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Volksbank Eifel schließt Filialen

(Bitburg) Der Vorstand bestätigt auf TV-Anfrage, dass Zweigstellen von der Karte verschwinden werden, betont aber auch, dass man in der Region weiter verankert bleibt. Ein Widerspruch?

13.09.2017
Dagmar Schommer
Kleine Bankfilialen, in denen ein Berater hinter dem Schalter sitzt und Überweisungen für Kunden ausfüllt, sind ein Auslaufmodell. Dort zählen die Geldinstitute gerade mal noch eine Handvoll Besucher am Tag. Inzwischen erledigt mehr als die Hälfte der Kunden der Volksbank Basisgeschäfte digital.

Ob Überweisungen, Kontoauszüge einsehen oder Daueraufträge einrichten: Das alles kann man heute längst auch von zu Hause aus machen. Und die Volksbank geht davon aus, dass immer mehr Kunden diese Möglichkeit nutzen werden. Zumal sich die Technik auch von Jahr zu Jahr weiterentwickelt. Vor diesem Hintergrund überdenkt die Volksbank Eifel ihren Vertrieb.

Angeklungen ist das bereits im Februar, als das Konzept der "VR Eins"-Bank vorgestellt wurde (der TV berichtete).
Bereits damals machte der Vorstand deutlich, dass Investitionen in Beratungsleistungen nicht im Widerspruch zur Schließung einzelner Filialen stehen. Klar war, dass das "VR eins"-Konzept (siehe Info) ausgebaut werden soll. Fest stand auch, dass nur Zweigstellen geschlossen werden, die kaum noch genutzt werden - wie etwa jene in Rittersdorf, die seit Ende März zu ist. Protest hat es vor Ort nicht gegeben. Aber Rittersdorf war erst der Anfang.
Unter dem Titel "Information zur strategischen Ausrichtung" ist eine Einladung zu einer Pressekonferenz am Donnerstag betitelt. Kommen nun die Schließungen? "Ja, wir werden auch Zweigstellen aufgeben", räumt Vorstand Andreas Theis auf TV-Anfrage ein. Wie viele Orte es trifft, sagt er nicht: "Ich bitte um Verständnis, dass wir im Vorfeld keine Details preisgeben."

Ziel sei es, zunächst die Vertreter sowie die Kunden der betroffenen Filialen zu informieren. Das lief bei der Sparkasse Mittelmosel Ende 2016 anders. Dort haben die Ortsbürgermeister und Kunden die Nachricht aus der Zeitung erfahren. Ein Vorgehen, das die Volksbank Eifel vermeiden will. Entsprechend zugeknöpft reagiert der Vorstand auf die TV-Anfrage. Klar wird zwischen den Zeilen dennoch, dass es sich wohl nicht um nur ein, zwei Zweigstellen dreht, die von der Karte verschwinden.

"Ein betriebswirtschaftlich weitsichtiges und gesundes Management muss auch bereit sein, sich von nicht mehr erfolgreichen Segmenten zu trennen", sagt Theis und meint genau solche Zweigstellen, die eben kaum noch Frequenz haben. 33 Filialen zählt die Volksbank Eifel in ihrem Marktgebiet, das 212 Gemeinden in den Kreisen Bitburg-Prüm und Vulkaneifel umfasst. Die Bank, die mit einer Bilanzsumme von rund 1,3 Milliarden Euro etwa in die Größe der Volksbank Trier hat, ist 2016 durch die Fusion der Volksbanken Bitburg und Eifel-Mitte entstanden. Im Zuge dieses Zusammenschlusses habe sich die Bank auch der Aufgabe gestellt, das Vertriebsnetz neu auszurichten, sagt Theis.

Eine Entscheidung übrigens, die nicht dem angespannten Markt geschuldet sei: "Klar ist das Marktumfeld mit Niedrigzinspolitik nicht einfach. Aber bei dieser Neuausrichtung geht es um Kundenorientierung und unternehmerisch kluges Verhalten. Wir können es uns nicht leisten, Leistungen anzubieten, die kaum einer will. Wir müssen in das investieren, was unsere Kunden nachfragen und brauchen", sagt Theis. Und dabei gehe es vor allem um kompetente Beratung zu komplexen Themen - ob Vererben, Unternehmensnachfolge, Hausfinanzierung, Altersvorsorge oder Geldanlage.

Bei der ganzen Umstrukturierung ist für den Vorstand zentral, was im Zuge der Schließungen in Service und Beratung investiert werden soll. "Im Mittelpunkt steht ein verändertes Kundenverhalten", sagt Theis und verspricht: "Wir bleiben in der Fläche. Regionalität gehört fest zu unserer strategischen Ausrichtung."
Und damit diese Beratung auch in Zukunft für jeden der rund 74 000 Kunden erreichbar ist, werde in Technik investiert. Vorerst von Theis nur so viel: "Was wir an räumlicher Nähe an der ein oder anderen Stelle aufgeben, werden wir durch persönliche Nähe in der Beratung auffangen."

Meinung: Es geht nicht mehr zurück
Keiner findet es gut, wenn eine Bank Zweigstellen schließt. Ob Schule, Kneipe oder Tante-Emma-Laden: Es verschwindet schon gerade genug von den Dörfern - jetzt auch noch die Banken? Grund zur Freude ist das nicht. Aber ähnlich wie bei den Tante-Emma-Läden und Kneipen gilt: Wären sie rege genutzt worden, gäbe es sie noch heute. Es läuft aber anders. Auch wegen der Möglichkeiten des Internets. Gegen diesen Wandel kann man sich nicht stemmen. Für Unternehmen gilt, darauf möglichst passend für ihre Kunden einzugehen. Was die alte Volksbank Bitburg immer ausgezeichnet hat ist, dass nur Filialen geschlossen wurden, die kaum genutzt wurden. Das gilt nun auch hoffentlich für die neue Volksbank Eifel. Sonst ist Protest diesmal programmiert. d.schommer@volksfreund.de
Extra: DIE "VR-EINS"-BANK
Die Antwort darauf, wie Beratung bei fortschreitender Digitalisierung aussehen kann, heißt bei der Volksbank "VR Eins". Das ist die etwas andere Filiale, die 2015 als Pilotprojekt in Bitburg gestartet ist: kein Schalter, kein Bargeld, aber Berater, die von 8 bis 20 Uhr für die Kunden per Mail, SMS, Videokonferenz oder vor Ort bereitstehen. Jeder Kunde hat einen persönlichen Ansprechpartner, der bei Bedarf Spezialisten dazu schaltet. So will die Bank die Beratung für Kunden steigern, die sonst alles digital erledigen und keine klassische Filiale brauchen.
Extra: FILIALSCHLIEßUNGEN IN DER VULKANEIFEL
Die Kreissparkasse Vulkaneifel hat im vergangenen Jahr ihr Geschäftsstellennetz ausgedünnt. Vier Filialen (Lissendorf, Neroth, Dreis-Brück, Mehren) sind am 31. Dezember 2016 geschlossen worden. Die Volksbank RheinAhrEifel, zu deren Geschäftsgebiet auch ein großer Teil der Verbandsgemeinde (VG) Daun und die komplette VG Kelberg gehören, hat 2016 die Filiale in Uersfeld geschlossen. Seit 31. März ist zudem die Zweigstelle in Oberstadtfeld zu. Sie ist nun eine SB-Filiale.