard vom Camping Altschmiede Bollendorf wie auch Erwin Thiex vom Campingplatz Echternacherbrück. "Das ist eine top Saison. Wir haben schon 700 Buchungen für nächstes Jahr." Nicht ganz so zufrieden ist Uschi Mertens-Kootz vom Campingplatz Reles-Mühle in Körperich-Obersgegen. "Die Vorsaison war gut, aber im Sommer wird es immer weniger." Roger Diederen vom Campingplatz Kyllburg ist vor zwei Wochen ein Baum vom Nachbargrundstück auf den Campingplatz gefallen. Die Stadt Kyllburg und die Verbandsgemeinde Bitburger Land haben sofort reagiert und als Vorsichtsmaßnahme die Fällung weiterer Bäume veranlasst. Er konnte zehn Stellplätze eine Woche lang nicht vermieten, Gäste seien wegen des Lärms der Sägen abgereist. wiw
Extra
Nach Angaben des Statistischen Landesamts haben 2014 rund 59 000 Gäste Campingurlaub im Eifelkreis gemacht und für rund 277 000 Übernachtungen gesorgt. Campingurlauber geben im Schnitt täglich für Unterkunft, Freizeit und Einkauf rund 45 Euro aus. Insgesamt gab es in der Eifel 2014 etwa 306 000 Urlauber - davon 157 295 aus den Niederlanden, 88 159 aus dem benachbarten Belgien und 8358 aus Großbritannien.wiw/od

 

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