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Volksbank Eifel schrumpft von 33 auf 20 Filialen (Grafik)

(Bitburg) Das Geldinstitut baut sein Vertriebsnetz um und investiert etwa drei Millionen Euro in neue Formen der Beratung und moderne Technik.

14.09.2017
Andrea Weber
„Wir lassen niemanden im Regen stehen“, verspricht Michael Simonis, einer der beiden Vorstände der Volksbank Eifel auf die Frage, was die 85-Jährige aus Hallschlag demnächst machen soll, wenn sie in ihrem Ort noch nicht mal mehr einen Geldautomaten hat. Im Einzelfall fahre ein Mitarbeiter zu der Dame nach Hause und bringe ihr das Geld vorbei, erklärt Vorstand Andreas Theis. Die Erfahrung habe aber gezeigt, dass die meisten sich einfach anders organisierten – und zum Beispiel dort Geld abhöben, wo sie einkauften. 

Der Vorstand hat zu einer Pressekonferenz eingeladen, um die Entwicklung der Volksbank Eifel in den nächsten Jahren vorzustellen: Bis 2020 werden 17 klassische Filialen geschlossen – in vier Dörfern wird die Bank auch die Geldautomaten abbauen und gar nicht mehr vertreten sein. Außerdem werden 20 Stellen abgebaut. „Es wird aber keine Kündigungen geben“, verspricht Simonis. 15 Mitarbeiter gingen bis 2020 in den Ruhestand. Die anderen fünf Stellen ließen sich durch normale Personalbewegungen abbauen. Die frei werdenden Gebäude wird die Bank verkaufen beziehungsweise die Mietverhältnisse kündigen.

Wichtig ist Theis, dass das Konzept von Mitarbeitern erstellt worden sei und von diesen mitgetragen werde. „Wir werden durch die Konzentration und Bündelung unserer Kräfte besser, schneller, und erreichbarer“, sagt der Vorstand. Denn während die Volksbank klassische Filialen schließt, eröffnet sie gleichzeitig sieben neue Servicepoints und vier VR-Eins-Filialen. Die VR-Eins-Banken sind reine Beratungsfilialen, in denen es keinen Geldverkehr gibt. Dort werden Kunden persönlich und digital betreut und vor Ort oder per Video beraten – ob zur Hausfinanzierung oder zu Geldanlagen. 

An den Servicepoints können normale Bankgeschäfte abgewickelt werden. Hauptsächlich mit dem neuen, futuristisch anmutenden System Sisy (Service-Interaktiv-System), das die Volksbank zudem an acht Standorten in bestehende Filialen integriert. Dabei handelt es sich um eine Art Kabine, in der die Kunden per Video mit einem Mitarbeiter verbunden werden. Mit dessen Hilfe können sie laut Volksbank Auskünfte einholen, Geld ein- und auszahlen oder überweisen. „Dafür sind keine technischen Fähigkeiten nötig“, verspricht Theis. Unterschreiben kann der Kunde auf einem digitalen Unterschriftengerät, Unterlagen werden mit einer Kamera gescannt. Für komplexere Themen kann er einen persönlichen Termin mit seinem Berater vereinbaren, und diesen im Servicepoint treffen. 

Um die Bargeldversorgung in der Fläche zu gewährleisten, arbeitet die Bank an Alternativen: Ihre Kunden könnten an Automaten der Kreissparkasse Geld abheben und umgekehrt, außerdem könne man sich bei Einkaufsmärkten Geld auszahlen lassen und es seien rollende Verkaufswagen angedacht.

Mit der neuen Struktur hätten sie auf das Nutzungsverhalten der Kunden reagiert, erklärt Simonis. So wie die Menschen heute ein Navi statt eines Straßenatlas nutzten und im Internet einkauften statt in ein Geschäft zu gehen, so tätigten viele auch ihre Bankgeschäfte online. 
Die Reaktionen seien bisher positiv, sagt Theis. „Natürlich reagieren die Leute zunächst damit, dass jetzt was fehle in ihrem Ort“, aber die räumliche Nähe gliche die Bank durch persönliche Nähe aus, indem Berater zu den Kunden führen. „Und es hat jeder gesagt, es ist gut, dass ihr in die Zukunft investiert und euren Service erweitert.“ 

Investieren wird die Bank laut Theis in den nächsten drei Jahren fast drei Millionen Euro. Und sie hat ihre Öffnungszeiten erweitert. Mit VR Sisy sind die Mitarbeiter von 7 bis 19 Uhr erreichbar, mit den VR-Eins-Filialen von 7 bis 20 Uhr. „Das heißt, die Kunden können jetzt auch vor oder nach der Arbeit noch zur Bank“, sagt Simonis. „Das ging bisher nicht.“

WAS ÄNDERT SICH AN WELCHEN ORTEN?
Aus den Dörfern Lissendorf, Hallschlag, Preist und Spangdahlem verschwindet die Volksbank bis Ende des Jahres ganz. In Olzheim, Orenhofen (2017), Biersdorf, Herforst, Birresborn (2018), Zemmer, Prüm Bahnhofstraße, Jünkerath, Dudeldorf (2019), Körperich, Gerolstein Stadt und Kyllburg (2020) werden Filialen geschlossen, die Geldautomaten bleiben aber bestehen.
In Üxheim (2017), Bahnhof Bitburg (2018), Dockweiler, Oberweis, Mettendorf (2019), Badem und Bollendorf (2020) werden Servicepoints eröffnet und in Speicher, Prüm (2018), Gerolstein (2019) und Neuerburg (2020) VR-Eins-Filialen. 
Das Service-Interaktiv-System Sisy wird an den Standorten Speicher (2017), Bitburg, Prüm (2018), Gerolstein, Welschbillig, Neuerburg, Hillesheim und Stadtkyll (2020) integriert. 
Die Jugendbank aus der Bitburger Fußgängerzone zieht in die VR-Eins-Filiale in der Bahnhofstraße.