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Steckt eine Frau hinter dem Aachener Dombau?

In ihrem neuen historischen Roman lüftet Martina Kempff das Rätsel um die Kuppelkonstruktion

(Kehr/Hallschlag) Die Schriftstellerin Martina Kempff hat lange Zeit im Eifeler Grenzort Kehr (Schneifel) gelebt und dort zahlreiche Bücher verfasst. Neben ihren historischen Romanen hat sie sich auch einen Namen als Eifel-Krimi-Schreiberin gemacht. Ihr jüngstes Werk "Die Gabe der Zeichnerin" dreht sich um den Bau des Aachener Doms.

16.12.2013
Stefanie Glandien
Kehr/Hallschlag. Mehr als zwei Jahre hat Martina Kempff an ihrem neuen Roman "Die Gabe der Zeichnerin" gearbeitet. Die Mühe hat sich gelohnt. Herausgekommen ist ein unterhaltsames wie lehrreiches Buch, in dessen Mittelpunkt eine interessante Frau steht.

Die Handlung:
Der Roman "Die Gabe der Zeichnerin" von Martina Kempff beleuchtet den Bau des Aachener Doms. Den zahllosen Legenden, die sich um die Entstehung des prachtvollen Baus und Karl den Großen ranken, hat die Autorin eine weitere hinzugefügt. So blieb bis heute geheim, wer es geschafft hat, die steinerne Kuppel zu wölben. Bei Martina Kempff ist dies dank eines Baumeisters aus Bagdad gelungen.
Aber nicht er ist der eigentliche Held der Geschichte, sondern eine begabte Zeichnerin, die als Mann verkleidet beim Bau des Aachener Doms hilft. Ezra begleitet ihren Vater, der vom Kalifen Harun al Raschid aus Dankbarkeit ins Frankenland geschickt wird, um Karl dem Großen beim Bau seines Doms zu helfen. Ein heikles Unterfangen, denn wenn entdeckt würde, dass sich hinter der Verkleidung eine Frau verbirgt, müsste sie mit dem Tod rechnen. Deshalb bleibt sie stumm, um sich auch mit ihrer Stimme nicht zu verraten. Als ihr Vater bei einem Unfall ums Leben kommt, soll Ezra sein Werk vollenden. Doch Karl dem Großen kommen Zweifel. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Sohn des Baumeisters.

Die Autorin:
Martina Kempff ist Autorin, Übersetzerin und freie Journalistin. Sie war Reporterin bei der Berliner Morgenpost, der Welt und der Bunten. Acht Jahre lang lebte sie in der Eifel im Grenzörtchen Kehr. Dort schrieb sie nicht nur eine Eifel-Krimi-Serie, sondern auch mehrere historische Romane. Vor allem Karl der Große hat es der Autorin angetan. "Die Königsmacherin" handelt von der Mutter Karls des Großen, "Die Beutefrau" von seiner letzten großen Liebe und "Die Welfenkaiserin" von seinem Erbe.
Gerade für ihre historischen Romane recherchiert die 63-Jährige akribisch. "Für kein anderes Buch habe ich mir so viel Zeit gelassen und mit solcher Lust und Begeisterung solche Mengen an Material gesammelt", schreibt Martina Kempff im Nachwort ihres aktuellen Romans.

Die ersten Sätze:
"Hierher Jude!" Der scharfe Befehl des Wesirs verhieß nichts Gutes. Isaak verfluchte seine Eitelkeit, die ihn am neu angelegten Teich des Kalifengartens hatte stehen bleiben lassen. Nicht etwa, um sich im stillen Wasser zu spiegeln - mit seiner äußerlichen Erscheinung hielt er sich nie über Gebühr auf -, sondern um sich an seinen Kenntnissen der arabischen Sprache zu erfreuen. Die Seerosen im Teich waren nämlich kunstvoll zu Schriftzeichen arrangiert.

Fazit:
Auch wenn die Existenz der Zeichnerin nicht bewiesen ist, vorstellbar ist sie. Mit diesem Hintergrundwissen kann sich der Leser in ein spannendes Leseabenteuer um den Kuppelbau des Aachener Doms stürzen - und wird nicht enttäuscht. Denn Martina Kempff ist eine ausgezeichnete Erzählerin historischer Geschichten.
Martina Kempff; Die Gabe der Zeichnerin, Pendo Verlag, 432 Seiten, 19,99 Euro.