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US-Amerikaner zu Gast bei Eifeler Familien: Genesis mag Knödel und Weihnachten

(Idenheim) Durch das Programm Adopt a Saber bekommen amerikanische Soldaten Zugang zu deutschen Familien. Einer von ihnen erzählt, was er am Leben in der Eifel besonders schätzt.

14.11.2017
Andrea Weber
Idenheim Genesis L. Gorre sitzt in der Küche der Familie Dahl in Idenheim. Es ist sein letzter Abend in Deutschland. Drei Jahre lang hat der 26-jährige Soldat auf der Airbase Spangdahlem gelebt. Nun muss er zurück in die USA zu seinem neuen Stützpunkt in New Jersey. Seine Gastmutter Susanne Dahl wird ihn vermissen. "Es ist für mich schwierig, nicht zu wissen, ob er wiederkommt", sagt sie. "Ich hoffe, dass wir in Kontakt bleiben und uns wiedersehen".
Die 50-Jährige aus Idenheim und ihre Familie haben den jungen Kalifornier mit philippinischen Wurzeln nämlich vor drei Jahren "adoptiert" - über das Programm "Adopt a Saber" (Adoptiere einen Soldaten). Gedacht ist es für junge Frauen und Männer von der Airbase, die ohne ihre Familie nach Deutschland kommen und sich deshalb über Anschluss freuen (siehe Info). So wie Genesis.
Er hat in den vergangenen drei Jahren am Familienleben der Dahls teilgenommen. Kam ab und an zum Essen, hat Weihnachten mit der ganzen Familie gefeiert und Ausflüge mit ihnen gemacht. Außerdem haben sie viel gemeinsam gespielt und gekocht, um die Sprache zu lernen. An Silvester ist er mit den Kindern der Dahls zum Feiern nach Prag gefahren und hat sie im nächsten Jahr zufällig in Amsterdam wieder getroffen, wie Susanne Dahl lachend erzählt. "Die Chemie muss stimmen", sagt sie, "meine Kinder sind etwa im selben Alter wie Genesis. Deshalb hat das gut gepasst." Außerdem sei ihre Tochter schon in Australien und Amerika gewesen und spreche sehr gut Englisch. Susanne Dahl spricht inzwischen besser. "Das war eine gute Gelegenheit, Englisch zu lernen", sagt sie. "Dadurch hat er natürlich kein Deutsch gelernt", fügt sie hinzu.
Die deutsche Kultur hat er allerdings sehr wohl kennengelernt. Und lieben. "Hier ist es friedlicher und sozialer als in den USA", sagt Genesis. "Man kann einfach überall hinreisen, die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit und deutsche Städte sind wirklich schön." Und vor allem seien sie sicherer als in den USA. Auch dass es kein Tempolimit auf der Autobahn gibt, findet er gut - und das Essen. Er lacht. Sein Lieblingsessen ist Jägerschnitzel, aber auch vor Leberknödel und Bananenweizen schreckt er im Gegensatz zu seinen Kollegen nicht zurück. Obwohl er den einen oder anderen inzwischen zumindest von dem Mischgetränk überzeugen konnte. Bei Dahls mag er am liebsten Susannes Salate. "Ich habe noch nie erlebt, dass ihm irgendwas nicht geschmeckt hat." Sie lacht.
Neu war für Genesis, dass man in Deutschland überall Alkohol trinken darf und dass Wasser teurer ist als Bier. "Dann kauft man ja besser Bier." Er grinst. Ernster fügt er hinzu: "Hier gibt es mehr Freiheit als in den USA. Das ist gut." Deshalb würde der junge Mann auch gerne noch in Deutschland bleiben. Um ein Jahr hat er seine Zeit schon verlängert, eigentlich bleiben die Soldaten nur zwei Jahre an einem Ort, erklärt er. Seine Bitte um eine weitere Verlängerung wurde aber abgelehnt. Sobald und wenn er kann, will er aber wieder kommen.
Als Souvenir nimmt er sich Fotomagneten für den Kühlschrank mit, die er in verschiedenen deutschen Städten gesammelt hat. Und ein handgeschnitztes Holzschild mit den Koordinaten der Airbase, auf dem Zuhause steht. Denn sein Zuhause ist die Eifel in den letzten Jahren geworden - auch dank Familie Dahl.
Und was wird Genesis besonders vermissen? "Alles." Besonders vielleicht die deutschen Weihnachtsmärkte, die haben es ihm angetan. "Einmal bin ich spontan nach Dudeldorf zum Weihnachtsmarkt gefahren", erzählt Dahl. Sie habe dem 26-Jährigen geschrieben, aber gleich dazu gesagt, dass nur sie und die Oma führen. "Und er ist trotzdem mitgekommen." Sie lacht. "Es hat ihm gut gefallen." Überhaupt mag er das deutsche Weihnachten. "Das ist viel familiärer als in den USA. Spontaner und lustiger", sagt er. Für Dahl war es außerdem spannend, durch ihren Gast einen Einblick in das Leben auf der Base zu erhalten. "Ich lebe seit fast 30 Jahren in der Eifel, aber auf dem Gelände war ich vorher noch nie", sagt sie. Gemeinsam mit Genesis hat sie dort Kappensitzungen und Tanzveranstaltungen besucht.
Genesis L. Gorre verlässt als Letzter von 15 im Jahr 2014 adoptierten Soldaten die Eifel. Die Organisatorin und Vorsitzende des deutsch-amerikanischen Frauenclubs, Karin Jung, möchte aber bald eine neue Runde von "Adopt a Saber" starten und hofft, dass es wieder so gut läuft wie mit den Dahls und Genesis. "Da entstehen jahrelange Freundschaften", weiß sie aus eigener Erfahrung.
Würde Susanne Dahl wieder einen Soldaten adoptieren? "Ich denke schon", sagt sie, "aber ich finde es schwierig, weil ich mit Genesis so zufrieden war. Er ist so zuverlässig und so offen und er passt zu meinen Kindern. Er ist wirklich wie ein Sohn für mich."
An diesem Abend hat sie ein letztes Mal für ihn gekocht. Und was gibt es? "Nudelauflauf mit Gehacktem", verrät Dahl. Und dazu Salat.
Extra: DAS PROGRAMM ADOPT A SABER

Alleinstehenden jungen Soldaten auf der Air Base Spangdahlem fehle oft der familiäre Anschluss, sagt Karin Jung, die Organisatorin von "Adopt a Saber" ist. Sie verbrächten ihre Freizeit häufig mit Videospielen und bekämen keinen Anschluss beziehungsweise Einblicke in die deutsche Kultur. Mit dem "Adoptionsprogramm" will Jung den jungen Soldaten diesen Zugang zu Deutschland ermöglichen. Die Vorsitzende des deutsch-amerikanischen Frauenclubs hat das Programm gemeinsam mit dem amerikanischen Soldaten Andres Gomez wieder aufleben lassen. 2006 hatte es so etwas schon einmal unter dem Namen "Adopt an Airman" gegeben.